Nominierte des Studentenpreises 2019
21. Mai 2020 12:00  Uhr

Studentenpreis: Das sind die Nominierten

Aus 32 Bewerbungen wählte die Jury mit Annika Weigel, Matthias Putz, Martin Brix und Christian Elsner vier Finalisten aus, die sich Hoffnungen auf den Studentenpreis 2019 machen dürfen. Wer den Studentenpreis der Wirtschaftszeitung 2019 gewonnen hat, wird am 22. Mai bekanntgegeben.

Finalisten und Gewinner des Studentenpreises der Wirtschaftszeitung 2018 gemeinsam mit den Vertretern der Sponsoren, dem Laudator und den Vertretern der Wirtschaftszeitung – Foto: Stefan Hanke

Von Anna Schätzler und Veronika Weigert

REGENSBURG. Bereits zum siebten Mal vergibt die Wirtschaftszeitung den Studentenpreis. Im Wettbewerbszeitraum bewarb sich mit 32 Einsendungen eine sehr hohe Zahl an Studierenden mit ihren Bachelor- und Masterarbeiten. Aus den Bewerbungen wählte die Jury mit
Annika Weigel, Matthias Putz, Martin Brix und Christian Elsner vier Finalisten aus, die sich Hoffnungen auf den Studentenpreis der Wirtschaftszeitung 2019 machen dürfen. Einer von ihnen wird als Sieger einen Glaspokal sowie 3000 Euro gewinnen. Die drei weiteren Finalisten erhalten je 1000 Euro. Mit dem Studentenpreis zeichnet die Wirtschaftszeitung herausragende Abschlussarbeiten von Absolventen aus, die ihre Arbeit an einer ostbayerischen Hochschule oder in Zusammenarbeit mit einem ostbayerischen Unternehmen erstellt haben.

Wie kann man neue Mitarbeiter in ein Unternehmen integrieren?

Als Hilfestellung, um die Personalarbeit in Einklang mit der Unternehmensstrategie zu gestalten und eng mit dem Unternehmensführungsmodell zu verzahnen, erarbeitete Annika Weigel einen Leitfaden: ein strategiebezogenes Onboarding-Konzept. Dieses wandte sie am Beispiel der Continental Automotive GmbH an.

Das Onboarding umfasst alle Maßnahmen und Aktivitäten, die dazu beitragen, einen neuen Mitarbeiter erfolgreich in eine Organisation einzugliedern. Dazu gehören sowohl die fachliche Einführung als auch die soziale und kulturelle Integration. Ziel also ist, eine bis dahin außenstehende Person zu einem leistungsfähigen und fest integrierten Organisationsmitglied zu machen. „Der Mitarbeiter soll als Unternehmer im Unternehmen handeln“, sagt Weigel. Der Bedarf an einem solchen Konzept kam bei Continental auf, als viele Neueinstellungen innerhalb kurzer Zeit durchgeführt werden sollten. Nach ein paar Monaten veränderten sich die Rahmenbedingungen: Aufgrund der wirtschaftlichen Situation Ende 2018 verringerte sich die Zahl der Neubeschäftigungen. Dafür sollten zum Januar 2020 auch langjährige Mitarbeiter in die neu ausgerichtete Unternehmensstruktur integriert werden.

Annika Weigel, Masterabsolventin der OTH Regensburg

Annika Weigel, Masterabsolventin der OTH Regensburg, erarbeitete in ihrer Abschlussarbeit einen Leitfaden zur erfolgreichen Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
Foto: Attila Henning

Teilnehmer: Annika Weigel
Titel: Advanced Onboarding – Entwicklung eines strategieorientierten Onboardingkonzepts am Beispiel der Continental Automotive GmbH
Hochschule: OTH Regensburg
Studiengang: Master Human Resource Management
Wissenschaftlicher Betreuer: Prof. Dr. rer. Pol. Carina Braun
Unternehmensbetreuer: Dr. Katerina Hon

Aktuell besteht aufgrund der Coronakrise die zusätzliche Herausforderung, neue Mitarbeiter einzuarbeiten und zu integrieren, auch wenn das Team fast vollständig im Homeoffice oder in verschiedenen Ländern sitzt. Für das virtuelle Teambuilding hat Weigel ein Tool entwickelt, mit dem die fachliche und soziale Einarbeitung auch digital funktionieren kann. Dafür initiierte sie beispielsweise ein virtuelles Kick-off-Meeting.

