Landwirtschaft
20. Dezember 2021 5:56  Uhr

Wasser ist alles und ohne Wasser ist alles nichts

Landwirte und Experten machten beim „Bodentag 2021“ der IG gesunder Boden in Neunburg vorm Wald deutlich, wie wichtig Wasser für den Boden ist. Außerdem wurde über technologische Entwicklungen diskutiert.

Vermehrte Hitze- und Dürrephasen führen dazu, dass bayerische Landwirte ihre Felder immer häufiger bewässern müssen. Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik wurden im Jahr 2019 26.742 Hektar landwirtschaftlicher Flächen bewässert, zehn Jahre zuvor waren es 14.378 Hektar. Das entspricht einer Zunahme von 86 Prozent in zehn Jahren. Foto: Deyan Georgiev – stock.adobe.com

Von Jonathan Ederer

NEUNBURG VORM WALD. „Man muss den Boden als lebenden Organismus bezeichnen und auch so behandeln.“ Das Anliegen der Interessengemeinschaft (IG) gesunder Boden ließe sich kaum besser beschreiben als mit diesen Worten von Dieter Helm. Der Landwirt und ehemalige agrarpolitische Sprecher der CDU Brandenburg war einer der sechs Referenten, die Ende November beim diesjährigen Bodentag in Neunburg vorm Wald referierten. Mit dem Schwerpunktthema „Wasser“ wurde der Boden nun in seinen tieferen Schichten erfasst. Rund 500 Menschen haben zugehört und sich teilweise mit Fragen eingebracht. Ein Teil in der Schwarzachtalhalle in Neunburg vorm Wald – der Rest online.

Die Fachvorträge zeigten, wie stark die natürlichen Organismen aufeinander einwirken. „Nur durch einen gesunden Boden können wir an gesundes Wasser kommen“, sagte der erste Vorsitzende der IG, Franz Rösl. Das bedeute nichts Geringeres, als dass der Boden die Grundlage für den Menschen und seine Gesundheit ist. Denn: „Wasser und Mensch sind im Prinzip eins“, erklärte er und kritisierte zugleich die rücksichtslose Landnutzung. „Seit der Mensch sesshaft geworden ist, wurden 99,7 Prozent der Naturwälder gerodet.“ Auch das wachsende Konsumverhalten fördere die Natur nicht, im Gegenteil: Wegen Siliziumabbau werde das Land zunehmend trockengelegt.

Ständige Ertragsmaximierung ist eine Sackgasse

Helms Kritik hatte eine ähnliche Stoßrichtung: „Die ständige Maximierung der Erträge ist eine Sackgasse.“ Das Ziel sollte sein, die Natur wieder zu stärken – oder sie wenigstens nicht zu schwächen. Sauberes Wasser sei hierbei ein wichtiges Element, um Schadstoffabbau im Boden zu gewährleisten und Austrocknung zu verhindern. „Wie stehe ich zu Wasser, Boden, Tier und Mensch?“ Diese Frage könne jeder für sich selbst beantworten, so Rösl. Und das möglichst schnell: Die Grundwasserbildung habe sich in den letzten Jahren um 19 Prozent verschlechtert. In der Donau gebe es rund 30.000 Chemikalien, das Wasser sei immer weniger trinkbar und die Flussbegradigungen minimierten den natürlichen Austausch.

„Man muss seinen Boden kennen“

Über Bodenbewässerung sprach Dr. Alexander Dümig von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau. Er prognostizierte, dass man auch in Bayern immer stärker bewässern müsse. „Schon heute ist die Bewässerung essenziell für die Vermarktungsfähigkeit und für die Qualität von Gemüse in unseren Supermärkten“, so Dümig. Tropfbewässerung koste im Jahr pro Hektar rund 2500 Euro. Das sei teuer, spare aber auch Energie. Ergänzt werden könne die Bewässerung durch Apps und Bodenfeuchtesensoren. Die Voraussetzung: „Man muss seinen Boden kennen.“ Mit der Technik könne man nur an Symptomen kratzen – nicht die Ursachen bekämpfen. Auch Dümigs Überlegungen liegt die Idee einer Optimierung des Wasserhaushalts zugrunde. Wie wichtig Wasser ist, lässt sich also kaum überschätzen. Oder mit den Worten von Dieter Helm: „Wasser ist alles und ohne Wasser ist alles nichts.“