Hochschulen
1. Januar 2022 9:58  Uhr

Talente fördern und den Wettbewerb stärken

Laut Wissenschaftsminister Bernd Sibler soll das neue Hochschulinnovationsgesetz den Weg zu forschungsstarken und innovativen Hochschulen im Freistaat ebnen helfen.

Bernd Sibler | Foto: StMWK/Axel König.

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Im Gespräch mit dem scheidenden OTH-Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang Baier und seinem Nachfolger Prof. Dr. Ralph Schneider spielte das geplante Bayerische Hochschulinnovationsgesetz eine durchaus dominante Rolle, versprechen sich doch gerade die Hochschulen für angewandte Wissenschaften einiges von dem Vorhaben der Staatsregierung. Grund genug also, um bei dem dafür verantwortlichen Wissenschaftsminister Bernd Sibler nachzufragen.

Mehr Freiheit und Eigenverantwortung

Grundsätzlich, so der Niederbayer Bernd Sibler, biete das Hochschulinnovationsgesetz einen „zukunftsweisenden Neuaufbruch von Wissenschaft und Forschung im Freistaat, den wir gemeinsam mit allen Vertreterinnen und Vertretern unserer bayerischen Hochschulen gestalten wollen: Wir geben den Hochschulen mehr Freiheit und Eigenverantwortung.“ Der Minister zeigt sich überzeugt, dass die Hochschulen sich individuell nach ihren Stärken weiterentwickeln, ihre großen Potenziale ausschöpfen und noch attraktiver für Spitzenforscherinnen und -forscher aus aller Welt werden können. Davon profitiere die gesamte bayerische Hochschullandschaft: „Wir brauchen forschungsstarke und innovative Hochschulen – das hat uns nicht zuletzt die Pandemie gelehrt.“ Das Hochschulinnovationsgesetz ebne hier den gemeinsamen Weg dazu.

Noch zwei Lesungen im Landtag

Und wann wird das geplante Gesetz tatsächlich Realität? Nach erfolgter Ressortanhörung innerhalb der Bayerischen Staatsregierung und erster Behandlung im Kabinett im Mai 2021 schloss sich im Sommer eine umfangreiche Verbändeanhörung an, bei der alle relevanten bayerischen Interessenvertreter aus dem Wissenschaftsbereich die Möglichkeit hatten, den Gesetzesentwurf zu konsultieren und zu diskutieren. Die Stellungnahmen wurden daraufhin aus Sicht des Wissenschaftsministers sorgfältig analysiert und ausgewertet. Dieser Vorgang sei nun annähernd abgeschlossen. Demnächst werde – je nachdem, wann sich das Kabinett vor dem Hintergrund von dringlichen Entscheidungen zur Coronalage damit befassen kann – die Gesetzesvorlage zum zweiten Mal dem Kabinett vorgelegt. Daran schließen sich dann zwei Lesungen im Bayerischen Landtag sowie die Behandlung durch mehrere Ausschüsse an.

Talente fördern und den Wettbewerb stärken

Auch wenn das Wissenschaftsministerium nicht für eine einzelne Hochschule wie die OTH Regensburg sprechen könne, so weist Bernd Sibler doch darauf hin, dass sich „global gesehen“ für die Hochschulen für angewandte Wissenschaften und für die Technischen Hochschulen zahlreiche Verbesserungen ergeben. „Unser Anspruch ist: Talente fördern und Wettbewerb stärken. So wollen wir im internationalen Wettbewerb bestehen“, betont der Minister gegenüber der Wirtschaftszeitung.

Die Stärken und Profile entwickeln

Eigenverantwortung der Hochschulen stärken, Innovationsfreude unterstützen, Talente fördern, so lassen sich laut Sibler die Hauptziele zusammenfassen, die der Freistaat mit dem Hochschulinnovationsgesetz verfolgt. Die Hochschulen sollen noch besser ihre individuellen Stärken und Profile entwickeln, als Institution gesamtgesellschaftliche Verantwortung übernehmen und gegebenenfalls eigene wirtschaftliche Aktivitäten entfalten können, betont der Minister. Dies ermögliche ihnen eine nachhaltige Förderung ihrer nationalen wie internationalen Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere auch bei der Ausbildung und Gewinnung der besten Köpfe für den Wissenschaftsstandort Bayern.

