Business Stream
29. April 2020 18:30  Uhr

„Mehr Gas auf dem falschen Weg hilft nicht”

Tina Meier ist Coach und Dranbleib-Expertin und hat vier Mal an der Rallye Dakar teilgenommen. Im Wirtschaftszeitung Businessclub zeigte sie erstaunliche Parallelen zwischen Rallye- und Businessalltag auf.

Wirtschaftszeitung-Redaktionsleiter Thorsten Retta und Businessclub-Referentin Tina Meier begrüßten gemeinsam zum Live-Stream-Event. | Foto: Stina Walterbach

Von Robert Torunsky

REGENSBURG. Sich in einer Männerdomäne wie der härtesten Offroad-Rallye der Welt zu beweisen, ist alles andere als einfach. Laut Tina Meier, die viermal an der Rallye Dakar teilgenommen hat, ist der Schlüssel dazu, an sich selbst zu glauben. “Wer sollte das sonst tun, wenn nicht wir selbst?”, fragte Meier in die virtuelle Runde der Mitglieder des Wirtschaftszeitung Businessclubs. Situationsbedingt hatte Wirtschaftszeitung-Redaktionsleiter Thorsten Retta die Mitglieder aus der Redaktion begrüßt und die aus Hamburg zugeschaltete Referentin vorgestellt.

Die leidenschaftliche Motorradfahrerin wäre gerne mit dem Feuerstuhl nach Regensburg in die Oberpfalz gekommen, angesichts der Coronabeschränkungen musste sie aber auf dem Bürosessel Platz nehmen. Meier bewies mit ihrer langjährigen Erfahrung als Business Coach aber, dass sie sich nicht nur auf der 10 000 Kilometer langen Strecke auf ungewohntem Terrain zurechtfinden, sondern auch eine Videokonferenz unterhaltsam gestalten kann. In ihrem Vortrag “Gib Gas, wenn dir etwas wichtig ist!” gab Meier nicht nur intime Einblicke in den Rallyesport und Insiderinformationen preis, sondern zog auch Parallelen zum Businessalltag. “Ich muss für meine Sachen kämpfen. Man darf sich nicht vorstellen, was schiefgehen kann, sondern was man erreichen will. Ich muss aber auch bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen.” Um die Bereitschaft dafür zu entwickeln, müssten “die Ziele geil genug sein”. Nur dann könne man Rückschläge und Niederlagen auf dem Weg dorthin wegstecken. Meier hatte sich als Motivation immer vorgestellt, auf dem gemeinsamen Bild der Rallye-Finisher zu sein. An einem besonders harten Tag, an dem sie 14 Stunden und 22 Minuten auf dem Sitz ihres Motorrads verbracht hatte, wären auch Gedanken an einen attraktiven Fahrerkollegen hilfreich gewesen, wie Meier lachend verriet. Persönliche Energietankstellen wie positive Gedanken und Zielsetzungen seien auch im Job wichtig. “Bei meinen vier Starts habe ich verschiedene Erfahrungen gesammelt. Beim ersten Start wurde die Rallye abgesagt, bei der zweiten Teilnahme hatte ich am zweiten Tag einen technischen Defekt.” Aufgeben kam jedoch nicht in Frage – und das sollte sich auszahlen. “Beim dritten Start bin ich trotz vieler Hindernisse unterwegs ins Ziel gekommen.” Damit habe sich Meier selbst bewiesen: „Ja, ich kann es.”

Ich muss für meine Sachen kämpfen. Man darf sich nicht vorstellen, was schiefgehen kann, sondern was man erreichen will. Ich muss aber auch bereit sein, den Preis dafür zu bezahlen.

Dies hatte der Motorradfahrerin so viel Motivation verliehen, dass sie beim vierten Start das Angebot eines Profiteams annahm, für es an den Start zu gehen. “Ich wollte die Unterschiede zu meinem Amateurteam kennenlernen und meine Neugier befriedigen.” Letzteres sei immer ihr Antrieb gewesen. Viele Kollegen hätten es dagegen in ihrem Ehrgeiz übertrieben. “Viele Rallyefahrer sind wettbewerbsorientiert, sie wollen unbedingt gewinnen und riskieren dabei zu viel.

Um diese Marathon-Rallye nach 14 Tagen und rund 10 000 Kilometern heil im Ziel zu beenden, muss man aber viel mehr als nur schnell sein”, sagt Meier. “Mehr Gas auf dem falschen Weg hilft nicht. Es geht eher darum, clever und smart zu sein, sich die Kraft gut einzuteilen”, verriet die Pilotin ihre Herangehensweise. Ob Rallye-Teilnahme oder kleinere persönliche Ziele – laut Tina Meier sollte man jeden Tag eine Sache tun, die “ein bisschen Angst macht”. So käme man am besten aus der zielgefährdenden Komfortzone.