Monatssieger Dezember: Linhardt
21. Dezember 2019 13:02  Uhr

Weltneuheit aus dem gelben Sack

Die Firma Linhardt aus Viechtach produziert erstmals eine Tube aus Post-Consumer-Recyclingkunststoff.

Firma Linhardt stellt Verpackungsmittel her.
Bei Linhardt werden jedes Jahr eine Milliarde Verpackungsmittel hergestellt. Foto: Linhardt

Von Theo Kurtz

VIECHTACH. Die Firma Linhardt mit Sitz in Viechtach gehört zu den führenden Verpackungsherstellern in Europa. Jeden Tag produzieren rund 1250 Mitarbeiter an den vier Standorten des Familienunternehmens mehr als eine Million Packmittel. Jetzt ist ein ganz besonderes dazugekommen, das sogar das Prädikat Weltneuheit verdient. Linhardt stellt eine leicht recyclebare Tube her, deren Mantel zu 96 Prozent aus Kunststoffabfällen aus dem gelben Sack beziehungsweise der gelben Tonne besteht.

Internationale Partner

Die Viechtacher haben sich für ihr ambitioniertes Projekt mit dem Grünen Punkt und dem japanischen Chemie- und Kosmetikunternehmen Kao zwei gewichtige Partner mit ins Boot geholt. Die Aufgaben sind genau verteilt. Die Kölner steuern den Rohstoff bei, die Niederbayern lassen in ihrem Zweigwerk im baden-württembergischen Hambrücken produzieren und der Konzern aus dem Land der aufgehenden Sonne, zu dem bekannte Marken wie Guhl oder Goldwell gehören, bringt die mit Shampoos, Dusch- und Haargels befüllten Recyclingtuben in die Regale. „Mit dieser partnerschaftlichen Innovation wurde eine Lösung geschaffen, die den kompletten Wertstoffkreislauf unter Berücksichtigung kurzer Transportwege auf eine neue Stufe stellt“, ist Linhardt-Geschäftsführer Johannes Schick überzeugt.

Der Grüne Punkt beliefert das Unternehmen mit sogenanntem Systalen, einem Recyclingkunststoffgranulat in Premiumqualität, der geruchsminimiert und für hochwertige Anwendungen technisch geeignet ist. Auf Spezialanlagen wird der körnige Rohstoff im sogenannten Tubenschlauch-Extrusionsverfahren verarbeitet. „Wir stellen pro Jahr über eine Milliarde Verpackungen her und verfügen über das technische Know-how zur Verarbeitung von Post-Consumer-Recycled-Material“, erläutert Schick.

Aus der Not eine Tugend

Gleich mehrere Gründe waren für das Unternehmen ausschlaggebend, sich für ihre Tube aus dem gelben Sack zu entscheiden, wie Linhardt-Marketingleiterin Christina Stimpel deutlich macht. Der bislang verwendete weiße Kunststoff, aus dem zum Beispiel hauptsächlich in Großbritannien Milchkanister hergestellt werden, wird langsam, aber sicher knapp. „Zum anderen achten auch die Verbraucher immer stärker auf die Zusammensetzung des Verpackungsmaterials“, erläutert Stimpel. Und schließlich und endlich passt die neue Weltneuheitentube sehr gut zur Firmenphilosophie der Niederbayern. Das Familienunternehmen hat sich Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Der Verpackungshersteller, der bereits in der Vergangenheit für seine innovativen Produkte bei nationalen und internationalen Wettbewerben Preise und Auszeichnungen in Empfang nehmen konnte, setzt zudem auf ein systematisches Energiemanagement. Hierbei wird das gesamte Unternehmen permanent auf Verbesserungsmöglichkeiten geprüft, um fortlaufend den Energieeinsatz zu senken. So konnte im Vergleich zum Vorjahr der Energieverbrauch pro produzierter Dose und Tube um 6 Prozent reduziert beziehungsweise 520 Tonnen an CO-Emissionen verhindert werden.

Noch befindet sich diese Weltneuheitentube im Teststadium. Ende 2020 soll diese Phase abgeschlossen sein. Dann wollen die Viechtacher auch anderen Kunden ihr nachhaltiges Verpackungsprodukt zur Verfügung stellen.