Forschung
10. September 2021 5:55  Uhr

Weitere fünf Jahre für exzellente Innovationen

Wissenschaft wird Wirtschaft: Die Ostbayerische Technische Hochschule und Techbase setzen ihre erfolgreiche Kooperation in den Räumen des Techlab mit einer Vertragsverlängerung zum Geburtstag fort.

Fünf weitere Jahre Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind in der Techbase besiegelt worden. Foto: Rebecca Sollfrank-Großmann

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG. Zum Geburtstag bringt man Geschenke mit. Beim fünften Geburtstag der Techbase haben das Innovationsbiotop und ein renommierter Bewohner sich gegenseitig beschenkt – mit der Verlängerung einer „goldrichtigen“ Partnerschaft. Mit diesem Prädikat würdigte der Präsident der Ostbayerischen Technischen Universität (OTH) Regensburg, Professor Dr. Wolfgang Baier, in einer Pressekonferenz die Kooperation zwischen Hochschule und Gründerzentrum.

Ein Ökosystem für Innovationen

2016 hatte sich die OTH vertraglich externe Laborflächen in der neu eröffneten Techbase gesichert. Das war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die dazu beitrug, so die Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, aus Regensburg eine Stadt der Wissenschaft zu machen. Überregional sei dies eine „relativ einzigartige“ Konstellation von Präsenz der Wissenschaft in einem Gründerzentrum.

Auch R-Tech-GmbH-Geschäftsführer Alexander Rupprecht freute sich, anlässlich der Vertragsverlängerung um weitere fünf Jahre, über den „schönen Termin mit noch schönerem Anlass“. Ziel der besonderen Wirtschaftsförderung in der Techbase sei es, ein Ökosystem für Innovationen zu bieten. OTH-Präsident Baier nimmt die Flächen in der Techbase nicht für selbstverständlich. „Die Stadt sucht sich strategisch aus, an wen sie solche Flächen vergibt, und nach fünf Jahren passen wir immer noch in diese Strategie.“ Angesichts der Tatsache, dass Hochschulen generell an permanenter Raumnot litten, seien die gut 500 Quadratmeter Laborfläche, die die OTH nun weitere fünf Jahre nutzen könne, ein echtes Geschenk.

Die OTH hat im Techlab zwei hochinnovative wie produktive Forschungsfelder aufgebaut: das Software Engineering Laboratory for Safe and Secure Systems (LaS³) und das Sensorik-Applikations-Zentrum (SappZ). Im LaS³ forschen für Professor Dr. Jürgen Mottok auf 133 Quadratmetern 15 Mitarbeitende an der sicheren IT-Kommunikation im Stromnetz. Mottok und drei seiner Laboranten hatten zur Pressekonferenz einen Kryptoprozessor mitgebracht, der bereits vom norddeutschen Übertragungsnetzbetreiber Amprion erfolgreich als sichere Verbindung zwischen Leitstelle und Umspannwerk eingesetzt wird. Anschaulich führte das Team um Mottok vor, wie durch die Zwischenschaltung des Kryptoprozessors ein Angriff auf das Stromsystem verhindert werden kann. Informationssicherheit sei, so Mottok der Schutz der Technik vor unberechtigtem menschlichem Eingriff. Angesichts des zunehmenden Vernetzungsgrades von Systemen ist das teils eine größere Herausforderung als etwa die funktionale Sicherheit von autonomen Fahrsystemen.

Aus dem Labor in den Alltag

Bewegte sich die Datenkommunikation früher eher in geschlossenen Systemen, brachte die zunehmende Digitalisierung eine hochgradige Vernetzung mit sich, bis hin zum Internet-of-Things. Die IT-Sicherheit von Systemen muss im gleichen Grad wachsen. Ein vor Cyberangriffen sicheres Stromnetz ermöglicht einen aktiven Schutz der Bevölkerung vor Szenarien wie einem großen Energieblackout. Dass Forschung nicht mehr im Elfenbeinturm verharrt, sondern direkt beim Menschen ankommt, zeigte Professor Dr. Rudolf Bierl vom SappZ in seinem Labor.

„Werfen Sie einen Zuckerwürfel in den Bodensee und Sie haben eine Verdünnung von 10 hoch minus 9. Unsere Atemluftsensoren können Stoffe noch in einer tausendmal höheren Verdünnung nachweisen“, so der Professor, der auf 400 Quadratmetern mit 40 Mitarbeitenden unter anderem an medizinischen Sensorlösungen arbeitet. Mit diesen Sensoren lassen sich in der Atemluft Spuren von Stoffen nachweisen, die auf Krankheiten hinweisen. Diese Supersensoren könnten aber auch für die Echtzeitmessung von Abgaswerten in Städten oder die Überwachung der Sicherheit von Trinkwasser eingesetzt werden.

Die Verlängerung des Labormietvertrages gibt Bierl und seinen Mitforschenden die Möglichkeit, solche Systeme weiter in die Praxis auszureifen. Etwas das in dieser Form, daran ließ OTH-Präsident Baier keinen Zweifel, ohne die Flächen im Techlab nicht möglich gewesen wäre. Seit 2015 wurden alleine für die Arbeit von Bierl sieben Millionen Euro öffentliche Drittmittel eingeworben. „Und das hat am Ende einen erheblichen Einfluss auf sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in innovativen Branchen“, betont der OTH-Präsident.

Überregionale Strahlkraft

Dass die Techbase und ihr Innovationsbiotop ein sich selbst prosperierender Wirtschaftsfaktor mit überregionaler Strahlkraft ist, kann man derzeit auf dem Techcampus sehen. Der Automobil-IT-Experte Intence startete als Zweimannausgründung in der Techbase. Heute gehört die Firma zu Intive Automotive und baut gerade auf dem Techcampus in der Nachbarschaft zur Techbase für 200 Mitarbeiter ein neues Zentrum für Digitalisierung.

Interview

Eine natürliche Symbiose zweier Mobilitätsthemen

Im Gespräch mit Uwe Pfeil, Clustermanager bei der Techbase in der R-Tech GmbH, über die Zusammenlegung von E-Mobilität und IT-Logistik im Cluster Mobility & Logistics.

Mehr dazu gibt’s im E-Paper.