Mobilität
17. Februar 2021 6:05  Uhr

Unerwarteter Höhenflug in der Krise

Während die Krise größere Flughäfen mit Verlusten von bis zu 90 Prozent trifft, verzeichnet der Flughafen Hof-Plauen 2020 ein leichtes Plus. Der Fokus auf Geschäftsreisende erweist sich in dieser Zeit als Vorteil.

Verkehrslandeplatz mit fast 100 Jahren Geschichte: der Flughafen Hof-Plauen | Foto: Flughafen Hof-Plauen

Von Stephanie Burger

HOF. Die Folgen der Coronapandemie treffen die gesamte Luftverkehrsbranche. Die Flughäfen im In- und Ausland mussten 2020 einen dramatischen Rückgang des Passagieraufkommens hinnehmen. Doch ein Regionalflughafen im Nordosten von Bayern trotzt der Krise: Am Flughafen Hof-Plauen gab es nach Angaben der Betreibergesellschaft 2020 mit über 6000 Starts und Landungen sogar ein leichtes Plus an Passagierbewegungen im Vergleich zum Vorjahr mit 5853 Bewegungen.

Der wesentliche Grund dafür ist, dass bereits 2012 der Linienverkehr eingestellt worden war und seitdem die Priorität auf dem Geschäftsreise- und Werksverkehr liegt, wie Thomas Schmidt, Bevollmächtigter der Betreibergesellschaft, informiert. Unternehmen aus Sachsen, Franken und der Oberpfalz haben am Flughafen Hof-Plauen Flugzeuge für ihren Werksverkehr stationiert. Hinzu kämen außerdem Flüge der allgemeinen Luftfahrt wie Ausbildungsflüge, Ambulanzflüge, Polizeiflüge, Leitungskontrollen sowie Luftbild- und Vermessungsflüge. „Beide Segmente haben sich positiv entwickelt“, sagt Schmidt. „Die Zahl der transportierten Passagiere ging dabei moderat nach oben.“

Regionalflughafen konnte punkten

Die in gewerblichen Geschäftsflügen und im Werksverkehr transportierten Passagiere zusammen machen dabei ein Drittel der Flugbewegungen aus. „Unsere Ausrichtung und die Tatsache, dass unser Flughafen als kritische Infrastruktur auch während der Pandemie nie geschlossen war, ermöglichte die rasche Erholung nach dem ersten Lockdown“, sagt Schmidt. Viele der ortsansässigen Geschäftsflieger würden die Vorteile des Regionalflughafens gerade in diesen Zeiten sehr schätzen. „Die zeitraubende Anreise zu Großflughäfen entfällt, vollbesetzte Linienflugzeuge können so vermieden und Geschäftsdestinationen direkt und zeitlich unabhängig angeflogen werden.“

Mehreinnahmen durch den Verkauf von Flugkraftstoffen

Doch es gibt noch weitere Gründe für den Höhenflug des „Verkehrslandeplatzes“, wie die offizielle Bezeichnung des Flughafens lautet. So konnten man durch den Verkauf von Flugkraftstoffen in Eigenregie Mehreinnahmen generieren. Durch eine entsprechende Preisgestaltung und Listung in von Geschäftsfliegern genutzten weltweiten Spritpreisübersichten gelang es, den Umsatz in diesem Bereich kontinuierlich zu steigern. Damit gingen auch zusätzliche Flüge für Tankstopps einher. Der Flughafen Hof-Plauen wird beispielsweise zum Zwischentanken von Flugzeugen auf dem Weg von Berlin nach München angesteuert.

Ebenfalls zur Einnahmenverbesserung beigetragen hat die 2020 gestartete Kooperation mit einer ungarischen Frachtflugfirma, die sich Hof als zentral in Europa gelegenen Stützpunkt für ihre Flugzeuge ausgesucht hat, wie Schmidt erklärt. Zudem werde der Flughafen mit einem schlanken Mitarbeiterstab betrieben: Er besteht aus zwölf Personen inklusive Verwaltung und Geschäftsführung.

Testareale der BMW Group

Der Flughafen hat außerdem noch einen weiteren wichtigen Kunden: Seit 2015 hat die BMW Group Areale des Flughafengeländes gepachtet, die nicht mehr für den Flugbetrieb benötigt werden. Der Autobauer testet dort Fahrerassistenzsysteme und Systeme für das autonome Fahren. Auch wenn die endgültige Bilanz 2020 erst im Frühjahr vorliegen soll, rechnet die Betreibergesellschaft damit, dass das veranschlagte Betriebskostendefizit, das zu 60 Prozent von der Stadt Hof und zu 40 Prozent vom Landkreis Hof getragen wird, gesenkt werden kann. „Das Ergebnis 2020 trotz Pandemie stimmt positiv – wir gehen davon aus, auch 2021 moderat mehr Einnahmen und Bewegungssteigerungen erzielen zu können“, sagt Schmidt.

Flughafen Hof-Plauen

Die Fliegerei in Hof begann früh: 1927 wurde der zwei Jahre zuvor errichtete Flugplatz an das deutsche Linienflugnetz angeschlossen. Die aufkommende Konkurrenz durch das Auto machte jedoch die Kurzstreckenflüge schon bald unrentabel. Der Flugplatz wurde später vom amerikanischen Militär übernommen. 1969 wurde an anderer Stelle ein neuer Flugplatz eröffnet – mit Linienverkehr ab 1972 und ab den 1980er-Jahren sogar mit Charterflügen zu Urlaubszielen am Mittelmeer, unter anderem Mallorca, Kreta, Rhodos, Tunesien und das spanische Festland. Trotz guter Buchungen musste dieses von Reiseveranstaltern in Hof-Plauen angebotene Charterprogramm jedoch 2002 wieder eingestellt werden: Die Landebahn war mit einer Länge von 1480 Metern für Maschinen wie die Boeing 737 oder den Airbus A320, die im Charterflugverkehr immer häufiger eingesetzt wurden, zu kurz. Nach wechselvollen Jahren kam der Tiefpunkt für den Flughafen, dessen Notwendigkeit nie unumstritten war, im Jahr 2012, als der Linienverkehr komplett eingestellt wurde. Seither arbeitet die Betreibergesellschaft erfolgreich daran, das Betriebskostendefizit kontinuierlich zu senken.