Monatssieger August: Truck2park
23. August 2019 12:49  Uhr

„Parkplatz im Parkplatz“ als Lösung

Neben Premium-Parkplätzen will Euro Rastpark mit reservierbaren Lkw-Stellplätzen das Parkchaos bekämpfen.

LKW-Schranke als Sesam-Öffne-Dich des Truck2park-Systems, das mit seiner innovativen Idee sehr praktische und dringend erforderliche Effekte erzielt.
LKW-Schranke als Sesam-Öffne-Dich des Truck2park-Systems, das mit seiner innovativen Idee sehr praktische und dringend erforderliche Effekte erzielt. Foto: Euro Rastpark

Von Gerd Otto

REGENSBURG. Dass deutschlandweit nach Schätzungen des Bundesverbands Güterkraftverkehr und Logistik (BGL) mindestens 30 000 Lkw-Parkplätze fehlen und es in der Europäischen Union sogar 400 000 sein sollen, ist die eine Seite. Noch gravierender als diese Zahlen erscheinen die qualitativen Defizite in puncto Sicherheit und bezüglich der Stresssituation für die Lkw-Fahrer auf den und entlang der Autobahnen.

Angesichts der jährlich 1,3 Milliarden Euro, die allein in Deutschland auf das Konto von Ladungsdiebstählen gehen, hat sich die EU entschlossen, in Zukunft sichere Lkw-Stellplätze zu fördern. Die Autohöfe freilich haben auf diese Initiative aus Brüssel nicht gewartet. Vielmehr wurden schon in den vergangenen drei Jahren 25 Autohof-Parkplätze zu sogenannten Premium-Parkplätzen umgerüstet.

Dass dieser Sicherheitsaspekt nur ein erster Schritt sein würde, dessen war sich Johannes Witt von Anfang an bewusst. Als Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Autohöfe (VEDA), der kürzlich auf die beiden ebenfalls aus Regensburg stammenden Dr. Lothar Koniarski und Alexander Ruscheinsky gefolgt war, und speziell in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Euro Rastpark GmbH versetzte sich Witt in die Position der Lkw-Fahrer, die oft verzweifelt nach einem Parkplatz suchen. Im Durchschnitt dauert dies Tag für Tag rund 30 Minuten. Kein Wunder, dass nach einer aktuellen Umfrage 40 Prozent der befragten Berufskraftfahrer die Parkplatzsuche als den größten Stressfaktor in ihrem Job betrachten.

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich in enger Kooperation der Euro Rastpark Gruppe mit den Softwareexperten der Gesellschaft für Service-Informationssysteme mbH (ServiceXpert) das Pilotprojekt Truck2park, das jetzt als erster reservierbarer Parkplatz im oberfränkischen Autohof Himmelkron präsentiert wurde. Mit diesem intelligenten und einfachen System können Disponenten und Fahrer Premium-Parkplätze buchen, statt lange zu suchen. Konkret laden sich die Fahrer eine App auf ihr Smartphone und erhalten einen QR-Code als Eintrittsticket. Sobald sich der Fahrer dann auf etwa zehn Kilometer der Truck2park-Anlage nähert, erhält er eine Benachrichtigung auf sein Smartphone. Gleichzeitig sorgt eine direkte Schnittstelle zum jeweiligen Schrankensystem dafür, dass alle Vorgänge auf dem Parkplatzareal synchron ablaufen.

Das Besondere, das Innovative an dem künftig für die gesamte Branche, also auch für andere Autohöfe und Lkw-Parkplatzbetreiber offenen System ist das „Parkplatz im Parkplatz“-Konzept. So kann der Lkw-Fahrer mit dem QR-Code an der Einfahrschranke des Premium-Parkplatzes einchecken und sein Parkticket ziehen, mit dem sich dann die Schranke des reservierten Bereichs öffnen lässt. Der reservierte Parkplatz wird bis 20.30 Uhr garantiert freigehalten, ehe sich anschließend die Schranke öffnet und die nicht beparkten Plätze für die Allgemeinheit freigibt. Auf diese Weise, also durch die Abtrennung der zu reservierenden Plätze vom großen Parkplatz, kann das Areal optimal genutzt werden. Eine Stornierung ist bis zu einen Tag vorher möglich.

Das große Anliegen von Johannes Witt und seinen Autohof-Kollegen ist es, die Rahmenbedingungen der Lkw-Fahrer zu verbessern. „Deshalb ist in den Parkgebühren auch weiter ein Restaurationsgutschein enthalten“, erklärt Witt, der mit Blick auf die Unternehmen auch darauf hinweist, dass die Kosten für die reservierbaren Stellplätze über die Deminimis-Förderung als abrechenbar gelten. Bis 2020 werden von der Euro Rastpark GmbH mindestens drei weitere Standorte auf Truck2park umgebaut.