Maschinenbau
9. Juli 2020 6:00  Uhr

Vorsichtiger Optimismus im Maschinenbau

Die Bilanz des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau fällt negativ aus. Unsicherheit und fehlende Investitionen belasten die Firmen. Für die kommenden Jahre aber erwarten sie eine Besserung der Situation.

70 Prozent der bayerischen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus melden gravierende Rückgänge bei den Aufträgen. | Foto: Nataliya.Hora – adobe.stock.com

Ostbayern. Die Coronapandemie trifft den exportstarken bayerischen Maschinen- und Anlagenbau mit voller Wucht. In einer aktuellen Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) melden 70 Prozent der Unternehmen gravierende Rückgänge bei den Aufträgen. „Eine solche Krise gab es noch nie. Ihre Dauer und die Folgen sind daher derzeit schwer einzuschätzen. Unsicherheit und die fehlenden Investitionen belasten den bayerischen Maschinen- und Anlagenbau stark“, erklärte Claudia Haimer, Vorstandsvorsitzende des VDMA Bayern Anfang Juli bei der Jahrespressekonferenz.

Der technologische Strukturwandel und Handelsdispute haben bereits 2019 teilweise starke Einbußen im bayerischen Maschinen- und Anlagenbau verursacht. „Man denke etwa an die Automobilzulieferer oder an Unternehmen, die von globalen Handelskonflikten betroffen sind. Dort hat Corona die Situation noch weiter verschärft“, erläutert Haimer. Vor diesem Hintergrund sind auch die Ergebnisse 2019 bereits hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Der Jahresumsatz von 54,4 Milliarden Euro bedeutete für den bayerischen Maschinen- und Anlagenbau ein Minus von einem Prozent. Im Auftragseingang erzielte Bayern preisbereinigt ein Minus von sieben Prozent im Vergleich zu 2018.

Kurzarbeit als Antwort auf Einbruch

Die dramatische Entwicklung der Coronapandemie hat viele Unternehmen überrascht. Die Auftragseingänge im April (minus 26 Prozent) und Mai (minus 33 Prozent) sind wie erwartet eingebrochen. In den ersten fünf Monaten des Jahres belief sich das Minus auf acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch aus den wichtigsten Auslandsmärkten kommen kaum Impulse. Die Mehrheit der Unternehmen erwartet schlechte Geschäftsentwicklungen in der EU, den USA und China. Dementsprechend haben 78 Prozent der bayerischen Unternehmen aus der Maschinen- und Anlagenbaubranche bereits Kapazitätsanpassungen vorgenommen. Dabei nutzen 94 Prozent der Unternehmen in Bayern Kurzarbeit. Personalabbau nutzen derzeit nur 14 Prozent, zeigt die Umfrage. In diesem Umfeld sind akkurate Prognosen für die nächsten Jahre unmöglich. Laut Umfrage erwarten rund 45 Prozent der Unternehmen in den nächsten sechs Monaten eine unverändert schlechte Lage bei den Auftragseingängen.

46 Prozent der Firmen erwarten für 2021 altes Umsatzniveau

„Vorsichtig optimistisch stimmt uns, dass 46 Prozent der Unternehmen angaben, bereits 2021 wieder eine Rückkehr auf das Umsatzniveau von 2019 zu erwarten. Weitere 39 Prozent erwarten eine Rückkehr für 2022“, erklärt Claudia Haimer. „In dieser volatilen Situation braucht es umso mehr wirklich passende Rahmenbedingungen für Investitionen und unternehmerisches Handeln. Die Bundesregierung und die bayerische Staatsregierung haben durchaus adäquat auf die Situation reagiert. Nun blicken wir aber voraus und da hat der Wirtschaftsstandort Bayern noch einiges zu tun“, betont die Landesvorsitzende des VDMA. Außerdem brachte der bayerische Coronasonderweg Nachteile. „Die strengen Quarantänebestimmungen und langsamen Schulöffnungen sind eine nicht zu unterschätzende Belastung für Unternehmen. Hier haben wir auf schnellere Entlastung gehofft, aber die Chance hat die bayerische Staatsregierung verpasst“, sagt die Vorsitzende.

Über all dem steht die Wettbewerbsfähigkeit des Standort Bayerns. Die digitale Infrastruktur steht hier nicht erst seit der Pandemie im Zentrum. 42 Prozent der Befragten sehen hier trotz hoher Investitionen immer noch politischen Handlungsbedarf. Aber auch andere Themen wie Flexibilisierung des Kündigungsschutzes spielen für die Unternehmen eine Rolle. (wz)