Gesundheit
6. Juli 2021 6:06  Uhr

Wearables revolutionieren die Gesundheitsvorsorge

Während der Innovationswoche bei Infineon Technologies wurden die Potenziale digitaler Medizintechnik erörtert. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine gelegt.

Per Smartwatch und Smartphone alle Gesundheitsdaten immer im Blick: Die Möglichkeiten, die eigene Gesundheit zu tracken, werden immer umfassender. Foto: Andrey Popov – stock.adobe.com

Von Jonathan Ederer

REGENSBURG. Der Gesundheitstechnologie gehört die Zukunft. Unternehmen wie Google, aber auch Infineon Technologies haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Lebensqualität mithilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz zu steigern. Eben dieser Komplex war kürzlich Thema bei einer Veranstaltung im Rahmen der „Innovation Week 2021“ von Infineon Regensburg. Dort war der allgemeine Konsens: Das Internet der Dinge macht es möglich, praktisch jeden Gegenstand mit smarten Funktionen anzureichern, die den Alltag erleichtern.

Dr. Björn Esofier, Professor für maschinelles Lernen und Datenanalytik an der Universität Nürnberg, brachte die Herausforderung der zukünftigen Medizintechnik so auf den Punkt: „Wir müssen aus ,Cure‘ ,Care‘ etablieren und von ,Care‘ wiederum zur Prävention gehen.“ Eine Innovation, die diesen Weg von der Heilung über die Fürsorge zur Prävention ermöglichen und so dabei helfen soll, Krankheiten schon im Vorfeld zu erkennen, ist die „Ubiquitous Healthcare“, die allgegenwärtige Gesundheitsfürsorge. Laut Professor Thomas Spittler von der Technischen Hochschule Deggendorf ist es hierbei maßgeblich, die Geräte in die menschliche Umgebung einzufügen. Über Sensoren, die zum Teil am Körper angebracht sind, können Daten gesammelt werden, die dann verarbeitet werden, um eben jenen Präventionsgedanken umsetzen zu können.

Künstliche Intelligenz steckt in allem

Ziel ist es laut Spittler, mit dieser Gesundheitsensorik den „Point of Care“, also den Zeitpunkt, wann man sich kümmern muss, exakt zu bestimmen. Eine Möglichkeit, solche Sensoren an den Menschen zu knüpfen, sind Wearables – also smarte Helme, Westen, Smartwatches oder auch Virtual-Reality-Brillen. Die aus den USA zugeschaltete Google-Health-Mitarbeiterin Alyssa Lynch stellte in ihrem Vortrag fest: Künstliche Intelligenz steckt in allem. Als Beispiel nannte sie einen Algorithmus, den Google derzeit entwickelt und der bei der Erkennung von Augenkrankheiten helfen soll.

Doch nicht nur Internetriesen aus Übersee spielen beim Thema Wearables eine Rolle: Auch deutsche Technologie ist hier am Fortschritt beteiligt, wie das Beispiel des Halbleiterherstellers Infineon zeigt. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Neubiberg hat, kommt bei den Sensoren ins Spiel, die eine proaktive und KI-gestützte Healthcare-Technologie möglich machen. Philipp von Schierstädt, Senior Vice Präsident RF & Sensors bei Infineon, nannte hier als die zentrale Fragestellung: „Wie geht es noch einfacher und gesünder?“ Eine wichtige Aufgabe sei es, Mikroprozessoren zu entwickeln, mit denen ein maschinelles Lernen möglich ist. Ebenso entscheidend sei die Frage, wie eine direkte Interaktion zwischen Mensch und zum Beispiel Smartwatch reibungslos ablaufen könnte.

Innovatives Armband ohne Bildschirm

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, arbeitete Infineon eng mit dem Turiner Deep-Tech-Start-up „Deed“ zusammen: Gemeinsam entwickelte man ein Wearable, das ohne Bildschirm auskommt. Das Armband mit dem Namen „Get“ interpretiert mithilfe künstlicher Intelligenz menschliche Gesten und nutzt biometrische Daten, damit der Träger beispielsweise telefonieren oder etwas bezahlen kann. Das Herzstück des Wearables ist ein System aus Komponenten von Infineon. Die Kombination aus Konnektivität, Rechenleistung, Sensorik und Sicherheitsfunktionen erlaubt ein gesichertes Bezahlen bei niedrigem Stromverbrauch, die intuitive Mensch-Maschine-Schnittstelle macht es möglich, das Wearable zu bedienen, ohne über einen Bildschirm wischen zu müssen. Die Schallübertragung beim Telefonieren erfolgt buchstäblich über den Finger am Ohr – der Schall wird über die Knochen vom Armband zum Innenohr geleitet. Und, um den Bogen zurück zum medizintechnisch inspirierten Leitgedanken zu spannen: „Get“ kann auch als Fitness- und Gesundheitstracker genutzt werden.

„Halbleiterlösungen sind das Herzstück der digitalen Transformation und Innovation im Internet der Dinge. Sie verbinden die reale und digitale Welt“, erklärt Thomas Rosteck, Leiter der Division Connected Secure Systems bei Infineon, über die Pressestelle. Das Neubiberger Unternehmen spielt übrigens nicht nur im Bereich der Wearables eine so große Rolle, wie Marcel Konstantinov, Manager Emerging Applications bei Infineon, in seinem Statement zum Ende der Veranstaltung erklärte: „Wir sind in allen handelsüblichen Smartwatches enthalten.“