Green Tech
6. August 2021 5:42  Uhr

Umwelt- und Klimaschutz: Wie viel Verzicht ist nötig?

Beim 10. Bayerischen Innovationskongress standen Green Tech und Klimaschutz auf der Agenda. Dabei ging es neben den Möglichkeiten der nachhaltigen Technologie auch um die Frage des Verzichts.

Beim 10. Bayerischen Innovationskongress standen Green Tech und Klimaschutz auf der Agenda. | titima157 – stock.adobe.com

Von Thorsten Retta

REGENSBURG. Die wohl relevanteste Kennzahl für den Erfolg von Veranstaltungen ist die Teilnehmerzahl beziehungsweise deren Entwicklung. Gemessen daran ist der Bayerische Innovationskongress ein überaus erfolgreiches Format. Die Premierenveranstaltung fand 2011 mit 25 Teilnehmern statt. Zur zehnten – pandemiebedingt virtuell abgehaltenen – Auflage hatten sich über 200 Gäste angemeldet, um über Umwelt- und Klimaschutz durch nachhaltige Technologien zu diskutieren. In vier Fachforen zu Mobilität, Energie, Logistik und Unternehmensgründungen wurde beleuchtet, wie durch Technologie und Innovation Wirtschaft und Lebenswelt nachhaltig gestaltbar sind. Ob es die technologische Entwicklung allein richten kann oder ob Verzicht die Antwort auf die immer drängendere Klimafrage ist, war eine der kontrovers diskutierten Fragen im Rahmen des Kongresses.

„Im Wasserstoff ist viel Musik drin“

Hubert Aiwanger setzte in seinem Grußwort auf Technologie: „Wir wollen die Klimafrage nicht durch Verzicht in der industriellen Produktion, nicht durch Verzicht in der Mobilität beantworten“, so der bayerische Wirtschaftsminister. „Wir sind ein Hochtechnologieland, unser Ziel ist es, das Thema Wasserstoff für breite Anwendungen in Verkehr, Industrie und Energie nutzbar zu machen und dadurch fossile Energieträger zu ersetzen. Wir sind überzeugt, dass im Wasserstoff sehr viel Musik ist, dass wir hier die Klimafrage, die Energiefrage und die Arbeitsplatzfrage gleichzeitig im positiven Sinne beantworten können.“

Einen „massiven Markt“ bei Green Tech und Klimaschutz, „auf dem Unternehmen mit gutem Gewissen Geld verdienen können“, sah auch Prof. Dr. Georg Stephan Barfuß. Der Referent für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen der Stadt Regensburg nahm in seiner Begrüßung explizit Staat und Politik auf allen Ebenen – von UNO und EU bis zu den Kommunen – in die Pflicht. „Klimaschutz muss, wie mit dem Sozialen geschehen, in die Marktwirtschaft integriert werden. Wir müssen als Gesamtgesellschaft jetzt in dieser Dekade liefern und das 1,5-Grad-Ziel erreichen.“ Innovationen seien hierfür im doppelten Sinne überlebenswichtig. Einmal für die von den Folgen des Klimawandels betroffenen Menschen und zum zweiten für die Unternehmen, die dadurch enorme Marktpotenziale heben könnten. Alexander Rupprecht, Geschäftsführer der R-Tech GmbH – neben IT-Logistikcluster, E-Mobilitätscluster Regensburg, und Digitaler Gründerinitiative Oberpfalz (DGO) einer der Organisatoren des Kongresses – zeigte sich zuversichtlich, dass hierfür Impulse aus der Region kommen können. „Wir sind groß genug, um relevante Player zu beheimaten und klein genug, um sich hervorragend zu vernetzen und so gemeinsam wichtige Schritte zur Lösung dieser globalen Herausforderungen unternehmen zu können.“

„Problemstellungen fördern Innovationen“

Einer dieser Spieler ist sicherlich der Automobilzulieferer Continental. René Krahn, Standort- und Werkleiter bei Continental in Regensburg, sah gerade in den Herausforderungen einen wichtigen Katalysator für Innovation und Entwicklung. „Problemstellungen fördern neue Innovationen und diese werden uns auch helfen, die vor uns liegenden Probleme zu lösen.“ Allerdings müssten für alle dieselben Rahmenbedingungen gelten. Angesichts der politischen Vorgaben in Bezug auf Emissionen wies er auf die wichtige Bedeutung global einheitlicher Standards hin: „Das schafft gleiche Bedingungen im Wettbewerb sowie Planungssicherheit und ist damit Grundlage, für Entscheidungen, um die industrielle Produktion CO2-neutral zu bekommen.“ Auch in den Fachforen stand das Spannungsfeld zwischen einem bewussteren Umgang mit Ressourcen und dem Potenzial der Technologie im Fokus. Die Referenten im Forum „Mehr Grün in der Logistik“ Sarah Rodermund von der LIS-Solutions GmbH und Sergiu-Matei Burciu, Leiter Asset Digitalization & Automation bei der DB Cargo AG, waren sich einig, dass effizientere und schnellere Warendisposition nicht zum Treiber für noch mehr globalen Konsum werden dürfe. Die Effizienzsteigerung einer grünen Logistik müsse mit einem verantwortungsvolleren Konsumverhalten der Verbraucher einhergehen.

Riesige Stromlücke droht

Ähnlich äußerte sich auch Dr. Ulrich Buchhauser, Leiter der Landesagentur für Energie und Klimaschutz (LENK): „Technologie allein wird uns vielleicht nicht retten, aber sie macht es einfacher, Einsparungsziele zu erreichen.“ Dafür müsse etwa im Bereich des Energieverbrauchs der Bedarf massiv und schnell gesenkt werden: „Wir laufen auf eine Stromlücke von 50 Prozent zu. Der Bedarf steigt, die AKWs werden abgeschaltet. Der Gesamtbedarf muss soweit runter, dass die Lücke nicht entsteht, sonst holen wir Strom irgendwoher und ob dieser dann wirklich klimaneutral ist, wissen wir nicht.“

Mathis Broelmann, Bereichsleiter Marketing und Logistik beim Stadtwerk Regensburg, wies in diesem Kontext auf das Einsparpotenzial durch Effizienzsteigerung, also die technologische Stellschraube hin. Er fügte jedoch – sicherlich auch hinsichtlich der drängenden Zeit und der entsprechenden Realisierungszeiträume technologischer Anpassungen – hinzu: „Ob es reicht, ist offen.“

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