Monatssieger Februar: Smart City System
22. Februar 2019 11:01  Uhr

Eine Lösung für das Parkplatzproblem

Smart-City-System-Co-Gründer und Geschäftsführer Stefan Eckart hat am Laptop dank seines Parking Pilots die volle Übersicht, welcher Stellplatz auf diesem Parkplatz bereits wie lange belegt ist.

Eine innovative Idee macht das öffentlich zugängliche Parkraummanagement kinderleicht. Foto: Thomas Tjiang

Von Thomas Tjiang

NÜRNBERG. Die Geschäftsidee des Nürnberger Start-ups Smart City System ist aus der allbekannten Not geboren. Der damalige Mechatronikstudent Stefan Eckart hatte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg das typische Parkplatzproblem. Gemeinsam mit Co-Gründer Andreas Jaumann und weiteren Kommilitonen recherchierte er Lösungen, um schneller einen freien Stellplatz zu finden. Das vorhandene fanden die Gründer, so Eckart, „schwierig oder teuer“. So tüftelten sie an einer technologisch einfacheren und schlankeren Lösung, die auch massentauglich ist.

Das Potenzial ist groß

Mittlerweile ist der Parking Pilot bundesweit im Einsatz. Das Sensorsystem wird in einem Plastikgehäuse auf den Stellplatz geklebt und ist sofort einsatzfähig. Die Sensoren erkennen mittels elektromagnetischer Messung, ob und wie lange ein Stellplatz besetzt ist. Die Daten werden in Echtzeit gesammelt und verarbeitet und können über eine offene Schnittstelle vom jeweiligen Parkraumbetreiber kontrolliert werden.

„Das Potenzial ist groß“, ist sich Geschäftsführer Eckart sicher. Denn die Parkplatznot in den Städten wird immer größer, die Versuchung, das Auto auf einem Supermarkt- oder Discounter-Parkplatz abzustellen, ist groß. Das ärgert wiederum die Händler, deren Kunden schlimmstenfalls sogar verdrängt werden.

Aber auch der Informationsbedarf ist groß. Die Stadt Dresden möchte alle ihre 45 Park+Ride-Anlagen mit dem Parking Pilot digitalisieren. So kann man über ein Parkleitsystem in Echtzeit die Zahl freier Parkplätze anzeigen und Autos zum nächsten freien Platz lotsen. Auch eine kontinuierliche Auswertung wird damit möglich. Ein Betreiber von Stromladestationen für E-Autos kontrolliert, wie viele seiner Ladesäulen frei sind und ob jemand den Platz blockiert.

Das technische Potenzial ist noch lange nicht ausgereizt. Die verfügbaren Daten werden in einer eigenen Cloud gesichert und könnten für nahezu jedes System abgerufen und genutzt werden. Potenzielle Nutzer könnten beispielsweise Navigationssysteme oder City-Apps sein, die Besucher zum nächsten freien Parkplatz vom Zielort lotsen. In petto hat man auch ein digitales Reservierungssystem, das etwa über eine Kennzeichenanzeige einen Stellplatz sichert.

Auch das Endkundengeschäft ist denkbar. Wer einen privaten Parkplatz an einem begehrten Standort hat, kann ihn mit einem Sensor in Zeiten, in denen er ihn nicht selbst nutzt, an Dritte vermieten. Das funktioniert wie bei der Bettenvermietungsplattform Airbnb, erklärt Eckart. So könne man sich „passiv etwas dazuverdienen“. Eine weitere Anwendung sei ebenfalls möglich: Durch die Temperaturmessung am Boden könne man optimal entscheiden, wann Schneeräumer am besten einzusetzen sind.

2018 wurden rund 1000 Sensoren pro Monat in Betrieb genommen, in diesem Jahr könnten es 1000 die Woche werden. „Das Geschäft brummt“, sagt Eckart. Geht alles nach Plan, könnte sich der Umsatz auf zwei bis drei Millionen Euro verzehnfachen.

Internationalisierung steht an

Überzeugt hat das Jungunternehmen Smart City System auch große, europaweit aktive Parkraumbetreiber für Supermärkte und Discounter. Man habe durch die Stabilität des Systems überzeugt, ein weiterer Vorteil sei die Geschwindigkeit: „Zwischen Auftrag und Inbetriebnahme liegen maximal vier Wochen.“ Das Produkt ist für die Lebensdauer der Batterie rund fünf Jahre wartungsfrei und kann ohne Demontage technisch upgedated werden. Andere Lösungen arbeiten entweder mit einem Trägersystem an der Decke oder müssen im Asphalt verbuddelt werden.

In Regensburg wurde bereits der Netto-Markt im Rennweg ausgestattet, der Edeka-Standort in der Berliner Straße wird gerade abgeschlossen. Ab 2020 steht die Internationalisierung an. Erste Anfragen aus den USA und Mexiko habe man mangels Support vor Ort aktuell noch abgelehnt. Von den Anfragen aus anderen EU-Ländern würden wohl als Erstes Italien und Österreich bedient.