Businessclub
8. Oktober 2020 9:00  Uhr

Covid-19: Was sind die Fakten, was ist Fiction?

Prof. Dr. med. Claus Hellerbrand setzt beim Thema Corona auf fundiertes Wissen und Information. Mit seinem Video-Vortrag half er den Mitgliedern des Wirtschaftszeitung Businessclubs dabei, die Pandemie richtig einzuordnen.

Prof. Dr. Claus Hellerbrand, Professor für Biochemie und Molekulare Pathobiologie (Bild: FAU/Georg Pöhlein)

Von Robert Torunsky

REGENSBURG. Die Sars-CoV-2-Viren haben weltweit nicht nur für eine Pandemie gesorgt, sondern auch für einen Wust an Informationen. Nach der Beobachtung von Prof. Dr. med. Claus Hellerbrand fühlten sich viele selbsternannte Experten berufen, neue oder auch nur scheinbar neue und zum Teil auch falsche Informationen zu interpretieren und hieraus allgemeingültige Schlüsse abzuleiten. „Für den Laien ist es bisweilen sehr schwierig, Fakten von Falschmeldungen und Fiktion zu unterscheiden“, erklärte der Professor für Biochemie und molekulare Pathobiologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in seinem Video-Vortrag im Wirtschaftszeitung Businessclub.

Ziel: qualifizierte Meinung auf Faktenbasis

Dieser Vortrag hatte das Ziel, „dass die Zuhörer besser Fiktion und Spekulationen zu Covid-19 erkennen und sich basierend auf Fakten selbst eine qualifizierte Meinung bilden können“. Das gelang dem gebürtigen Regensburger eindrucksvoll: Hellerbrand, der sich am Institut für Biochemie sowohl in der Forschung als auch in der Lehre mit Grundlagen der Zellbiologie und damit beschäftigt, wie Krankheitserreger mit Zellen interagieren, referierte anschaulich, faktenbasiert und neutral. Das aktuelle Sars-CoV-2-Virus sei eine für unsere Zeit nicht vorstellbare Bedrohung. „Auch wenn die Pandemie nun schon über ein halbes Jahr anhält, lernt die Wissenschaft jeden Tag neu dazu. Trotzdem handelt es sich auch hier um Viren, also um Erkrankungserreger, die wir seit Langem kennen – und so können Mediziner wie Nichtmediziner auch Rückschlüsse aus der Erfahrung mit anderen Viruserkrankungen ziehen“, erklärte Hellerbrand zu Beginn des Vortrags.

Viele Faktoren spielen eine Rolle

Der renommierte Mediziner veranschaulichte den zahlreichen virtuell teilnehmenden Mitgliedern des Wirtschaftszeitung Businessclubs nicht nur den Aufbau von Viren und deren Größe, sondern diskutierte auch deren Verbreitung. Hier müssten – nicht nur beim Infizierten selbst – sehr viele Faktoren berücksichtigt werden. Neben dem Vorhandensein, dem richtigen Tragen und der Art der Maske seien unter anderen Atemintensität, die Ausscheidungsart wie Husten, Niesen, Spucken oder Sprechen sowie die Infektionsphase und -schwere relevant. Dazu spielten situative Faktoren wie Distanz, Expositionsdauer, Raumgröße, Frischluftzufuhr, Klimaanlagen und Luftfilter und die Temperatur eine wesentliche Rolle. Beim Rezipienten würde im Idealfall zunächst wiederum die korrekt getragene Maske die Virusmenge reduzieren.

Absolute Angaben sind nicht möglich

Ob die „verbleibenden“ Viren dann beim Empfänger zur Infektion und Erkrankung führen, hängt wiederum unter anderem von der Inhalationsmenge und -tiefe sowie verschiedenen individuellen Risikofaktoren ab. „Aufgrund der Anzahl und Komplexität der Faktoren, sind absolute Angaben zum Übertragungs- und Infektionsrisiko nicht möglich und daher nicht seriös.“ Es könnten jeweils nur Risiken angegeben werden. Deswegen könne er die Frage eines Mitglieds nach dem weiteren Verlauf der Pandemie auch nur mit einer persönlichen Vermutung beantworten. Es sei nach Hellerbrands Auffassung wahrscheinlich, dass in Herbst und Winter die Fallzahlen wieder steigen würden, da sich das öffentliche Leben witterungsbedingt mehr und mehr nach innen verlagere. Neben regelmäßigem Lüften böten das Tragen von Masken und regelmäßiges, gründliches Händewaschen den besten Schutz. „Die Hülle der Viren besteht aus Fetten, die durch Seife zerstört wird. Wer Wasser und Seife zur Hand hat, benötigt daher keine zusätzlichen Desinfektionsmittel“, sagte Hellerbrand, der auch die Schwierigkeiten bei der Suche nach dem Impfstoff thematisierte und die verschiedenen Ansätze der Forschung hierbei erklärte.

Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Prof. Dr. med. Claus Hellerbrand neben zahlreichen weiteren Fragen auch die nach der Glaubwürdigkeit der Experten. Der Virologe Prof. Dr. Christian Drosten sei aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten „zweifelsfrei einer der Top-Experten weltweit“. All seine Aussagen hätten Hand und Fuß.