Bildung
18. Juni 2021 5:55  Uhr

Visavid ersetzt Microsoft Teams in Bayerns Schulen

Auch wenn die Pandemielage sich derzeit entspannt, hat Corona doch eines gezeigt: Schulen müssen digital besser vorsorgen. Und so lernen künftig in Bayern 1,6 Millionen Schüler mit dem Neumarkter Videokonferenzsystem Visavid.

Das digitale Klassenzimmer für Bayerns Schüler stellt bald nicht mehr MS Teams zur Verfügung, sondern Visavid, ein Konferenzsystem der Auctores GmbH aus Neumarkt. Foto: AndrewRzhannikov/Wayhome Studio – stock.adobe.com

Von Claudia Rothhammer

NEUMARKT. Ein Großteil der 1,6 Millionen Schüler in Bayern hat das eigene Klassenzimmer zumindest bis zu den Pfingstferien seit Monaten nicht mehr von innen gesehen. Das digitale Klassenzimmer in Microsoft Teams dafür umso häufiger. Doch bei der Frage, wie geschützt die übertragenen Daten bei einem US-Unternehmen sind, gab es große Bedenken. Das Kultusministerium lässt deshalb am Ende des Schuljahres die Lizenz für MS Teams auslaufen. Die Lücke soll Visavid füllen, ein System der Auctores GmbH aus Neumarkt.

In Steuer- und Immobilienbranche schon im Einsatz

Als Geschäftsführer Karl Weigl die Ausschreibung gelesen hat, wusste er: „Genau so ein System haben wir schon.“ Wie Weigls Kunden aus der Steuer- und Immobilienbranche schätzt das Kultusministerium an Visavid, dass der Betrieb ausschließlich in Rechenzentren der EU in einer geschützten Cloud erfolgt. Damit werden alle personenbezogenen Daten DSGVO-konform verarbeitet. Alle Räume in Visavid sind technisch getrennt und teilen sich keine Daten. Es werden keine Tracking- beziehungsweise Nutzerdaten für Werbezwecke erhoben. Eine Weitergabe von Daten an Dritte erfolgt nicht. Visavid ist als Cloud-Anwendung einfach horizontal skalierbar: Die Leistung lässt sich an den Bedarf anpassen, sodass eine große Zahl von Räumen parallel genutzt werden kann. Jeder Klassenraum läuft auf einem eigenen virtuellen Server. So bleibt das System stabil, selbst wenn sich Zehntausende Schüler gleichzeitig anmelden. Zusammenbrüche wie bei der Lernplattform mebis wird es nicht geben.

Sicher, skalierbar und barrierefrei

Das kann Johannes Nehlsen bestätigen. Er arbeitet für die Stabsstelle IT-Recht der bayerischen staatlichen Universitäten und Hochschulen am Rechenzentrum der Uni Würzburg und ist Datenschutzbeauftragter der virtuellen Hochschule Bayerns. In seiner Freizeit hat er sich Visavid angesehen. Neben der horizontalen Skalierung findet er die Barrierefreiheit vorbildlich umgesetzt. „Mit jedem Endgerät, ob mit oder ohne Tastatur, ob mit Smartphone oder PC, kann ich an der Videokonferenz teilnehmen.“

Keine eigene Software nötig

Die Anwendung funktioniert unabhängig vom Betriebssystem komplett im Browser, Nutzer müssen keine spezielle Software installieren. Weigl ergänzt: „Visavid ist auch von Menschen mit Behinderung nutzbar: im Frontend und in den Verwaltungsoberflächen des Backends. Das System ist per Tastatur steuerbar und mit Screenreadern verwendbar, wie sie Menschen mit Sehbehinderung einsetzen. Hörgeschädigte können Live-Untertitel einblenden.“ Was Nehlsen am besten gefällt: „Seit Jahren reden wir davon, dass wir in Europa digital unabhängig werden müssen. Lösungen wie Visavid sind erste Schritte dahin.“

Interview

„Wir nutzen Visavid seit einem Jahr“

Katja Niebling, Geschäftsführerin des Verbandes der
Immobilienverwalter Hessen e. V., spricht im Interview über ihre Erfahrungen mit dem Videokonferenzsystem Visavid, das zukünftig in Bayerns Schulen angewandt werden soll.

Foto: VDIV Hessen e. V.

Hier geht’s zum Interview …