Hochschulen & Gründerzentren
14. Februar 2022 6:08  Uhr

Wohlüberlegt, innovativ und zunehmend digital

Gründerzentren und Hochschulen gelten gerade auch in Ostbayern als entscheidende Impulsgeber für die Kooperation mit Wirtschaftsunternehmen und als eine wichtige Quelle für Erfolg versprechende Geschäftsideen.

Ein großes Feld für Neugründungen stellt auch das Gebiet Chemie und Pharmazie dar. Foto: Gorodenkoff – stock.adobe.com

Von Gerd Otto

REGENSBURG/DEGGENDORF. Nach einem deutlichen Einbruch zu Beginn der Coronapandemie wird für das abgelaufene Jahr 2021 wieder eine überwiegend positive Bilanz des Gründungsgeschehens gezogen. Zwar meldeten Ostbayerns Industrie- und Handelskammern eine Delle, aber keinen kompletten Einbruch, wie Manfred Högen, der Existenzgründungsberater der IHK Niederbayern in Passau betont. Vor allem aber sehen IHK-Hauptgeschäftsführer Alexander Schreiner und sein Team wieder mehr sogenannte Chancengründer, die sich im Gegensatz zu Nebenerwerbsgründern voll und ganz ihrer Unternehmensidee widmen wollen.

Businesspläne mit Qualität

Diese Beobachtung seiner Passauer Kollegen bestätigt auch Dr. Jürgen Helmes. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim sieht das leichte Minus bei den Gründungsberatungen seiner Kammer dadurch mehr als wettgemacht, dass die Qualität der vorgelegten Businesspläne überdurchschnittlich stark gestiegen sei: „Wer während der Coronakrise den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, der tut dies zumeist mit wohlüberlegter, innovativer und zunehmend digitaler Geschäftsidee.“

Spätestens an diesem Punkt kommen die Gründerzentren und die Hochschulen ins Spiel, die für die gesamte Start-up-Szene schon seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle spielen. Allein 2020 wurden von den Innovations-, Technologie- und Gründerzentren 5240 Start-ups und Neugründungen betreut. Der 1988 auf Initiative zahlreicher Innovations- und Gründerzentren als Arbeitsgemeinschaft Deutscher Technologie- und Gründerzentren gegründete Bundesverband BVIZ hat seither 47.300 Gründungen registriert, durch die rund 300.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Wichtige Quelle für innovative Ideen

Der BVIZ-Vizepräsident Dr. Thomas Diefenthal, der auch die Arbeitsgruppe aller deutschen Bioparks betreut, sieht mit Blick auf den von ihm geleiteten Biopark Regensburg vor allem die Hochschulen und Clusterinitiativen als wichtige Quelle für innovative Ideen. Schließlich sei dies auch der Grund gewesen, die beiden Technologie- und Gründerzentren Regensburgs direkt am Unicampus zu etablieren. Die Bioregio Regensburg, die sich den Life Sciences widmet, und das Projekt Healthcare Regensburg, befasst mit Themen der Gesundheitswirtschaft, werden ebenso aus dem Biopark gesteuert wie der Cluster Mobility & Logistics, Sensorik und IT-Security aus der Techbase. Bereits mehrfach wurden die beiden Institutionen von der European Cluster Excellence Initiative mit dem Silberlabel, der zweithöchsten Auszeichnung, erfolgreich zertifiziert. Gleichzeitig verweist Dr. Diefenthal auf Gründeraktivitäten aus anderen Netzwerken wie zum Beispiel Greentech, Energie, Kultur & Kreativwirtschaft, Mechatronik & Automation und künstliche Intelligenz (KI).

Als „deutlich positiv“ stuft auch Alexander Rupprecht, Geschäftsführer der ebenfalls städtischen Tochtergesellschaft R-Tech GmbH, den Trend bei den innovativen, wachstumsorientierten Gründungen ein. In diesem Sektor habe sich das Investitionsvolumen bundesweit mit rund 12 Milliarden Euro im Vergleich zu 2020 verdoppelt. Dies spüre er nicht zuletzt bei der Nachfrage in der Techbase, wo er ein stetig wachsendes Interesse von etablierten Industrieunternehmen an der Kooperation mit Start-ups feststellt. Mit Continental, Infineon, Krones, Bertrandt und Witt betreiben hier bereits namhafte Unternehmen sogenannte Innovation-Labs. Auch andere Industriepartner wie Wolf, Webasto, Bayernwerk, Horsch, AVL Software and Functions oder die Maschinenfabrik Reinhausen engagieren sich im Gründerökosystem. Dabei betont Rupprecht, dass speziell das Thema Nachhaltigkeit insbesondere für künftige Fach- und Führungskräfte offenbar immer wichtiger werde.

Digitales Überangebot

Dass seit Corona viele Ideen entstanden sind, die nun umgesetzt werden sollen, darauf verweist Thomas Keller, Geschäftsführer des Gründerzentrums Digitalisierung Niederbayern (GZDN): „Deshalb erweitern wir derzeit unser Gründerzentrum am ITC1 in Deggendorf um weitere sieben Büros.“ Dagegen sei die Nachfrage nach digitalen Events wegen eines enormen Überangebots stark eingebrochen. So habe man mehr auf Eins-zu-Eins-Support und Coaching für die Start-ups gesetzt.