Stromversorgung
1. September 2021 10:21  Uhr

Um Blackouts zu vermeiden, ist ein Umdenken erforderlich

Die Energieversorgung der Zukunft ist ohne eine neue Infrastruktur nicht möglich. Ein Baustein könnten robuste Energiezellen sein, die Stromspeicherung, -bedarf und -erzeugung besser aufeinander abstimmen helfen.

Wird das auf zentrale Knotenpunkte ausgerichtete Stromsystem der Vergangenheit nicht zukunftsfähig gemacht, drohen Blackouts mit verheerenden Folgen. | Foto: stock.adobe.com – darkfoxelixir

Von Gerd Otto

WEIDEN. „Einzelinteressen und Ignoranz, aber auch Wunschvorstellungen und Aktionismus könnten dazu führen, dass wir in der größten Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg landen.“ Diese düstere Prognose machte Herbert Saurugg, im Rahmen der „Triokon 2021“, der Netzwerkveranstaltung des Hochschulverbands Transfer und Innovation Ostbayern (TRIO) an der OTH Amberg-Weiden. Zwar sei es, so der international anerkannte Krisenvorsorgeexperte aus Wien, durchaus noch möglich, den offenbar „fatalen Pfad“ in Richtung Blackout der Stromversorgung zu verlassen. Um dieses Szenario, also einen europaweiten Strom-, Infrastruktur- und Versorgungsausfall innerhalb der nächsten fünf Jahre aber zu vermeiden, müsse jedoch umgehend ein konsequenter Umbau des gesamten Versorgungssystems in Angriff genommen werden.

Auch Prof. Dr.-Ing. Oliver Brückl, der Stromnetzexperte der OTH Regensburg, bestätigte, dass mit dem Ausscheiden von Großkraftwerken im Zuge der Energiewende zunehmend Probleme bei der Spannungshaltung entstehen könnten. Der Netzausbau sei daher zwingend erforderlich, um die Versorgungssicherheit und Spannungsqualität zu gewährleisten. Gleichzeitig verwies Herbert Saurugg aber auch darauf, dass die Fragilität des europäischen Verbundsystems permanent zunehme. Allein in diesem Jahr sei man bereits dreimal daran erinnert worden, dass es auf diesem Feld offenbar keine hundertprozentige Sicherheit gebe. Dabei sei es schon mehrfach zu Vorfällen gekommen, wo sich auch Stromhändler verspekuliert hätten. Am 8. Januar, als ein Umspannwerk in Kroatien die bisher zweitgrößte Störung des Systems auslöste, spielte zum Beispiel der Stromaustausch zwischen dem Balkan und der iberischen Halbinsel eine zentrale Rolle.

Das bisherige Großsystem sei im Übrigen nur so lange effizienter als dezentrale Strukturen, solange es den Blackout verhindere. Deshalb plädiert Herbert Saurugg ebenso wie Josef Bayer, der F&E-Experte der Firmengruppe Max Bögl, für eine neue Struktur in Form robuster Energiezellen. Komplexe Systeme lassen sich eben nicht zentral steuern, sie erfordern vielmehr dezentrale Einheiten, wo Bedarf, Speicherung und Erzeugung möglichst lokal und regional ausgeglichen werden. Für eine solche ganzheitliche Versorgung sei jedoch ein umfassendes Umdenken nötig.