Tourismus
25. April 2022 6:03  Uhr

Touristenströme sollen entzerrt werden

Die 25. Donauschifffahrts- und Tourismuskonferenz in Regensburg beschäftigte sich mit „Overtourism“ als einem wichtigen Aspekt auf dem Weg zur „neuen Normalität“ nach der zweijährigen Pandemiepause.

Lange Zeit ein rarer Anblick: Kreuzfahrtschiffe vor der Regensburger Silhouette. Foto: Tino Lex

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Auch wenn die 25. Internationale Donauschifffahrts- und Tourismuskonferenz ganz grundsätzlich und offiziell das „Overcrowding“, also die Überfüllung oder das Gedränge, ins Bewusstsein zu rücken versuchte – letztlich war allen Experten klar, dass es gerade entlang der Donau mit ihren attraktiven Sehenswürdigkeiten um den vielzitierten „Overtourism“ geht, mit durchaus beträchtlichem Zündstoff vor Ort. Galt die Kreuzfahrtbranche als Ganzes bis zum Ausbruch der Coronapandemie als eines der am stärksten wachsenden Tourismussegmente, so kannte auch die Flusskreuzfahrt über Jahre hinweg nur einen Trend, nämlich den nach oben. Die Folge: Ob Venedig als Symbol für Massentourismus schlechthin oder die Destinationen Passau und Regensburg – der Streit zwischen dem Schifffahrtstourismus und den Bürgern an Land wurde immer hitziger.

Ausfall von 80 bis 90 Prozent

Nun kann man gespannt sein, wie sich die zweijährige coronabedingte Pause auf dieses Verhältnis auswirkt. Die Übertreibungen im Boom jedenfalls lassen sich ebenso in Zahlen fassen wie der kräftige Dämpfer durch Corona. Europaweit, darauf verwies der Vorsitzende des Deutschen Wasserstraßen- und Schifffahrtsvereins und Nürnberger Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas, kam es in den letzten beiden Jahren zu einem Ausfall in der Größenordnung zwischen 80 und 90 Prozent. Die Zahl der Passagiere auf den westeuropäischen Flüssen hatte sich von 250.000 im Jahr 2008 auf rund 541.000 und 653 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2019 außerordentlich positiv entwickelt. Zu den Favoriten der deutschen Passagiere gehörten die Donau mit 34,5 Prozent der Reisenden und der Rhein mit 37,1 Prozent (2019). Im europäischen Fahrtgebiet stammten rund 38 Prozent der Reisenden aus den USA und Kanada.

Dass Corona 2021 dem einst boomenden Tourismuszweig einen empfindlichen Dämpfer verpasst hat, musste auch Regensburg zur Kenntnis nehmen. Im vergangenen Jahr startete die Saison nicht wie sonst im Frühjahr, sondern erst im Juni – für Toni Lautenschläger, den Leiter des Amtes für Wirtschaft und Wissenschaft der Stadt Regensburg, eine durchaus schmerzliche Erfahrung. Schließlich empfinde die Stadt die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe als eine wichtige touristische Zielgruppe, die durchaus zum Profil Regensburgs als internationalem Tourismusstandort beitrage. Aber auch die finanzielle Wertschöpfung der Flussschifffahrt kann sich sehen lassen. Schließlich geben Flusskreuzfahrtpassagiere im Durchschnitt rund 75 Euro pro Tag inklusive Eintrittsgelder und Bustransfers aus, während der „normale“ Tagestourist nur 25 Euro in seinen Urlaubstag investiert.

Landstrom statt Dieselmotore

Am Beispiel Regensburg lässt sich der Coronaeinbruch deutlich markieren. Während 2019, also vor der Pandemie, rund 1000 Schiffe anlegten, wurden im vergangenen Jahr 263 Kreuzfahrtschiffe registriert, was zwar den Wert des Jahres 2020 mit nur 100 Anlandungen bereits wieder übertraf, aber längst nicht als normal empfunden wurde. Zur neuen Normalität der Flusskreuzfahrt, die europaweit etwa 330 Schiffe umfasst und insgesamt an Bord, an Land sowie bei den verschiedenen Dienstleistern über 40.000 Menschen beschäftigt, zählen künftig vor dem Hintergrund der Green-Deal-Ziele der EU und auf kommunaler Ebene insbesondere Aspekte der Umweltverträglichkeit.

Um CO2-Neutralität zu erreichen, spielt nicht zuletzt der Verzicht auf Dieselgeneratoren durch die Bereitstellung von Landstrom für die Schiffe an den Anlegestellen eine wichtige Rolle. Außerdem dürfte die Errichtung von Kreuzfahrttermimals in Passau und Regensburg zur Befriedung der oft hitzig geführten Overtourism-Debatte beitragen – und die Entzerrung der Touristenströme Einheimische und Gäste einander näherbringen.