Monatssieger Mai: Adiuvad
24. Mai 2019 12:26  Uhr

Wichtige Schritte zurück ins Leben

Der Multitherapiewagen Adiuvad unterstützt Patienten bei der Wiederherstellung ihrer Mobilität.

Béatrice Eichenseher, Alexandra und Wolfgang Stegmayr (v. li.) Foto: Faber Biomechanik GmbH

Von Franz Rieger

NITTENDORF. Stationäre Rehabilitationszeiten werden immer kürzer. Das verlangt nach Lösungen, die Therapieformen ambulant und im häuslichen Umfeld ermöglichen. Entsprechend vielfältig sind die Einsatzmöglichkeiten des Multitherapiewagens Adiuvad, der bei den verschiedensten Krankheitsbildern angewendet werden kann: nach einem Schlaganfall, bei einer inkompletten Querschnittslähmung, nach einer Hüft-, Sprunggelenks- oder Kniegelenksoperation und bei Lungenerkrankungen.

Einige Innovationen entstehen tatsächlich noch in der sprichwörtlichen Garage – so auch der erste Prototyp des Multitherapiewagens Adiuvad. Der Vater eines Freundes von Wolfgang Stegmayr aus Nittendorf erhielt nach einem Schlaganfall die erschreckende Diagnose: „Sie werden nie mehr laufen können.“ Damit wollte sich der Sohn nicht abfinden. Er konstruierte den ersten Prototyp, der als eine Zwischenstufe zwischen Rollstuhl und Rollator gedacht war. Die raschen Erfolge des Vaters durch das tägliche Training motivierten ihn, weitere Anforderungen aus dem Patientenalltag umzusetzen. 2011 kam dann Wolfgang Stegmayr ins Spiel, der mit der Gründung der Faber Biomechanik GmbH die Weiterentwicklung des Adiuvad vorantrieb. Um den restlichen Kapitalbedarf für die Markteinführung zu decken, wurde die Crowdinvesting-Kampagne www.aescuvest.de/adiuvad gestartet.

Der Patient ist im Multitherapiewagen sicher umschlossen und kann direkt vom Rollstuhl oder vom Bett in den Wagen gelangen und Gehübungen durchführen. Diese können jederzeit unterbrochen werden, indem er sich einfach auf den integrierten Sitz zurückfallen lässt. Während dieser Pausen bietet sich die Gelegenheit, weitere Übungen mit auf der Arbeitsfläche angebrachten Modulen durchzuführen.

Der Erfolg der Bewegungstherapie ist im hohen Maß von der Trainingsintensität und -häufigkeit abhängig. „Das menschliche Gehirn braucht ungefähr 9000 Wiederholungen, um eine Bewegung neu zu erlernen“, erklärt Béatrice Eichenseher. Als Medizinische Fachangestellte mit über 20 Jahren Berufserfahrung kann sie immer wieder neue Anregungen geben, beispielsweise für eine Halterung für Infusionen, eine Dokumententasche oder einen Aufsatz für Übungen mit dem Gummiband.

Auch für Therapeuten und das Pflegepersonal bringt Adiuvad eine Erleichterung. In der Regel werden für das Halten und Führen eines gehunfähigen Patienten zwei Personen benötigt. Mit dem Multitherapiewagen lässt sich ohne zusätzliches Risiko eine davon einsparen. Dieser Kostenvorteil müsste laut Wolfgang Stegmayr vor allem medizinische Einrichtungen neugierig machen. Im häuslichen Bereich liegen die Trümpfe des Wagens indessen auf der Hand. Wenn eine zierliche Frau alleine eine erwachsene Person gerade halten und bewegen soll, steht sie vor einer kaum lösbaren Herausforderung für sich und den Patienten.

Der Multitherapiewagen Adiuvad in der Anwendung Foto: Faber Biomechanik GmbH

Rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, davon werden 1,8 Millionen zu Hause gepflegt. Jährlich kommt es laut Geschäftsführerin Alexandra Stegmayr in Deutschland zu 900 000 Ereignissen, die das Gerät erfordern können, davon allein 270 000 Schlaganfälle. Noch ist der Multitherapiewagen nicht zugelassen. Die technische Dokumentation und die klinische Bewertung, um ein CE-Kennzeichen anbringen zu können, sind nur zwei der Aufgaben, denen sich das Team aus Nittendorf stellen muss, denn in diesem Jahr soll Adiuvad in Produktion gehen. Es gibt bereits zahlreiche Anfragen von Einrichtungen und Fachärzten, aber auch von Privatpersonen.

Der Wagen ist eine sinnvolle und im Kern einfache Idee – warum hat es so etwas nicht schon früher gegeben? „Das hat man sich beim Rollator wohl auch gefragt. Es ist eine konservative Branche, da dauert es einfach, um neue Ideen durchzusetzen“, sagt Wolfgang Stegmayr. Derzeit rühren Alexandra Stegmayr und Béatrice Eichenseher die Werbetrommel und präsentieren den Wagen in Einrichtungen, bei Fachleuten und in Krankenhäusern. „Die Pflege bekommt gerade einen neuen Stellenwert in der Gesellschaft“, sagt Alexandra Stegmayr. Genau den wolle man mit Adiuvad unterstützen.