Das Ergebnis der Arbeit ist ein realistisch nutzbarer Leitfaden mit fünf Schritten, die sowohl in kleinen als auch in großen Unternehmen umgesetzt werden können. Voraussetzung für die Anwendung ist ein bestehendes Basic Onboardingkonzept, das beispielsweise das Arbeitsplatz-Setup und die fachliche Einarbeitung sicherstellt. Weigels Advanced Onboardingkonzept greift weiter und legt den Fokus auf die soziale und kulturelle Ebene der Integration. Das Konzept dient nicht nur der Integration neuer Mitarbeiter. Es ist darüber hinaus auch im Sinne eines Reboardings anwendbar, um die Denkweise bestehender Mitarbeiter auf neue Handlungsfelder und die Unternehmensziele auszurichten.

Sieben von zwölf Maßnahmen aus Weigels Leitfaden hat Continental bereits übernommen und wendet sie mit Erfolg an.

Auf das geänderte Einkaufsverhalten der Kunden reagieren

Das Einkaufsverhalten der Kunden hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert und stellt Händler vor neue Herausforderungen. In Zeiten des technologischen Fortschritts und der zunehmenden Digitalisierung geraten alle Branchen unter Druck, Innovationen zu eruieren und einzuführen. So müssen auch Einkaufsprozesse in den Filialen digitalisiert und optimiert werden, um auf den stark wachsenden Onlinehandel und die gestiegenen Kundenansprüche zu reagieren. Auch Netto Marken-Discount stellt sich dieser Aufgabe. Digitaler Self-Service gilt laut Matthias Putz, dualer Student bei Netto, dabei als ein vielversprechendes Zukunftsfeld des Lebensmitteleinzelhandels.

In seiner Bachelorarbeit beleuchtet Matthias Putz die Technologien Self-Scanning und Self-Checkout in Bezug auf eine Einführung bei Netto Marken-Discount. Die Ergebnisse seiner detaillierten Analyse zur optimalen Umsetzung dieser Technologien im flächendeckenden Netto-Filialnetz verdichtete er dann zu einem Konzept. Ziel war es, anschließend eine fundierte Handlungsempfehlung für eine mögliche Umsetzung und Implementierung abzugeben.

Matthias Putz

Mit der Einführung von Self-Scanning und Self-Checkout in den Netto-Filialen will Matthias Putz auf das geänderte Nutzerverhalten des Kunden reagieren.
Foto: Matthias Putz

Teilnehmer: Matthias Putz
Titel: Scan & Go – Einführung von Self-Scanning und Self-Checkout bei Netto-Marken-Discount
Hochschule: Duale Hochschule Gera-Eisenach
Studiengang: Wirtschaftsinformatik
Wissenschaftlicher Betreuer: Prof. Dr.-Ing. Stefan Dorendorf
Unternehmensbetreuer: M.A. Viktoria Pfaffenroth

Dazu führte Putz eine empirische Untersuchung in Form einer Kundenbefragung durch. „In der Umfrage wollte ich prüfen, wie die Kunden generell neuen Technologien gegenüberstehen“, erklärt Putz. Über 100 Kunden sollten sich nach ihrem Einkauf in einer Netto-Filiale für eine von drei Varianten von Self-Scanning und Self-Checkout entscheiden. Diese stellte Matthias Putz mithilfe von Schaubildern vor. Die befragten Kunden waren offen für einen „Scan and Go“-Abschluss ihres Einkaufs. Seine These, dass sich der Kunde eine schnelle Abwicklung des Einkaufsvorgangs und einen geregelten Abschluss des Einkaufs mit Verifizierung der Bezahlung wünscht, bestätigte sich: „Der Kunde möchte sichergehen, dass er die Ware im Einkaufswagen ordnungsgemäß bezahlt hat.“

