Monatssieger Juni: emz Hanauer
21. Juni 2019 12:44  Uhr

Per App den Müllcontainer öffnen

Die Umweltsparte von emz Hanauer in Nabburg entwickelte die innovative Applösung egate digi.

Wie egate digi funktioniert, demonstriert Raoul Janssen, Geschäftsführer emz-Umwelttechnik an einem Müllcontainer, der im Customer Innovation Space, der Denkfabrik des Unternehmens, aufgebaut ist. Foto: Theo Kurtz

Von Theo Kurtz

NABBURG. Vor mehr als zehn Jahren hatte man bei emz Hanauer mit dem egate ein intelligentes Zugangssystem für Müllgroßcontainer auf den Markt gebracht. Im November 2017 hatten die Nabburger Umwelttechnologen damit begonnen, dieses System weiterzuentwickeln und in innovative Digitalisierungsbahnen zu lenken. Entstanden ist egate digi, eine Applösung, die im Mai in Berlin mit dem „German Innovation Award 2019“ ausgezeichnet wurde.

In Italien Marktführer

Allein in Italien hat emz Hanauer bislang rund 35 000 dieser egate-Systeme installiert. Damit sind die Oberpfälzer dort unangefochtener Marktführer. Das Prinzip ist denkbar einfach und genial zugleich: Gemeinschaftsmülltonnen werden verschlossen und können nur von registrierten Nutzern mit einem personalisierten elektronischen Schlüssel geöffnet werden. Die Tonne hält genau fest wer, wann und vor allen Dingen wie viel hineinkippt. Diese Daten werden dann drahtlos an den Entsorger oder an die Kommune übermittelt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Verbraucher wird nicht mehr pauschal zur Kasse gebeten, sondern bezahlt nur die tatsächlich abgelieferte Abfallmenge, was einen zusätzlichen Mülltrennungsanreiz schafft; die Entsorger wiederum wissen über die Füllmenge ihrer Behälter Bescheid und können so effizient den Einsatz ihrer Abfuhrfahrzeuge koordinieren. Dritter Positiveffekt: Mülltouristen müssen zu Hause bleiben.

War das egate bereits weltweit eine der ersten konkreten Anwendung für das sogenannte Internet der Dinge, wollten die Nabburger auch im Digitalisierungszeitalter mit der Fortentwicklung dieses Systems ihre Vorreiterrolle behalten. Im Spätherbst 2017 wurde das Innovationsprojekt gestartet. Das Ziel: Statt elektronischem Schüssel, den man gerne mal zu Hause auf der Kommode vergisst, soll man mit dem in der Regel ständig griffbereiten Smartphone den Containerdeckel entriegeln können. Die Nabburger schlugen für dieses Vorhaben für sie ungewohnte neue Wege ein. „Denn Digitalisierung erfordert neues Denken auch bei den Prozessen“, erläutert emz-Geschäftsführer Thomas Hanauer. Statt dem Kunden also ein serienreifes Produkt zu präsentieren, sollte der sich bereits im Vorfeld einbringen und seine Verwendungszwecke und Anforderungsprofile formulieren können. Neben Experten saßen auch Fachfremde mit im Boot, die gänzlich unbelastet an das Thema herangehen konnten. Damit sich das Projektteam ungestört und abseits vom hektischen Nabburger Unternehmensalltag mit der Aufgabe auseinandersetzen konnte, wurde am Firmenstammsitz im beschaulichen Zangenstein mit der sogenannten „Innoschleif“ eine kleine Denkfabrik eingerichtet. „Wenn man den Gedanken freien Lauf lassen will, kann eine ungewöhnliche Umgebung hilfreich sein“, betont Hanauer.

Viele Zusatzmöglichkeiten

Egate digi kann einfach aus dem App Store heruntergeladen werden, ist benutzerfreundlich und bietet neben der reinen Öffnungsfunktion eine Fülle von Möglichkeiten: Man bekommt zum Beispiel Informationen über den Standort und den Zustand der Tonne, oder der Müllkunde kann sich direkt beim Entsorger oder der Kommune beschweren. Im Gegensatz zu egate kann auf eine Reihe von Bauteilen wie Schlüssel, Reader, Display oder Datenübertragungsmodule verzichtet werden. Damit ist die Applösung wartungsärmer und hilft außerdem noch, Energie zu sparen. Die Nachfrage nach der mit dem Award geadelten Anwendungssoftware ist bereits groß. Kundenanfragen aus einer Reihe von südeuropäischen Ländern sind bei den Nabburgern bereits eingetrudelt – darunter auch aus Italien: Dort soll im September ein groß angelegter Feldversuch mit mehr als 10 000 Teilnehmern über die Bühne gehen.