Markt
15. Februar 2022 6:01  Uhr

Unternehmen stehen ohne Mitarbeiter da

Die Coronapandemie lässt die Rückkehr von ehemaligen Beschäftigten der Gastronomiebranche in ihren alten Job auch auf dem Arbeitsmarkt in Ostbayern unter die 50-Prozent-Marke sinken.

Während der Coronakrise hat die Gastronomie in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt nahezu jeden vierten Job verloren, Tiefpunkt war im Februar 2021. Getroffen hat es vor allem geringfügig Beschäftigte. Sie sind häufig in den Ausschankbetrieben tätig gewesen, die von der Pandemie besonders in Mitleidenschaft gezogen wurden. Foto: antgor – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

NÜRNBERG. In welchem Maße die Coronapandemie die Struktur des Arbeitsmarktes in Deutschland verändert hat, ist gar nicht so leicht zu ergründen. Jedenfalls kamen nicht zuletzt die Berufsforscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zwischen den diversen Lockdowns und den oft sehr schnell folgenden Erholungsphasen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Fest steht wohl, so Christof Röttger und Enzo Weber in der aktuellen IAB-Studie, dass die Coronakrise eine „extrem schnelle Rezession“ ausgelöst habe. Die Folge: Gerade Branchen, die von Corona besonders betroffen waren, mussten nach der größten Krise der Nachkriegsgeschichte nicht selten ihr Geschäft plötzlich wieder hochfahren – doch mit wem?

Weniger Personal eingestellt

Die Gastronomie zum Beispiel hatte coronabedingt gerade sehr viele Mitarbeiter abgebaut und stand nun vor dem Problem, diese Stellen wieder neu zu besetzen. Gerade diese Branche aber, so brachten es die IAB-Wissenschaftler auf den Punkt, stand schon bald vor der Frage: „Wo sind die Kellner:innen geblieben?“ Vergleicht man den Zeitraum vom zweiten Quartal 2020 bis zum ersten Vierteljahr 2021 mit der Zeitspanne vor der Krise, also dem zweiten Quartal 2019 bis zum ersten Quartal 2020, dann kehrte eine Vielzahl von Mitarbeitern gerade in den Lebensmittel- und Gastgewerbeberufen dieser Branche den Rücken. Die IAB-Studie errechnete hier eine Abnahme um 16,5 Prozent.
Genau die abgewanderten Arbeitskräfte einfach zurückholen zu wollen, greife in diesen Krisenberufen schon deshalb zu kurz, weil gerade für Gastronomieberufen ein permanenter Wechsel typisch sei. Zudem waren bundesweit im Juli 2021 um über 15 Prozent, also über 270.000 Menschen weniger beschäftigt als im Vergleichsmonat vor der Pandemie. Wohin aber ging das Gastropersonal? Bundesweit wechselten diese Personen vor allem in unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe, Verkehrs- und Logistikberufe wie Lieferdienste oder medizinische und nicht-medizinische Gesundheitsberufe, wie sie in den Testzentren angeboten wurden.

Rückkehrerquote ist rückläufig

Konkret bedeutete dies etwa für die Arbeitsmarktregion Regensburg mit den Landkreisen Kelheim und Neumarkt sowie Stadt und Landkreis Regensburg, dass sich zum Beispiel im Juni 2020 innerhalb von zwölf Monaten 1585 Beschäftigte aus Gastronomieberufen arbeitslos gemeldet hatten. Ein Jahr später, im Sommer 2021, waren es über 1200. Die Rückkehrquote zum „alten Job“, also in die Lebensmittel- und Gastgewerbeberufe, betrug im Sommer 2020 immerhin fast 60 Prozent, während dieser Wert im Juni 2021 unter 50 Prozent sank. Der Hotel- und Gaststättenverband geht davon aus, dass sich die Situation ab dem Sommer wieder entspannen werde. Die DEHOGA-Geschäftsführerin Oberpfalz, Andrea Kramer, verweist freilich auch darauf, dass die meisten ehemaligen Mitarbeiter vertraglich an ihre jetzigen Arbeitgeber gebunden sind.

Die Integration verbessern

Selbst wenn sich etliche Engpässe, wie sie speziell in der Gastronomie mit ihren – so die IAB-Studie – zum Teil wenig spezifischen Anforderungen, aber einer gleichzeitig sehr hohen beruflichen Flexibilität zum Ausdruck kommen, auf mittlere Sicht wieder normalisieren dürften, sollten künftig alle Potenziale erschlossen werden. Dabei verweisen die Berufsforscher angesichts der fortschreitenden „demografischen Schrumpfung“ nicht zuletzt auf die Möglichkeiten, die sich rund um das Thema Langzeitarbeitslosigkeit ergeben. Hier könnte durch die Ausweitung von individuellen Lohnkostenzuschüssen einiges bewirkt werden. Dies gelte auch für Minijobs, also einen Bereich, der gerade im Gastgewerbe noch stärker als die übrige Beschäftigung eingebrochen sei. Hier empfehlen Enzo Weber und Christof Röttger, den Wiederaufbau von Arbeitsplätzen stärker in Richtung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung zu lenken. Als „stärksten Hebel“ gegen solche Engpässe nennen die Experten die Migration, worunter sie eine offene Zuwanderungspolitik verstehen und für eine Begrenzung der hohen Abwanderung durch eine verbesserte Integration auf dem Arbeitsmarkt plädieren.