Vortrag
28.10.2021 | Beginn 19 Uhr

Der Schnellere überlebt, nicht der Größere

Stephan Jung, Innovationsexperte, Dozent und Autor, sprach im Businessclub über das Thema „So leben wir morgen!“ und begeisterte die Teilnehmer mit seinen Einschätzungen über die Trends der Zukunft.

Der bekannte Futurist Stephan Jung sorgte mit seinem Vortrag für spannende neue Einblicke in die Zukunft. Foto: Jonas Raab

Von Robert Torunsky

REGENSBURG. Die prominenten Speaker im Businessclub sind immer ein Gewinn für die Mitglieder und Gäste, Stephan Jung hatte am Donnerstagabend sogar ein Geschenk für die Zuhörer im Mittelbayerische Medienhaus dabei: 700 neue Synapsen – das sei wissenschaftlich errechnet worden – sollten sie durch den Vortrag im Nachgang erhalten. Der bekannte Futurist, der vom Executive Office von Amerikas 44. Präsidenten Barack Obama als Innovationsexperte für Smart City empfohlen wurde, sorgte in jedem Fall mit seinem Vortrag „So leben wir morgen!“ für spannende neue Einblicke in die Zukunft.

Zu Beginn erklärte das Mitglied des Expertengremiums im internationalen Wirtschaftsrat und des Brain Reserve Pool von Faith Popcorn in New York, Amerikas Trendorakel Nummer eins, den Zusammenhang zwischen dem menschlichen Gehirn und dem Wissen. Während das Gehirn aufgrund der mit dem Neandertaler vergleichbaren Größe noch immer in der Steinzeit lebe, vermehre sich das Wissen der Welt rapide. Um 1900 hätte es noch 100 Jahre für eine Verdopplung gebraucht, heutzutage geschehe dies im Ein-Jahres-Rhythmus.

Dies waren beileibe nicht die einzigen beeindruckenden Zahlen, mit denen Stephan Jung zum Nachdenken anregte. Hätten im Jahr 1955 Unternehmen durchschnittlich 75 Jahre nach ihrer Gründung existiert, sind es aktuell nur noch zwölf Jahre, bis sie übernommen werden oder von der Bildfläche verschwinden. Bereits 2025 würde die Halbwertszeit der Unternehmen nur noch fünf Jahre betragen. Das Tempo werde deshalb immer entscheidender. „Der Schnellere gewinnt, nicht unbedingt der Größere“, ist Jung überzeugt.

Als Paradebeispiel für Anpassungsfähigkeit nannte der Top-100-Unternehmer und ehemalige Geschäftsführer eines milliardenschweren Immobilienfonds den Streamingdienst Netflix. Mal lustig, mal nachdenklich und kritisch visualisierte Jung die aktuellen und kommenden Trends: Diese kämen nicht über Nacht, sondern bräuchten dafür zehn bis 15 Jahre und eröffneten sich neuen Zielgruppen. „Es gibt keine Alten mehr, nur Menschen, die länger jung sind“, sagte Jung, der dabei auch auf das durchschnittlich gefühlte Alter von minus neun Jahren verwies. Jung beendete seinen gut einstündigen Vortrag mit wertvollen Innovationstipps, bevor die Zuhörer sich in einer Fragerunde mit dem Experten austauschen konnten.