Interview
9. Juli 2021 5:58  Uhr

Vorreiter auf dem Gebiet der Weiterbildung

Ein Dreivierteljahrhundert nach ihrer Gründung in Regensburg gelten die Eckert Schulen auch im internationalen Vergleich als Vordenker der Weiterbildung. Speziell die Campusidee in Regenstauf löste laut Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels viele neue Weiterbildungsangebote aus.

Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels | Foto: Petra Homeier

Von Gerd Otto

Als der Regensburger Ingenieur Peter Eckert 1946 in seiner Wohnung den ersten Schülern Privatunterricht gab, war kaum zu erahnen, dass sich daraus einmal mit den Eckert Schulen eine wahre Erfolgsgeschichte entwickeln würde. Heute, 75 Jahre später, beschäftigt der Enkel des Firmengründers, Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels, in der nach seinem Vater Dr. Robert Eckert benannten Unternehmensgruppe rund 1800 Mitarbeiter, weit über die Region hinaus auf nationaler wie internationaler Ebene. Im Laufe dieser mehr als sieben Jahrzehnte haben nicht nur über 100.000 Berufstätige auf „Deutschlands größtem privaten Weiterbildungscampus“ ihre Karriere beflügelt. Vielmehr wurden auch die Eckert Schulen immer wieder hochdekoriert.

Freiherr von Waldenfels, Ihr Großvater begann kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Solounternehmer. Heute stehen Sie als Vorstandsvorsitzender an der Spitze einer AG. Was steckt hinter der Erfolgsstory?

Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels: In der Tat eröffnen wir Jahr für Jahr Tausenden von Bildungshungrigen den Weg nach oben auf ihrer Karriereleiter. Dabei sind wir als Eckert Schulen stets einem Grundsatz treu geblieben. Obwohl sich die Welt um uns herum gravierend verändert hat, wollten wir die Menschen von Anfang an dabei begleiten, in ihrem Beruf erfolgreich zu sein. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es der Ruf nach Fachkräften, der den Firmengrüner Peter Eckert dazu veranlasste Lehrgänge zu organisieren, um die Menschen auf Meister- und Technikerprüfungen vorzubereiten. Mit Blick in die Zukunft werden wir unsere Kompetenz als Karrierelotsen weiter ausbauen oder – wie es mein Stellvertreter im Vorstand Gottfried Steger gerne formuliert – Menschen an die Hand nehmen, damit sie ihre Aufstiegs- und Erfolgschancen auch tatsächlich wahrnehmen können.

Was bedeutet das konkret?

Letzten Endes entwickeln wir die Gründungsidee meines Großvaters nur konsequent weiter, indem wir einerseits unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit jedem die Möglichkeit geben wollen, beruflich voranzukommen und auf der anderen Seite dazu beizutragen, die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland langfristig zu sichern. Heute gelten wir als Vordenker in Deutschlands Bildungs- und Weiterbildungslandschaft und fühlen uns deshalb besonders verpflichtet, ganz individuelle, auf die Bedürfnisse der Teilnehmer zugeschnittene Angebote zu präsentieren.

Haben diese Überlegungen auch Eingang in Ihr Konzept „Eckert-360-Grad“ gefunden?

In der Tat wollen wir keineswegs nur theoretische Grundlagen vermitteln, sondern vor allem lebendiges Insiderwissen, was uns schon deshalb sehr gut gelingt, weil unsere Dozenten didaktisch hervorragend ausgebildet sind und vor allem in hohem Maße aus der Praxis kommen. Noch weit vor der ersten Lerneinheit können die Teilnehmer aus den verschiedensten Lehrformen die für sie geeignetste Konzeption auswählen und erhalten dabei eine ganz individuelle Betreuung und Beratung.

Das Lehrangebot mit der Lebensrealität des Lernenden in Einklang zu bringen, welche Rolle spielt dieser Aspekt angesichts der Coronapandemie?

Hier haben wir sehr schnell gehandelt. Geradezu im Rekordtempo haben wir digitale Angebote beim virtuellen Lernen und Lehren entwickelt, die heute, wie uns versichert wird, in unserer Branche geradezu neue Maßstäbe gesetzt haben. Bei den Eckert Schulen wird die Digitalisierung aber auch generell als Möglichkeit gesehen, den Weiterbildungsangeboten eine neue flexible und individuelle Dimension hinzuzufügen. Auf diese Weise können wir in Zukunft noch weit mehr Interessierte erreichen, die nicht das Glück haben, in der Nähe einer größeren Stadt zu leben und vielleicht auch nicht so mobil sind.

