Urban Gardening
31. Juli 2021 6:15  Uhr

Wird der Landwirt bald zum Stadtwirt?

In Gemeinschaftsgärten wächst Mangold neben Minze und Himbeeren – Dazwischen liegt der Schlüssel zur urbanen Selbstversorgung. Urban Gardening funktioniert überall und erlebt derzeit einen Hype.

Foto: shark749 – stock.adobe.com

Von Jonas Raab

REGENSBURG. Auf den Dächern wuchern wilde Tomaten, an Mauern klettern Bohnen hoch: Urban Gardening funktioniert überall – und erlebt wohl auch des Freigeists wegen, der um die Mikrogärten in den beengten Metropolen dieser Welt schwebt, einen Hype. Der trendige Begriff beschreibt die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse an allen möglichen und unmöglichen Orten einer Stadt. Er soll ernährungspolitische mit ökonomischen, soziale mit stadtgestalterischen Aspekten verknüpfen – und gilt als grünes Standbein der Stadt von morgen. Im Gegensatz zu den betonierten Pfeilern wie Mobilität und Bau hat er allerdings keine Lobby.

Städtische Lebensmittelproduktion gibt es schon seit der Antike, Gärten selbst in der engsten Stadt. Seit den New Yorker Gemeinschaftsgärten der Siebzigerjahre breitet sich langsam aber sicher eine neue Bewegung aus, die ohne Eigentum und Gartengrundstück auskommt. Seit ein paar Jahren boomt sie – zumindest in der Subkultur. Auch in Ostbayern ist Urban Gardening längst angekommen. Allein in Regensburg gibt es fünf solcher Gemeinschaftsgärten. Der Verein Transition Regensburg betreibt und betreut sie, seine Mitglieder ziehen Möhren und pflücken Zucchini.

Von Urban Gardening zu Urban Farming

In der Stadt von morgen sollen Projekte wie diese mehr Raum einnehmen – und müssen dafür wohl kommerziellen Status erreichen. Dann geht es nicht mehr um Urban Gardening und Kräuterbüschel, die aus aufgeschnittenen Autoreifen wachsen, dann geht es um Urban Farming und Salatkulturen, die auf engstem Raum übereinandergestapelt unter künstlicher UV-Strahlung gedeihen. Das ist zwar wesentlich weniger romantisch und anschaulich, dafür genauso kreativ und unter dem Strich eine verträgliche und ressourcenschonende Art der regionalen Lebensmittelproduktion.

Auch wenn man es ihnen nicht ansieht: Die hippen Kleingärten, die es heute gibt, sind Minimodelle dieser Zukunft. Sie sparen Ressourcen und Transportwege, verbessern die Lebens- und Luftqualität. Momentan sind diese Effekte aber genauso klein wie die Flächen, die dafür zur Verfügung stehen. Dabei wäre mit wenig Aufwand schon heute so viel mehr möglich, wie Christina Ehras, Mitorganisatorin eines Transitiongartens ins Regensburg, im Interview erklärt.

Interview

Lebensmittel wachsen nicht im Supermarkt

Christina Ehras, Mitorganisatorin des Hochbeetgartens direkt am Prüfeninger Autobahntunnel bei Transition Regensburg, im Interview über die Vorteile von Urban Gardening und die Umsetzung davon in Regensburg.

Hier geht’s zum Interview …