Monatssieger Mai: Less Waste Club
14. Juni 2021 6:05  Uhr

Wasser zu transportieren ist überflüssig

Herkömmliche Duschgels verursachen nicht nur unnötigen Plastikmüll, sondern sorgen entlang der ganzen Wertschöpfungskette für hohe CO2-Emissionen. An diesen Punkten setzen die Seifenpulver des Less Waste Clubs an.

Maximilian Glas und Rosalie Schmid wollen mit ihren Produkten Verpackungsmüll von Alltagsgegenständen reduzieren. Foto: Less Waste Club UG

Von Maria Stich

REGENSBURG/STRAUBING. Ob für Kleidungsstücke oder Kosmetik, für Spiel- oder Flugzeuge, in der Landwirtschaft oder in der Industrie: Seit ihrem Durchbruch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind Kunststoffe – umgangssprachlich: Plastik – in alle Bereiche unseres Lebens vorgedrungen. Sie sind günstig herzustellen, wegen ihres geringen Gewichts beliebt und können Lebensmittel länger haltbar machen. Doch die übermäßige Nutzung von Kunststoffen geht mit einer Reihe von Problemen einher: Ihre Produktion verursacht riesige Mengen an CO2-Emissionen, nach Gebrauch belastet ihr Müll die Umwelt und auch die gesundheitlichen Gefahren von Mikroplastik werden immer bekannter.

Plastik: zu schade für den Einmalgebrauch

„Kunststoffe sind an sich ein sehr guter Werkstoff, der zum Beispiel im medizinischen Bereich nicht wegzudenken ist. Aber wir sollten ihn nicht für den Einmalgebrauch verschwenden“, findet Maximilian Glas, der 2019 gemeinsam mit Rosalie Schmid den Less Waste Club gegründet hat. Das junge Unternehmen möchte alltägliche Verbrauchsartikel neu denken und ressourcenschonender gestalten. „Vor allem im Badezimmer fällt sehr viel unnötiges Einwegplastik an; nach unseren Schätzungen allein in Deutschland 2 Milliarden Flaschen jährlich“, sagt Glas. Gestartet sind die beiden deshalb im Dezember 2020 mit einem eigenen Duschgel sowie einer Handwaschseife. Das Besondere: Die Produkte werden nicht in flüssiger Form in Plastikflaschen geliefert, sondern als Pulver in einer Art Papierkuvert – erst zu Hause, an dem Ort, an dem sie gebraucht werden, entsteht daraus durch die Zugabe von Wasser die fertige Seife. „Duschgele bestehen zu 90 Prozent aus Wasser. Es ergibt überhaupt keinen Sinn, Wasser in Kunststoff zu verpacken und von A nach B zu schicken“, meint der Gründer. Reinigungsmittel, die auf dem Prinzip beruhen, sie selbst anzumischen, sind schon seit Längerem erhältlich. Doch im Bereich der Körperpflege entdeckten Glas und Schmid damals eine Marktlücke.

Less Waste ist realistischer als Zero Waste

Zero Waste, also das Konzept, Müll komplett zu vermeiden, halten die beiden nicht für realistisch. Viele Menschen würden nicht gern auf ihren gewohnten Lebensstil verzichten oder hätten schlicht nicht die nötigen Ressourcen dafür. Ihr Ziel ist es hingegen, den gewohnten Komfort beizubehalten, dabei trotzdem Müll zu reduzieren, was sich auch im Namen ihres Unternehmens widerspiegelt, und vor allem den Recyclingkreislauf aufrechtzuerhalten. „Wir haben ein besonderes Papier gefunden, das bereits vom Fraunhofer Institut auf seine Recyclingfähigkeit getestet wurde“, erklärt Glas. „Es ist zum Schutz des Inhalts auf der Innenseite nicht wie herkömmlich mit einer Folie oder Aluminium versehen, sondern mit einer speziellen Beschichtung bedampft. Diese erlaubt es, das Papier über den Papierrecyclingprozess wiederzuverwerten.“ Auch die Inhaltsstoffe wählt der Less Waste Club sorgfältig aus. So enthalten die Pulver keine Mineralöle, Parabene, Silikone oder Mikroplastik und sind außerdem biologisch abbaubar.

Bis zu 87 Prozent weniger CO2

Durch das Produktdesign ergeben sich weitere positive Effekte: Zum einen verbraucht bereits die Herstellung der Papierumschläge weniger Energie als das Pressen von Plastikverpackungen. Zum anderen ist das trockene Pulver um einiges leichter als die Varianten, die bereits mit Wasser gemischt sind. Dadurch spart das Unternehmen auch in der Logistik Emissionen ein – für den Transport der Europaletten, aber auch beim Transport nach Hause zu den Kunden. Insgesamt entfallen auf die Produkte des Less Waste Club laut ihren eigenen Berechnungen so 87 Prozent weniger CO2 als bei herkömmlichen Duschgels mit vergleichbaren Inhaltsstoffen, die aber in Flaschen aus Einwegplastik abgefüllt sind.

Möglichst kurze Wege

Hier kommen der jungen Firma auch die kurzen Produktionswege zugute. Vom Firmensitz in Straubing aus sind alle wichtigen Punkte in ein bis zwei Stunden zu erreichen – der Abfüller in Oberbayern, Lager und Versand in Regensburg. „Wir wollen immer den effizientesten Produktionszyklus aufbauen“, sagt Glas. Wenn der Less Waste Club weiterwächst und seine Produkte auch in anderen Ländern verkauft, könnten künftig auch Standorte jeweils vor Ort sinnvoll sein, erklärt er weiter. Er sieht große Konzerne, aber auch sein eigenes Unternehmen in der Verantwortung, immer wieder zu überlegen, was zum jeweiligen Zeitpunkt die besten und nachhaltigsten Produkte und zugehörigen Produktionsbedingungen sind. Für den Anfang haben er und Schmid sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis Ende 2021 eine Million Flaschen aus Einwegplastik in Badezimmern durch ihre innovativen Produkte überflüssig zu machen.