Ein weiterer Pluspunkt der von Putz vorgestellten „Scan and Go“-Variante ist der kontaktlose Zahlungsvorgang. Der Kunde hat die Möglichkeit, seine Produkte selbst einzuscannen und zu bezahlen. Dies sorgt für ein zügiges und stressfreies Einkaufserlebnis.
Laut Putz hat die Option des Self-Scannings außerdem das Potenzial, sich als Feature zur Steigerung der Nutzerzahlen der bereits bestehenden Netto-App zu etablieren. „Die Einführung von Self-Scanning und Self-Checkout ist eine Möglichkeit, um sich für eine digitale Zukunft zu positionieren und die Kundenzufriedenheit zu steigern“, lautet Putz’ Fazit.

Mit Transparenz dem teuren Heimlichkeitsdelikt entgegenwirken

Ende 2018 veröffentlichte die Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament eine Studie über Korruption. Demnach gehen der Bundesrepublik Deutschland jährlich mehr als 104 Milliarden Euro durch Korruption verloren. Dies entspricht rund 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Den Aussagen zufolge verliert Deutschland durch Korruption viermal so viel Geld, wie bundesweit in die Arbeit der Polizei gesteckt wird, oder doppelt so viel, wie für Familien und Kinder ausgegeben wird.

Martin Brix ist polizeilicher Ermittler und beschäftigt sich seit vielen Jahren nebenberuflich auf wissenschaftlicher Ebene mit Wirtschaftskriminalität. Im Rahmen seiner Masterarbeit an der Technischen Hochschule Deggendorf erarbeitete er Ansätze und Handlungsempfehlungen, um die Korruptionsprävention und -bekämpfung in deutschen Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung zu optimieren.

Martin Brix

Martin Brix sagt der Korruption den Kampf an: In seiner Masterarbeit hat der polizeiliche Ermittler Handlungsempfehlungen zur Korruptionsprävention entwickelt.
Foto: Egon Gröschl

Teilnehmer: Martin Brix
Titel der Arbeit: Criminal Compliance – Ansätze und Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Korruptionsprävention und -bekämpfung in deutschen Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung
Hochschule: Technische Hochschule Deggendorf
Studiengang: Risiko- und Compliancemanagement
Wissenschaftliche Betreuer: Prof. Dr. Josef Scherer, StA GrL Klaus Fruth

In seiner Arbeit stellt Brix fest, dass es Korruption schon immer gab und auch immer geben wird. Da es sich bei diesem Heimlichkeitsdelikt um eine Täter-Täter-Konstellation handelt und Korruption daher selten zur Anzeige gebracht wird, ist das vermutete Dunkelfeld allerdings hoch. Korruption wird oft als „opferlose Kriminalität“ bezeichnet, was jedoch nicht bedeutet, dass es kein Opfer gibt, sondern, mangels Bekanntwerden, nur keinen individuell Geschädigten, der dies zur Anzeige bringen kann. Korruption geht immer zulasten aller und verursacht immense materielle wie immaterielle Schäden.

„Soll Korruption zielführend bekämpft werden, ist es erforderlich, nicht nur repressive Sanktionen vonseiten des Staates anzudrohen. Vielmehr müssen auch Organisationen, Unternehmen und Behörden Maßnahmen und Methoden zur Korruptionsprävention einrichten“, sagt Brix. Als Schlüssel zur Korruptionsbekämpfung nennt er Transparenz. Es sei wichtig, gesamtgesellschaftlich die sozialethische Missbilligung von korrupten Handlungen zu stärken. Auf institutioneller Ebene ist eine integre Organisationskultur maßgeblich. So sollen auch Hinweisgebersysteme, Kontrollen und geeignete Funktionen implementiert sowie Verhaltenskodizes und Antikorruptionsprinzipien intern etabliert werden. Wie Brix aufzeigt, erweist es sich in der Praxis als zielführend, einzelne Maßnahmen der Korruptionsprävention zu einschlägigen Modellen und Managementsystemen unter Anwendung anerkannter Compliance-Standards zusammenzuführen.

