Kooperation
30. Oktober 2020 6:09  Uhr

Starkes Bündnis für die freie Szene

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist zwiegespalten. Die einen profitieren von der Coronakrise, die anderen stehen mit dem Rücken zur Wand. Glück hat, wer gut vernetzt ist und neue Partnerschaften schließt.

Foto: Petra Homeier

Von Stina Walterbach

REGENSBURG. Getreu dem Spruch: „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere“, versuchen Kulturakteure weltweit, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Neue Formate und Ideen schießen wie Pilze aus dem Boden. Auch in Regensburg macht die kreative Szene ihrem Namen alle Ehre. Neuestes Beispiel ist eine Kooperation, die es ohne die Pandemie wohl nicht geben würde: Turmtheaterchefin Undine Schneider und Thomas Zink, Geschäftsführer des Donau-Einkaufszentrums, ziehen an einem Strang und geben der freien Kulturszene eine neue Bühne im Donau-Einkaufszentrum.

Keine Kelleratmosphäre in Coronazeiten

Bereits während des Lockdown wurde Schneider klar, ein lohnender Theaterbetrieb wird im Turmtheater lange nicht möglich sein. Denn gerade die heimelige Atmosphäre und die Nähe zu den Schauspielern, die sonst den besonderen Charme dieser Spielstätte ausmacht, ist in Zeiten mit Abstandsregeln und Hygienekonzepten eher hinderlich als förderlich. Eine andere Bühne musste her, die auch im Winter bespielbar ist.

Anfragen bei der Stadt führten zu keinem Ergebnis – dafür aber ein Marketingfrühstück des Regensburger Stadtmarketings im Sommer im Degginger: Dort trafen Thomas Zink, der als Vertreter des Einzelhandels geladen war, und Undine Schneider, die für die Belange der Kultur sprach, bei einem Podiumsgespräch aufeinander und kamen ins Gespräch.

Im ehemaligen Gartencenter blüht die Kunst auf

Kurzerhand bot Zink Schneider die Fläche der ehemaligen Haubensak-Filiale an. Diese war bereits zum 50-jährigen Jubiläum des Donau-Einkaufszentrums für Veranstaltungen genutzt worden. Danach standen die Räume erneut leer, auch wenn es immer mal wieder Überlegungen für neue kulturelle Zwischennutzungen gab. Immerhin sei die Kulturförderung schon von Beginn an fester Bestandteil des Konzepts gewesen, so Zink.

Mit seinen 199 Plätzen ist die neue Spielstätte eine echte Seltenheit und ein Glücksfall, findet Schneider. Denn auch, wenn die neue Bühne die Umsatzeinbußen nicht wettmache, gebe es so wenigstens wieder eine Perspektive, so die Turmtheaterchefin. Auch für andere kleine Veranstalter oder auch Firmen seien die Räumlichkeiten eine echte Alternative.

Viele werden auf der Strecke bleiben

Gerade Soloselbstständige und kleine Veranstalter treffe die Krise besonders hart, weiß auch Carola Kupfer, Vorsitzende des Vereins Forum Kultur- und Kreativwirtschaft sowie Präsidentin des bayerischen Landesverbandes der Kultur- und Kreativwirtschaft: „Ich bin mir sicher, dass gerade im Veranstaltungsbereich – bis auf Unternehmen, die ganz früh gute hochwertige digitale Formate entwickelt haben – es alle anderen nicht schaffen werden.“ Sie rechnet damit, dass 50 Prozent der Soloselbstständigen im Kulturbereich am Ende sind. Im Vergleich dazu stehen andere Teile der Kreativwirtschaft wie etwa die Gamingindustrie, Streamingdienste und Teile der Werbewirtschaft gut da und können wohl als Profiteure der Krise gelten.

Eine Kooperation mit Vorbildcharakter

Aus diesem Grund würde sich Kupfer mehr solcher Kooperationen wünschen, wie es sie in Regensburg gerade zwischen Einzelhandel und freier Kulturszene gibt. Denn davon profitiere nicht nur die freie Szene, auch der Einzelhandel im Donau-Einkaufszentrum ziehe einen Vorteil aus der neuen Partnerschaft. „Die Künstler können die Grundfrequenz des Einkaufszentrums nutzen und wir erreichen auch Besucher, die sonst vielleicht nicht ins Center kommen würden“, sagt Zink.

Neu ist das Konzept, Leerstände kulturell zwischenzunutzen, natürlich nicht. Trotzdem sei es gerade in dieser schwierigen Situation wichtig, neue Partnerschaften zu schließen und kreativ zu werden, um sowohl die lokale Wirtschaft als auch die Kulturszene zu unterstützen, ist sich die Präsidentin des Landesverbandes sicher. „Wir wünschen uns, dass man an das Thema Leerstand noch mal völlig neu rangeht, mit völlig neuen Ideen“, sagt Kupfer.

Gute Idee

Kreative Lösungen statt Leerstand

Die ehemalige Haubensak-Filiale im Donau-Einkaufszentrum wird zur neuen Spielstätte für bis zu 199 Personen. Um die neue Bühne zu bespielen, haben sich die Regensburger Kulturakteure zusammengeschlossen. Rund 60 Veranstaltungen sind bis Ende des Jahres geplant. Foto: Petra Homeier