Gründer
9. Februar 2022 5:58  Uhr

Wie Gründer auf Venture Capital stoßen

Universitäten, Hochschulen und andere Institutionen in Ostbayern helfen den Start-ups der Region bei der Verwirklichung ihrer Geschäftsidee – bis hin zur Suche nach Kapitalgebern.

Wie gut die Idee eines Gründers auch sein mag: Ohne Netzwerke und finanzielle Unterstützung geht es nicht. | Foto: putilov_denis – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Wie sehr langer Atem beziehungsweise die Geduld bei den Investitionen selbst in einer Krisensituation dazu beitragen können, um aus der deutschen Start-up-Szene heraus sogar international erfolgreich zu sein, hat das 2008 in Mainz gegründete Biotech-Unternehmen Biontech eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Auch der Regensburger Hochschulcampus könne, so der Geschäftsführer der Biopark Regensburg GmbH Dr. Thomas Diefenthal, ähnliche Beispiele vorweisen. So seien die vor 20 Jahren gegründeten innovativen Start-ups wie zum Beispiel Geneart oder Presens mittlerweile zu globalen Größen herangewachsen und bescheren der Stadt Regensburg, ähnlich wie Biontech in Mainz, Gewerbesteuereinnahmen im siebenstelligen Bereich.

Der Trend geht zu Diagnostik

Neben den klassischen Themen rund um die Medikamenten- und Therapieentwicklung bei Krankheiten geht der aktuelle Trend der Gründerszene im Biopark laut Dr. Thomas Diefenthal eher in Richtung Diagnostik, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. So konnte die 2017 gegründete Lifespin GmbH gerade eine Finanzierung von 2,5 Millionen Euro für eine KI-basierte Diagnostikplattform aus digitalisierten Stoffwechselparametern von Patienten abschließen. Die im letzten Jahr gegründete Microbify GmbH erhielt für ihre Geschäftsidee der Nutzung von Erdgasspeichern zur biologischen Methanherstellung – Stichwort Power-to-Gas – mehrere Preise und konnte bereits den Energieriesen RWE als Kunden gewinnen. Der erste Preis des Gründerwettbewerbs StartUP Factory 2021 im Biopark ging an das Team Signovative, das eine App zur Verständigung zwischen hörenden und gehörlosen Menschen entwickelt hat, die zudem fremdsprachentauglich sein soll.

Da die Branchen Life Sciences und Healthcare als globale Branchen und Märkte gelten, ist es nach Auffassung von Dr. Diefenthal für Start-ups mittelfristig entscheidend, auch international zu agieren. Neben der klassischen Gründerberatung und Vermietung fördere der Biopark daher auch die Internationalisierung durch gezieltes Standortmarketing und Partnering auf wichtigen Messen und Kongressen im In- und Ausland.
Neben der OTH Regensburg mit ihrem Start-up-Center gehört auch die Universität Regensburg zu dem leistungsstarken Netzwerk für den Wissens- und Technologietransfer, wie es sich in der gesamten Oberpfalz entwickelt hat. Für universitäre Ausgründungen, so betont Petra Riedl von der Gründerberatung der Universität, bieten sich jedenfalls zahlreiche Möglichkeiten, von Techbase und Biopark über weitere Gründer- und Technologiezentren in der Region sowie diverse Cluster bis hin zur Digitalen Gründerinitiative Oberpfalz (DGO), als unmittelbarer Projektpartner der Universität oder auch zum bayernweiten Netzwerk BayStartUP.

Von der bei FUTUR (Forschungs- und Technologietransfer Universität Regensburg) angesiedelten Gründerberatung selbst werden die Gründungsinteressierten direkt betreut. Durch die Sensibilisierung für den Karriereweg des Entrepreneurs sollen Qualität und Quantität von hochschulnahen Unternehmensgründungen gesteigert werden. Die Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Gründungsvorhaben reicht vom Scouting potenzieller Ideen an der Universität über Veranstaltungen, Lehre und Beratung bis hin zum Vernetzen der Gründungsvorhaben mit Partnern.

Konzepte und Ideen fördern

Aber auch finanzielle Förderung ist möglich, etwa im Rahmen von „EXIST Existenzgründungen aus der Wissenschaft“. Hier werden vom Bundeswirtschaftsministerium für zwölf Monate Gründerstipendien vergeben, um einen Businessplan auszuarbeiten und sich mit Unterstützung der Hochschule oder Forschungseinrichtung auf die eigentliche Gründung vorzubereiten. Voraussetzung ist, dass es sich bei der geplanten Geschäftsidee um ein innovatives, technologieorientiertes oder wissensbasiertes Produkt mit signifikanten Alleinstellungsmerkmalen und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten handelt. Aber auch der gesamte Oberpfälzer Hochschulverbund O/HUB mit der OTH Regensburg, der Universität Regensburg sowie der OTH Amberg-Weiden wird durch das Förderprogramm EXIST-Potentiale bis 2024 unterstützt. An den Schnittstellen zwischen der Grundlagenforschung an der Universität und der angewandten Forschung der Hochschulen sollen auf diese Weise neue Unternehmenskonzepte, Geschäftsideen und Start-ups gefördert werden.

Auf bayerischer Ebene wendet sich das von der BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft und Bayern Kapital gemanagte Programm „Startup Shield Bayern“ speziell an junge technologieorientierte Start-up-Unternehmen mit innovativen Produktentwicklungen und skalierbarem Geschäftsmodell. Im August 2021 war das Programm auf bis zu 100 Millionen Euro aufgestockt und bis 30. Dezember 2021 verlängert worden. Inzwischen erfolgte eine nochmalige Verlängerung bis 30. Juni 2022, gleichzeitig wurde das Volumen auf bis zu 150 Millionen Euro aufgestockt. Die Antragsfrist für das Programm endet am 15. Mai 2022.

Wie aber findet man als Gründer einen Kapitalgeber, der zu seinem Projekt passt? Der Leiter des Venture-Capital-Teams der BayBG, Dr. Marcus Gulder, empfiehlt, mindestens sechs Monate vor der Kapitalaufnahme mit dem Finanzierungsprozess zu starten. Dafür sollten die Gründer sich mit anderen Start-ups hinsichtlich der Erfahrungen mit Investoren austauschen und auch auf die Entrepreneurship-Lehrstühle der Hochschulen zugreifen. Auch das Netzwerk von BayStart-UP sei nützlich, um zielgerichtet Investoren für eine erste Finanzierungsrunde anzusprechen. Die folgenden Runden verlaufen meist einfacher, da das Management in dieser Phase selbst bereits über ein eigenes Investorennetzwerk verfügt. Der Bereich Venture Capital von BayBG hat in den letzten fünf Jahren 60 Millionen Euro in 35 Start-ups investiert.

Netzwerk

Von internationalen Start-up-Metropolen lernen

Der „Bavaria Israel Partnership Accelerator“ (BIPA) ist ein internationales Bündnis von Hochschulen zur Unterstützung von Gründungen aus Hochschulen, unter anderem durch Netzwerk- und Projektarbeit. Nun verstärkte sich das bayerisch-israelische Bündnis noch um den weiteren Partner Vereinigte Arabische Emirate. In einer Präsentation wurden Ende des Jahres die Projekte aus 2021 vorgestellt – coronabedingt nur rein virtuell.

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