Business Stream
11.02.2021 | Beginn 18:30 Uhr

Corona verändert die Unternehmensstrategien

In seinem Vortrag mit dem Titel „Strategische Herausforderungen in Zeiten von Corona“ stellte Prof. Dr. Jörg Büechl Erkenntnisgewinne von Krisengewinnern und -verlierern während der Pandemie vor.

Büechl / Foto: Berli Berlinski
Prof. Dr. Jörg Büechl | Foto: Berli Berlinski

Von Robert Torunsky

REGENSBURG. Strategien sind häufig mittel- oder gar langfristig angelegt, die Coronakrise hat Konzerne und Unternehmen aber dazu genötigt, kurzfristig Anpassungen vorzunehmen oder komplett neue Strategien zu entwickeln. „Durch die Pandemie mussten ,normale‘ Strategien auf Eis oder sogar ad acta gelegt werden, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern“, sagte Prof. Dr. Jörg Büechl im ersten Business Stream des Businessclubs des Jahres. Der Professor und Studiendekan an der Hochschule Aalen im Bereich Mittelstandsmanagement mit den Schwerpunkten Design Thinking, Unternehmenstransformation sowie Agilität & Change Management im digitalen Zeitalter wäre gern persönlich nach Regensburg gekommen. Die Kontaktbeschränkungen verhinderten dies jedoch: Deshalb stellte der Leiter des Kompetenzfelds Wirtschaft und Wirtschaftskultur des China Centrums an der Universität Tübingen in seinem Vortrag „Strategische Herausforderungen in Zeiten von Corona“ den Businessclub-Mitgliedern Erkenntnisgewinne von Krisengewinnern und -verlierern per Livestream vor.

Ohne Staatshilfen kaum überlebensfähig

Das deutsche Vorzeigeunternehmen Lufthansa hat besonders unter der Pandemie zu leiden und ist laut Büechl „ohne Staatshilfen kaum überlebensfähig“. Externe Einflussfaktoren wie staatliche Reisebeschränkungen, die Angst vor Ansteckung und die allgemeine Sparsamkeit der Menschen und Unternehmen haben zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt. Dies hätte einen enormen Anpassungsbedarf innerhalb des Unternehmens zur Folge gehabt. Kurzfristige interne Maßnahmen waren Kurzarbeit, die Reduzierung von Arbeitsplätzen und der Flotte, ein Ausbildungsstopp sowie die Konzentration auf das Cargo-Geschäft. „Vor Corona war der Blumenstrauß an Möglichkeiten relativ groß, da hat sich die Lufthansa mit hoch gesteckten Zielen wie ausgeprägter Innovationskraft und langfristigem Wachstum in einem hoch kompetitiven Umfeld präsentiert“, sagt Büechl. „Mittlerweile wird der Fokus wieder auf das Basisportfolio reduziert, was zuvor Bestandteil eines selbstverständlichen Angebots gewesen ist, wie das sichere Reisen und flexible Buchungsmöglichkeiten.“

Zoom hat in der Krise eine Schippe draufgelegt

Das US-Unternehmen Zoom Video Communications, Betreiber der gleichnamigen Kommunikationsplattform, sei dagegen ein Krisengewinner. „Zoom hat in der Krise eine Schippe draufgelegt und die Strategie dahingehend angepasst, Menschen zu unterstützen, in der Krise miteinander verbunden zu sein sowie die Flexibilität des Produkts zu erhöhen und auf die Privatsphäre der Nutzer zu achten“, sagte Büechl. Angelehnt an den ehemaligen CEO von General Electric, Jack Welch, sei entscheidend, dass die interne Veränderungsgeschwindigkeit nicht zu gering sein dürfe, um nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Prof Dr. Jörg Büechl zeigte sich aber optimistisch, dass speziell der Mittelstand, Rückgrat der Wirtschaft in Ostbayern, stets einen Riecher für Trends hatte und sich dementsprechend relativ flexibel anpassen kann.

Livestream via zoom