Apropos Standort, wer heute den Sitz der Dr. Robert Eckert Schulen AG in Regenstauf besucht, dem fällt eines ins Auge: Hier wurde offenbar die Campusidee, die Ihr Vater in den USA kennengelernt hatte, auf ideale Weise umgesetzt. Und was spricht mit Blick nach vorne und auf Ihr Leitmotiv „Wir bilden Zukunft“ für diesen Campus?

Das Herz unseres Unternehmens tickt tatsächlich nicht in einer Großstadt, vielmehr liegt der Schwerpunkt unserer Aktivitäten auf einem rund 27 Hektar großen Campus im Grünen vor den Toren Regensburgs. Von dort gesteuert, sind die Eckert Schulen in den vergangenen Jahren mit ihrem Exzellenzansatz zu Deutschlands führender Praxis-Universität aufgestiegen. Viele unabhängige Auszeichnungen belegen das: 2019 und 2020 kürte der Stern das Unternehmen beispielsweise zu „Deutschlands bestem Anbieter für berufliche Bildung“. Besonders stolz ist unser Team aber auch auf den Gewinn des renommierten deutschen Personalmanagementawards oder auch des Siegels „Exzellenzbetrieb des Deutschen Mittelstandes“.

Und über die Region Regensburg oder den Campus in Regenstauf hinaus?

Mittlerweile gibt es regionale Bildungszentren als Campussatelliten bereits an rund 50 Standorten in ganz Deutschland, in Dresden und Berlin ebenso wie in Duisburg, Nürnberg, Freiburg oder München. Jährlich legen inzwischen an all diesen Standorten rund 9000 Teilnehmer den Grundstein für einen erfolgreichen Karrieresprung oder für neue Karriereperspektiven. In Ostbayern sind wir neben Regensburg auch in Landshut und Weiden mit regionalen Bildungszentren vertreten oder auch in Amberg, Cham, Neumarkt, Schwandorf sowie in Deggendorf, Kelheim und Straubing. Bundesweit werden übrigens mit 6000 Kursteilnehmern zwischen Hamburg und Passau oder von Freiburg bis Berlin doppelt so viele Menschen nach unserem Konzept ausgebildet wie am Campus in Regenstauf selbst.

Entwickeln sich die Eckert Schulen in den nächsten Jahren auch international?

Für die weitere Expansion unserer Unternehmensgruppe spielen internationale Angebote sicherlich eine wichtige Rolle. Schließlich genießt die Weiterbildung „Made in Germany“ zum Beispiel in Asien einen ganz hervorragenden Ruf. Bereits heute bringen die Eckert Schools ihre Lehrgänge auch nach China oder Vietnam, nicht zuletzt dank neuer digitaler Möglichkeiten.

Wird die Digitalisierung gerade auch die Eckert Schulen verändern?

Auch wenn unser Fokus inhaltlich auch künftig auf der Weiterbildung nichtakademischer Führungskräfte liegen wird, wo etwa staatlich geprüfte Techniker oder Industriemeister auf dem Arbeitsmarkt extrem gefragt sind, setzen wir als Praktiker-Uni in Zukunft sehr stark auf die Verbindung aus digitalen und Vor-Ort-Angeboten. Wir sind überzeugt, dass sich hybride Angebote durchsetzen werden, weil sie einen noch individuelleren Lernmix möglich machen. Gleichzeitig dürfte der soziale Aspekt des Lernens in der Gruppe an Bedeutung gewinnen. Nicht von ungefähr investieren wir derzeit einen siebenstelligen Betrag in die Infrastruktur unseres Campus in Regenstauf.

Wie gehen Sie voraussichtlich die nächsten 75 Jahre an?

Unabhängig von aktuellen Konjunktursituationen bin ich grundsätzlich von der Notwendigkeit überzeugt, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter auf eine zunehmend digitalisierte, vernetzte Berufswelt vorbereiten müssen. Dabei sollte man über Innovation oder Digitalisierung nicht nur reden. Wir jedenfalls leben sie.

Alexander Eckert

Seit dem Jahr 2005 ist Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels Vorstandsvorsitzender der Dr. Robert Eckert Schulen AG mit Sitz in Regenstauf. Er übernahm die Leitung von seinem Vater Dr. Robert Eckert, der ab 1956 die Geschicke des Unternehmens lenkte und die Firmengruppe 1993 in eine Aktiengesellschaft umwandelte. Alexander Eckert Freiherr von Waldenfels, der Adoptivsohn von Dr. Robert Eckert, entstammt mütterlicherseits einer Bierbrauerdynastie im oberfränkischen Hof, studierte in Wuppertal und kehrte anschließend nach Regenstauf zurück. Als Chef der Dr. Robert Eckert Schulen AG trieb er unter anderem die Internationalisierung der Aus- und Weiterbildungsschmiede weiter voran.