Inerview
3. August 2021 13:01  Uhr

„Traut euch einfach!“

Markus Neumann ist Bäckermeister und Inhaber vom Bärenbeck in Saal an der Donau mit sechs Geschäften. Er hat eine autistische Konditorin angestellt und fährt sehr gut damit.

Foto: Lucia Pirkl

Von Lucia Pirkl

Herr Neumann, wie sind Sie auf Ihre Angestellte aufmerksam geworden?

Markus Neumann: Ich habe sowohl von der Agentur für Arbeit als auch von ihr selbst ein Anschreiben bekommen und gleichzeitig hat sich noch ihr ehemaliger Ausbilder vom Berufsbildungswerk Abensberg bei mir gemeldet. Wir haben die Maria (Name von der Redaktion geändert) auf ein Gespräch eingeladen. Und weil das gut lief, habe ich sie zum Praktikum eingeladen. Ich denke, es ist wichtig, dass sie gemerkt hat, dass man ihr auch was zutraut, dass sie angenommen wird.

Was läuft gut mit Maria?

Sie ist sehr zuverlässig und in ihren Leistungen sehr konstant. Man kann sich voll auf sie verlassen.

Was ist eher schwierig?

Probleme gibt es beispielsweise, wenn es stressig wird. Da muss man versuchen, dass man den Stress von ihr fernhält. Aber wenn man weiß, wie sie tickt, dann passt das. Sie braucht das Strukturierte. Aber ich habe das in meinem Betrieb schon immer so gehandhabt und das funktioniert gut.

Wo fanden Sie Unterstützung?

Wir haben am Anfang mit dem BBW telefoniert und viele Infos erhalten, auch darüber, was für ein Typ die Maria ist. Wenn es mal schwierig ist, dann haben wir das gemeinsam auch mit Maria besprochen.

Was würden Sie anderen Firmen empfehlen, die jemanden mit Autismus anstellen möchten?

Ich würde sagen: Lasst sie ein Praktikum machen und dann schaut man: Was kann der oder diejenige? Einfach ausprobieren! Verkehrt wäre es bei Autisten generell – so meine Meinung –, ihnen Aufgaben zu stellen, von denen man weiß, dass sie sie nicht meistern können und wahrscheinlich daran scheitern.

Was müssen Firmen Ihrer Meinung nach mitbringen, damit Inklusion gelingt?

Wir befinden uns in einer Zeit, in der man froh ist, dass man einen Angestellten findet. Da muss man versuchen, sie mit den Fähigkeiten einzusetzen, die sie jeweils mitbringen.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach noch mehr Firmen dazu bringen, autistischen Menschen eine Chance zu geben?

Ich finde, das Problem ist, dass viele Betriebe von Anfang an zu negativ sind, sagen: „Autisten brauchen wir nicht.“ Aber ich würde raten: Man muss sich einfach trauen und es ausprobieren. Der Mensch sollte schließlich in den Betrieb passen, auch zu den anderen Mitarbeitern. Wichtig ist meiner Meinung nach, dass man mit dem Ausbilder in Kontakt bleibt.