Ein neues Promotionsrecht geplant

Als eine besondere Stärke soll das Hochschulinnovationsgesetz, so Bernd Sibler, zur Talent- und Karriereförderung beitragen, also vom wissenschaftlichen Nachwuchs bis zur Spitzenwissenschaftlerin und zum Spitzenwissenschaftler: „Im Gesetz wurden viele Elemente neu verankert, die ihrer Entwicklung zugutekommen und seit Langem gewünscht wurden.“ Das neue Promotionsrecht sei dabei Teil dieser neuen Talent- und Karriereförderung. Es gebe neue Wege zur Professur, an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften soll die Nachwuchsprofessur eingerichtet werden und Absolventinnen und Absolventen könnten in besonders forschungsstarken Bereichen direkt promovieren.
Außerdem soll in Zukunft das Berufungsrecht auf die Hochschulen übertragen werden. Durch die geplante Hausberufung könnten dem wissenschaftlichen Nachwuchs an den Hochschulen noch mehr Möglichkeiten zur Karriereentwicklung geboten werden. Vor dem Hintergrund der Einführung der Nachwuchsprofessur seien künftig auch an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften und an den Technischen Hochschulen W1-Stellen vorgesehen.

Neue Stellen im ganzen Wissenschaftssystem

Und werden in diesem neuen Wissenschaftssystem auch neue Stellen geschaffen? Staatsminister Sibler verweist darauf, dass dieses Ziel mit der Innovationsoffensive Hightech Agenda Bayern und dem Hochschulinnovationsgesetz gelingen werde. 1240 Stellen, die bislang befristet waren, könne man künftig in dauerhafte verwandeln: „Und wir schaffen rund 2500 Stellen neu!“ Mit insgesamt knapp 3800 unbefristeten Stellen werde eine sehr gute Perspektive für den akademischen Nachwuchs möglich. „Das ist meines Wissens das größte Programm dieser Art in ganz Europa.“

Unternehmergeist und Erfindungsfreude

Für die Hochschulen selbst schafft das Hochschulinnovationsgesetz nach Auffassung des bayerischen Wissenschaftsministers weitere Freiräume, in denen sich Unternehmergeist und Erfindungsfreude entfalten können. Das Gesetz soll dazu beitragen, dass Innovationen, die in Bayern entwickelt werden, nicht woanders zur Anwendungsreife gebracht und vermarktet werden. Zu einer in dieser Hinsicht verbesserten Wettbewerbsfähigkeit gehöre auch, dass neue Anreize für eine unternehmerische Betätigung gesetzt werden und Unterstützung angeboten werden, betont Sibler. Denjenigen, die kreativ unternehmerisch tätig werden wollen, sollten hierfür beste Rahmenbedingungen geboten werden: „Die Hochschulen werden sich künftig einfacher an Unternehmen beteiligen oder Unternehmen gründen sowie in gewissem Umfang bei der Entwicklung von Ideen für Ausgründungen unterstützen.“

Daneben, so betont Wissenschaftsminister Sibler, sieht das Hochschulinnovationsgesetz auch Gründungsfreisemester für Professorinnen und Professoren vor. Außerdem können Beschäftigungsverhältnisse an den Hochschulen flexibler als bisher gestaltet werden, um mehr unternehmerische Betätigung zu ermöglichen. Insgesamt soll durch die geplanten Neuerungen also ein Beitrag geleistet werden, „wissenschaftliche Erkenntnisse verstärkt in wirtschaftliche Wertschöpfung umzusetzen, die unserem Gemeinwesen insgesamt zugutekommt.“