Serie: Transformation der Berufsbilder
26. Januar 2022 6:09  Uhr

Vielfältiger Job mit Potenzial zum Höhenflug

Der Beruf des Drohnenpiloten hat viele Gesichter: Er liefert als Dienstleister schöne Bilder, ist unverzichtbarer Helfer in der Forschung oder dient als Vollzeitdrohnenpilot bei der Bundeswehr.

Auch Feuerwehr und Rettungskräfte setzen Drohnen ein. Foto: I-C-U Frank Latz – stock.adobe.com

Von Rebecca Sollfrank

MÜNCHEN. Obwohl die meisten Menschen sie praktisch nie sehen, sind sie beinahe allgegenwärtig: Viele Branchen setzen schon heute auf die zusätzliche Perspektive einer Drohne. Tatsächlich können die Miniflieger viel mehr als der Feuerwehr Bilder von Brandherden liefern oder dem Landwirt einen Überblick über den Zustand seiner Ackerfrucht verschaffen. Doch wo auch immer Drohnen am Himmel zu sehen sind: Irgendwo am Boden gibt es einen Piloten – und der hat einen spannenden Job.

„Der Drohnenpilot ist ein neues Berufsbild mit großem Potenzial”, sagt Alexander Schamriss, Vertriebsleiter bei der Condor Multicopter & Drones GmbH, die in München die Drone enAcademy betreibt. Die Spannbreite dieses Berufsbildes ist groß, sie reicht von einer schlichten Zusatzqualifikation bis hin zum selbständigen Drohnendienstleister, der für verschiedene Branchen im Auftrag fliegt. Allen gemein ist jedoch: Um professionell mit einer Drohne zu arbeiten, braucht man seit 1. Januar 2021 einen EU-Drohnenführerschein. Die neue EU-Drohnenverordnung sorgte für eine Vereinheitlichung der unterschiedlichen nationalen Regelungen zum Führen einer Drohne im Luftraum.

Der große und der kleine Drohnenführerschein

Der EU-Drohnenführerschein teilt sich in einen Kompetenznachweis und ein Fernpilotenzeugnis – umgangssprachlich auch als „kleiner” und „großer” Drohnenführerschein bezeichnet. Wer lediglich in seiner Freizeit mit einer Drohne unter 500 Gramm weit entfernt von Menschen oder Gebäuden fliegen möchte, braucht nur die kleine Version. Jeder, der eine Drohne als Teil seines Berufes oder sogar hauptberuflich fliegen möchte, braucht den großen EU-Führerschein.

Das A2 Fernpiloten-Zeugnis kann man bei zertifizieren Akademien sowohl in einer Onlineschulung und -prüfung als auch in Präsenz erwerben. Präsenzangebote richten sich eher an Unternehmen und Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Die Präsenz-Komplettschulung geht über zwei Tage, Schulungsinhalte sind neben EU-Drohnenvorschriften unter anderem Luftrecht und Flugsicherheit, Meteorologie und Risikomanagement. Im Praxisteil werden Flugvorbereitung, Flug- und Notfalltraining durchgeführt. Die Prüfung selbst wird online durchgeführt. Wie genau die Schulungen ablaufen, ist beispielsweise auf der Website der Drone Academy zu finden, weitere Informationen über zertifizierte Schulungsanbieter finden sich im Internet.

Drohnen können mit unterschiedlichsten Sensoren ausgestattet werden. So ist es zum Beispiel bei Umweltkatastrophen möglich, Belastungen mit Giftstoffen oder Strahlung mit sicherem Abstand örtlich einzugrenzen. Foto: kaninstudio – stock.adobe.com
Archäologen setzen Drohnen heute vielfach ein – um schwer zugängliche Funde zu inspizieren, Luftaufnahmen von Grabungsstellen zu bekommen oder Bodendenkmäler aus der Luft zu identifizieren, die früher nur mit teuren Flügen entdeckt werden konnten. Foto: chocolatefather – stock.adobe.com
Ob Feuerwehr, Bergwacht oder Polizei – in Einsatz und Rettung kommt die Drohne heute nicht nur bei der Einschätzung eines Brandortes oder der Messung von Gaskonzentrationen, sondern auch bei der Personensuche in schwierigem Gelände zum Einsatz. Foto: nacfoto – stock.adobe.com

Günstige Flug-Alternative für Retter und Makler

Aber was sind denn nun die Einsatzgebiete eines Drohnenpiloten? „Bei der Feuerwehr kommt die Drohne im Rahmen der Erkundung von Einsatzstellen oder auch bei der Personensuche zum Einsatz”, erklärt die Pressesprecherin der Stadt Regensburg, Juliane von Roenne-Styra, im Namen der Berufsfeuerwehr. Die Regensburger Drohnenstaffel setzt sich allerdings aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr, Löschzug Keilberg, zusammen. Die Floriansjünger bilden sich dafür in ihrer Freizeit ehrenamtlich fort. Mit Drohnen Brandherde von oben zu identifizieren oder schwer zugängliches Gelände nach Personen abzusuchen, liegt nahe. Dabei geht es um eine der ersten Aufgaben der Drohne, die immer noch ihre Hauptaufgabe ist: Bilder zu liefern. Nicht zuletzt deshalb hat sich die Drohne längst bei Fotografen oder der Werbewirtschaft beziehungsweise bei Immobilienmaklern etabliert. Denn sie liefert Perspektiven, die sonst nicht oder nur mit einem teuren Flug möglich wären. Die Drohne wird auch in immer mehr Wirtschaftszweigen eingesetzt. Gutachter zum Beispiel können Schäden an einem Gebäude mithilfe der Kameradrohne vom Boden aus bequem eruieren und dokumentieren. Eine Drohne mit Vermessungstechnik an Bord hilft Architekten ebenso wie Bauunternehmen, Planungen zu optimieren oder zu visualisieren.

