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27. Dezember 2021 6:09  Uhr

Sprache und 5G als Hebel für eine starke Partnerschaft

Die 13. Auflage der Marienbader Gespräche fand auch, aber nicht nur als digitales Format statt: Experten aus Westböhmen, Oberösterreich und Ostbayern befassten sich generell mit der Digitalisierung.

Wichtige Akteure aus der Grenzregion will man auch künftig in Marienbad zusammenführen. An diesem Ziel wird die Handwerkskammer festhalten, betonen Präsident Dr. Georg Haber, Abteilungsleiterin Katharina Wierer und Hauptgeschäftsführer Jürgen Kilger (v. li.). | Foto: HWKNO

Von Gerd Otto

MARIENBAD/REGENSBURG. Gemeinsam ermitteln, was diese Region braucht, um Forderungen gebündelt an die Politik weiterzugeben: An dieser Gründungsidee, so brachte es Dr. Georg Haber, der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz auf den Punkt, wollen die Wirtschaftsräume entlang der gemeinsamen Grenze von Tschechien, Österreich und Bayern auch in Zukunft festhalten. Obwohl oder gerade weil die Coronapandemie die 13. Ausgabe der Marienbader Gespräche in ein digitales Format gezwungen hatte, sei diese Begegnung exzellenter Experten und politisch in den einzelnen Regionen verantwortlicher Persönlichkeiten wichtiger denn je gewesen. Kein Wunder, dass Bayerns Europaministerin Melanie Huml die Marienbader Gespräche als Gipfeltreffen bewertete, gleichzeitig aber auch ihre Rolle als „Ideenschmiede aller grenzübergreifenden Akteure“ hervorhob.

Region soll vom Silicon Valley lernen

Inhaltlich hatte man sich neben den bei diesem Treffen schon traditionell vertretenen Aspekten des Arbeits- und Ausbildungsmarktes insbesondere die Themen Dienstleistung in Europa und vor allem die fortschreitende Digitalisierung in der Grenzregion vorgenommen. Dabei unterstrich Prof. Dr. Wolfgang Dorner von der Technischen Hochschule Deggendorf in seinem Impulsreferat, dass man aus der Entwicklung rund um das Silicon Valley durchaus etwas für die Situation in der Mitte Europas lernen könne. Um die Vorteile aus der Verbindung von Tradition und Hightech – etwa in Bezug auf Flexibilität und Zuverlässigkeit – tatsächlich nutzen zu können, müsse der neue Mobilfunkstandard gerade auf dem Land bald verfügbar sein. Prof. Dorner zeigte sich fest davon überzeugt, dass die Generation 5 weit mehr sei als 4G plus 1G. Erst mit dieser Form der Digitalisierung werde es möglich, die Basis dafür zu legen, damit die Betriebe neue Technologien einsetzen werden.

Neue Wertschöpfungsketten bilden

Mit Blick auf Ostbayern, Westböhmen und Oberösterreich könnten so grenzübergreifende Wertschöpfungsketten neu gebildet werden. Diese gelten, wie Prof. Dorner in einer Diskussionsrunde unterstrich, im konkreten Fall gerade für das Verhältnis zur Region Pilsen, die er als digitale Vorreiterin bezeichnete. Umso mehr appellierte er an die Politik, von den Kommunen bis zu den Repräsentanten des Freistaats, für eine flächendeckende Bereitstellung von 5G zu sorgen.

Weit über den Aspekt der Digitalisierung hinaus war man sich bei den Marienbader Gesprächen gerade auch mit Blick auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt einig, dass die derzeitige Krise durchaus als Chance begriffen werden könne. Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz Jürgen Kilger plädierte insbesondere für eine stärkere Kooperation zwischen Bayern und Tschechien, könne man doch nur durch gemeinsame Anstrengungen die von der Pandemie ausgelösten Herausforderungen bewältigen.

„Neustart für das Herz Europas“

Wie schnell Corona sogar Vorurteile gegenüber den Nachbarn habe wieder aufleben lassen, darüber zeigte sich MdL Dr. Gerhard Hopp sehr betroffen. Umso mehr sei ein „Neustart für das Herz Europas“ dringend erforderlich, wie Hoppe das gemeinsam mit dem Europaabgeordneten Christian Doleschal vorgelegte Zwölf-Punkte-Zukunftsprogramm überschrieben hatte. Dabei geht es den beiden Politikern neben der Errichtung eines bayerisch-tschechischen Koordinators vor allem auch um eine Sprachoffensive, vom Kindergarten bis zum Berufsabschluss auf beiden Seiten der Grenze: „Nur wer sich versteht, hat auch Verständnis füreinander.“

Hinsichtlich der Mitarbeiterentsendung in Europa war man sich bei den Gesprächen grenzüberschreitend einig, dass nur schlanke Verfahren zur Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und damit zur Vertiefung des Europäischen Binnenmarktes beitragen. Die Entsendung müsse „einfacher, fairer und effektiver“ werden, betonten die Verbindungsbeamten der Europäischen Arbeitsbehörde ELA Matej Gregarek und Thomas Thoma ebenso wie Andrea Oel-Breitschneider vom Zentralverband des deutschen Handwerks in der Brüsseler Vertretung. Gerade das Handwerk müsste, wenn es sich jenseits der Grenze betätigt, auftrags-, kunden- und servieorientiert handeln.