Business-Stream-Vortrag
22.10.2020 | Beginn 18:30 Uhr

Droht eine neue Ära der Staatswirtschaft?

Der renommierte Börsenexperte Robert Halver sprach im Wirtschaftszeitung Businessclub Klartext zu Anlagethemen.

Robert Halver thematisierte die globale Geldpolitik und ihre Folgen für Anleger. | Foto: Baader Bank

Von Robert Torunsky

REGENSBURG/FRANKFURT AM MAIN. Bei seinem virtuellen Vortrag zum Thema „Marktwirtschaft einer neuen Ära der Staatswirtschaft“ präsentierte sich der renommierte Börsenexperte Robert Halver so, wie man ihn aus TV-Sendungen wie „Börse vor Acht“ in der ARD kennt: Als unprätentiöser Mann der klaren Worte, bei dem auch sein rheinischer Humor nicht zu kurz kommt. Der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank verfügt über langjährige Erfahrung als Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen sowie Fachpublikationen einem breiten Anlegerpublikum bekannt.

Vom Amboss zum Hammer werden

Zu Beginn seines Vortrags thematisierte Halver die Geldpolitik der USA: „Vier Billionen Defizit im Staatshaushalt sind eine reife Leistung.“ Ob der neue Präsident Joe Biden oder weiter Donald Trump heiße, die Stärkung der eigenen Wirtschaft, subventioniert durch eine enorme Staatsverschuldung, würde weitergehen. Unabhängig vom Wahlausgang und davon, ob zukünftig ein europafreundlicherer Präsident im Oval Office in Washington sitze, müsse Europa endlich aufhören, geopolitisch nur Amboss zu sein. „Wir müssen zum Hammer werden“, forderte Halver. „Es ist sicher nicht einfach, die Kakofonie von 27 EU-Ländern zu beenden und mit einer gemeinsamen Stimme zu sprechen, da hat es der Hegemon Amerika viel einfacher“, sagte Halver, der dennoch klarmachte, dass diese Strategie in seinen Augen alternativlos ist. Generell würde vielerorts die Geldpolitik aktuell als Instrument gegen eine starke Währung eingesetzt. Die USA könne für den Export keinen starken Dollar gebrauchen. „Wir befinden uns in einem Währungsabwertungskrieg“, beschrieb Halver die Lage.

Punkt ohne Wiederkehr ist erreicht

Die Geldpolitik wirke sich auch massiv auf das Anlageverhalten aus. „Wir haben seit Jahren eine Guthabenkrise. Zinssparen ist geplante Vermögensvernichtung und der Weltspartag ist zum Totensonntag geworden“, nahm Halver Stellung zu Null- und Negativzinsen. „Das Thema Zinsen wird auch auf lange Sicht nicht besser“, bilanzierte Halver. „Die Inflation wird den – wenn überhaupt vorhandenen – Ertrag immer wieder auffressen.“ Der Punkt ohne Wiederkehr sei, genau wie in Japan, auch bei uns erreicht. „Wir können das Thema Zinsanlagen als attraktive Anlageform abhaken. Wenn man Dinge wie Bitcoin oder Gold nur als Depotbeimischung sieht, bleibt nur der Aktienmarkt.“

Altersvorsorge aktienlastiger gestalten

Aktien seien langfristig gesehen sehr erfolgreich und Kursschwächen eine Gelegenheit für Ansparpläne. „An der Börse gibt es immer Megathemen, die muss man für sich und die eigene Altersvorsorge nutzen“, sagte der Börsenexperte. Robert Halver warb beim Publikum, das sich in der Mehrheit aus ostbayerischen Entscheidern zusammensetzte, auch darum, die betriebliche Altersvorsorge deutlich aktienlastiger zu gestalten und beantwortete abschließend die zahlreichen Fragen der Businessclub-Mitglieder.

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