Eine wichtige Rolle spielt die drohnengestützte Thermografie in der Energiewirtschaft. Drohnen mit Wärmebildkameras ermöglichen die thermografische Inspektion großer Photovoltaikanlagen viel schneller und mit weniger Aufwand. Die Aufnahmen zeigen sowohl Oberflächenschäden als auch den Ausfall einzelner Module oder außergewöhnliche Hitzeentwicklungen, die auf eine Fehlfunktion hinweisen. In der Archäologie werden Drohnen eingesetzt, um Spuren der Vergangenheit an sonst nicht zugänglichen Stellen zu entdecken; oder sie liefern Luftaufnahmen, anhand derer sich Bodendenkmäler identifizieren lassen, die nur aus der Vogelperspektive zu sehen sind. Die Sicherheitsbranche überwacht die Dynamik von Großveranstaltungen über Drohnen, um schneller eingreifen zu können.

Bei der Wartung und Instandhaltung von großen Photovoltaikanlagen sind Drohnen in der Zwischenzeit unverzichtbar. Mit Hilfe von Wärmebildkameras zeigen sie unter anderem Fehlfunktionen oder Schäden an den Modulen an. Foto: AlexPhototest – stock.adobe.com
Für Architekten und Bauunternehmen kann die Drohne eine wichtige Hilfe für Vermessungen oder Planungsoptimierungen sein. Auch 3D-Daten von Gebäuden lassen sich generieren, um später zum Beispiel exakte Modelle auszudrucken. Foto: Gorodenkoff – stock.adobe.com
Ob Dachdecker oder Baugutachter – der Einsatz der Drohne erlaubt berührungslose Nahinspektionen von Gebäudeteilen, die ansonsten schwer zugänglich wären. Außerdem werden sie für die Einschätzung und Dokumentation von Schäden eingesetzt. Foto: EHK Pictures – stock.adobe.com

Erweiterter Einsatz durch Sensoren

Je mehr Sensoren eine Drohne hat, desto vielseitiger kann sie eingesetzt werden. Das gilt für Temperatur- oder Luftdruckmessung ebenso wie für Gas- oder Partikelsensoren. So können Drohnenpiloten wichtige Echtzeitdaten für die Wettervorhersage sammeln oder sogar die Aktivitäten eines Vulkans vor einem vermuteten Ausbruch überwachen helfen, ohne dass sich ein Mensch in die gefährliche Nähe bringen muss. Mithilfe sensorenbestückter Drohnen können sogar Evakuierungs- und Quarantäneradien festgelegt beziehungsweise überwacht werden.

Die Vielfalt der Einsatzgebiete macht den Reiz des Drohnenführerscheins aus. Und die Professionalisierung der Drohnenführung durch den EU-Führerschein ist eine Chance für alle, die professionelle, hochwertige Drohnendienstleistungen anbieten wollen. In diesem Fall sollte man sich in möglichst viele Fachgebiete des potenziellen Kunden einarbeiten, empfiehlt Schamriss von der Drone Academy.

Vollzeitjob bei der Bundeswehr

Vollzeitdrohnenpiloten gehören inzwischen bei der Bundeswehr zur Truppe. Hauptmann Nikolas Gesatzky, Sprecher der Bundeswehr in Köln, erklärt dazu: „Heron 1 und Heron TP sind als größte unbemannte Flugzeugtypen bei der Bundeswehr im Einsatz. Die Crew einer Heron besteht aus dem Drohnenpiloten oder der Drohnenpilotin und einem zweiten Soldaten, der die an Bord befindlichen Systeme bedient.” Grundlage dafür ist eine fliegerische Ausbildung für bemannte Flugzeuge, wie sie jeder Pilot absolvieren muss. Der Drohnenpilot bei der Bundeswehr ist eine Offizierslaufbahn. Mitbringen müssen Bewerberinnen und Bewerber körperliche und geistige Fitness, ein überdurchschnittliches Konzentrations- und Reaktionsvermögen sowie Multitasking- und Koordinationsfähigkeiten. Neben technischem Verständnis und umfangreichem Theoriewissen gehören hier auch Simulatorenflüge zur Ausbildung.

Interview

Professionalität bringt einen Wettbewerbsvorteil

Alexander Schamriss, Vertriebsleiter bei Condor Multicopter & Drones GmbH, zu der auch die Drone Academy in München gehört, erklärt im Interview, was man für das Berufsbild Drohnenpilot mitbringen sollte.

Hier geht’s zum Interview …

Serie „Transformation der Berufsbilder“

325 anerkannte Ausbildungsberufe gab es 2020 in Deutschland, 1971 waren es noch 606. Doch auch wenn die Zahl der Berufe absolut abnimmt, gibt es auf der anderen Seite Bedarf für neue Berufe. Für einen beschleunigten Wandel gewohnter Berufsbilder sorgt derzeit besonders die Digitalisierung – wenn auch nicht nur. In der Serie „Transformation der Berufsbilder“ stellen wir einige konkrete Beispiele für Transformationen und Neuerungen vor, wie etwa zum Auftakt den Smart Farmer, den Feelgoodmanager , den E-Sportmanager, den Insektenzüchter oder in dieser Folge den Drohnenpiloten. Selbst die Art, wie uns künftig Waren im Handel schmackhaft gemacht werden, ändert die Digitalisierung – zusätzlich beschleunigt durch Corona: Sie hat den Digital Category Manager Einzelhandel hervorgebracht.