Monatssieger Januar: db-Matik
15. Januar 2019 10:16  Uhr

Ein Projekt, das Wellen schlägt

Die db-Matik entwickelte ein Verfahren, um aus Kunststoffabfall flexible, gedruckte Elektronik herzustellen, die für den Konsumenten einen Mehrwert hat – und selbst wieder vollständig recycelt werden kann.

Das db-Matik-Projekt „Ocean“ bringt LEDs auf eine Recycling-Folie. Foto: Alex Pohl

Von Stephanie Straßburger

RODING. Ein Team aus Rodinger Unternehmern steht vor einem internationalen Kongress in Frankreich. Das, was sie dem Gremium zeigen, ist eine Folie in einer handlichen Größe. Sie sieht nicht besonders eindrucksvoll aus, ist etwas trüb und mit vielen kleinen LEDs bestückt. Angebracht ist eine kleine Pappschachtel, die an eine Tablettenschachtel erinnert – die Verpackung eines Minicomputers. Die anwesenden Professoren belächeln den Aufbau. Noch wissen sie nicht, was dahintersteckt.

Plastik bewegt die Welt. 340 Millionen Tonnen des Materials werden jährlich rund um den Globus produziert. Bilder von Folgen des Plastikmülls in unseren Ozeanen bewegen Menschen auf allen Kontinenten. Regierungen entwickeln Programme zur Reduzierung des Materials, Umweltschutzaktivisten staunen über die enorme Willenskraft, etwas zu unternehmen. Und dann gibt es da ein Unternehmen im Landkreis Cham, das einen Plan entwickelt hat, Plastik wiederzuverwerten. Und zwar auf strahlende Art und Weise. Das Besondere an der etwas trüben Folie ist nämlich, dass sie aus recyceltem Plastik besteht. Mehr noch: Sie ist das Ergebnis jahrelanger Forschung in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut. Diese sogenannten „flexiblen Displays“ sind der Beweis, dass gedruckte Elektronik hervorragend funktioniert.

Ein Industriebetrieb, der eng mit einem wissenschaftlichen Institut zusammenarbeitet, ist relativ selten. Zu hoch der Aufwand, zu gering der Ertrag daraus. Dass das auch ganz anders geht, beweist die db-Matik AG: Das Unternehmen bringt Produktion und Forschung erfolgreich unter einen Hut. „Wir sind für unsere Kunden vor allem deshalb interessant, weil wir mit den allerneuesten Technologien arbeiten und eine große Bandbreite an Kompetenzen im Haus haben“, sagt Christian Daschner, der zusammen mit Martin Brahmer, Marc Werkmeister und Andreas Seliger die Geschäftsführung innehat. „Wir sind immer noch Maschinenbauer, aber wir wollen Wege aufzeigen. Unser Projekt startete 2016, als die druckbare Elektronik so weit war, massentaugliche LCD-Segment-Displays erstellen zu können. Die db-Matik steht für gemeinsame Forschung und Entwicklung für die Zukunft in der automatisierten Produktion.“ Und das sogar aus recycelten Materialien: „Die ökologische Komponente stand stets im Vordergrund“, sagt Alex Pohl, der als Designer und Projektleiter eigens engagiert wurde. Er erklärt das Konzept: „Wir beginnen – im Sinne des Circular Designs – auf den Müllkippen und Gewässern unserer Erde und legen dem User ein leicht zu bedienendes Produkt vor, das am Ende seines Lebenszyklus mit neuen Verfahren aufgelöst und in jedem Bestandteil wiederverwertet werden kann. Daher auch der Name ‚Ocean‘“.

Dieses Projekt eröffnet eine völlig neue Art, über die Gestaltung von Elektronikbauteilen nachzudenken. Da werden auch die anwesenden Professoren und alle weiteren Kongressgäste hellhörig. Das db-Matik-Team bittet sie, ihr Smartphone aus der Tasche zu holen. Mit nur einem Befehl leuchten die LEDs auf der eben noch so unscheinbaren Folie in den Farben der französischen Flagge Blau, Weiß und Rot – gesteuert ganz simpel über Whatsapp. Jedes beliebige Bild kann über den Messenger-Dienst auf der Folie wiedergegeben werden. Die anfängliche Skepsis der Professoren wandelt sich in wenigen Sekunden in fast kindliche Spiellaune. Und jetzt ist es das Rodinger Team, das lächelt.