Den Kraftstoffverbrauch von Brennstoffzellenfahrzeugen senken

Um die 2015 in Paris beschlossenen Klimaziele zu erfüllen, müssen auch im deutschen Straßenverkehr die Emissionen drastisch gesenkt werden. Vor diesem Hintergrund ist ein Wandel in der Automobilindustrie hin zu elektrifizierten und alternativen Antriebstechnologien zu beobachten. Ein Antriebskonzept, welches eine große Reichweite bei geringen Betankungszeiten garantiert, ist die Brennstoffzellentechnologie.

Eine Brennstoffzelle wandelt die chemische Energie des in Tanks gespeicherten Wasserstoffes in elektrische Energie und Wasserdampf. Die elektrische Energie wird zum Antrieb des Fahrzeuges verwendet. Zusätzlich ist im hybriden Antriebsstrang eine Batterie integriert, um das Brennstoffzellensystem zu starten und die Energie bei der Bremsenergierückgewinnung speichern zu können. Brennstoffzellenfahrzeuge emittieren lediglich Wasserdampf aus und ebnen somit den Weg zu einer emissionsfreien Mobilität.

Aus diesem Grund wollte Christian Elsner mit seiner Abschlussarbeit die Forschung und Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie unterstützen. In seiner Masterarbeit in Zusammenarbeit mit Vitesco Technologies hat er sich mit der Optimierung der Betriebsstrategie eines elektrischen Brennstoffzellenhybridfahrzeugs auseinandergesetzt. „Mein Ziel war es, eine Strategie zu entwickeln, mit der ein Brennstoffzellenhybridfahrzeug mit möglichst geringem Wasserstoffverbrauch betrieben werden kann“, erklärt Elsner.

Christian Elsner, Studentenpreis Teilnehmer

Christian Elsner glaubt an das Potenzial der Brennstoffzelle. In seiner Masterarbeit zeigt er auf, wie elektrische Brennstoffzellenfahrzeuge optimal betrieben werden können. Foto: Attila Hennig

Teilnehmer: Christian Elsner
Titel der Arbeit: Optimierung der Betriebsstrategie eines elektrischen Brennstoffzellenhybridfahrzeugs
Hochschule: RWTH Aachen
Studiengang: Wirtschaftsingenieurwesen
Wissenschaftlicher Betreuer: M.Sc. Steffen Dirkes
Unternehmen: Vitesco Technologies
Unternehmensbetreuer: M.Sc. Florian Uhrig

In seiner Abschlussarbeit wendete er mathematische Optimierungsverfahren an, um in einer Simulationsumgebung die effektivste Betriebsstrategie zu ermitteln, die entscheidet, wie das Brennstoffzellensystem betrieben wird. „Der Optimierungsalgorithmus ermittelt, wie die optimale Leistungsaufteilung zwischen Brennstoffzellensystem und Batterie gewählt werden sollte“, sagt Elsner. Zusätzlich analysierte er unterschiedliche Architekturen des Antriebsstranges.

Für die Ermittlung der optimalen Betriebsstrategie hinsichtlich der Minimierung des Wasserstoffverbrauches entwickelte Elsner verschiedene Optimierungsalgorithmen. Diese wendete er auf das Simulationsmodell des Brennstoffzellenhybridfahrzeugs für vordefinierte Fahrzyklen an und leitete daraus eine Betriebsstrategie ab. Als Ergebnis konnte er die effizienteste Gestaltung des Brennstoffzellenantriebsstrangs aufzeigen und den Wasserstoffverbrauch gegenüber einer standardisierten Betriebsweise um 2 Prozent verbessern. Elsner ist heute Trainee bei Vitesco Technologies im Geschäftsbereich „Electrification Technology“.