Innovationspreis: Monatssieger Mai
22. Mai 2020 11:11  Uhr

Mit Licht gegen Viren und Bakterien

Das Regensburger Unternehmen Li-ex drängt mit einer patentierten UV-Lösung auf den Maskenmarkt. Anders als herkömmliche Masken schützt die Li-ex-Lösung ihren Träger vor 99,9 Prozent aller Bakterien und Viren.

Eine Powerbank bringt die virentötenden UV-C-LEDs in der Maske zum leuchten. |Foto: Istvan Pinter

Von Jonas Raab

REGENSBURG. Masken. Sie sind in aller Munde, vor dem Mund in gewissen Lebenslagen sogar Pflicht. Seit Mund-Nasen-Bedeckungen beim Besuch im Einzelhandel oder im öffentlichen Nahverkehr obligatorisch sind, streiten sich Laien wie Experten über Sinnhaftigkeit und Schutzqualität einfacher Masken. Fest steht: Durch das Tragen einer solchen Bedeckung schützt man sein Gegenüber zu einem gewissen Grad vor Tröpfcheninfektionen, für den Träger selbst ist die Wirkung marginal. Genau an diesem Punkt setzt Marco Friedrich, CEO des Regensburger Unternehmens Li-ex, an. Ende März erfand er eine mittlerweile patentierte Maske, die ihren Träger vor 99,9 Prozent aller Bakterien und Viren schützt. Die Idee: Hochenergetische UV-C-Strahlung „reinigt“ die Luft zwischen zwei Filtern in Sekundenschnelle.

Normalerweise konstruiert Friedrich in seinem zehn Mitarbeiter starkem Unternehmen mit Sitz in Pentling individuelle Lichtlösungen für Industrie, Gewerbe und den Heimbedarf. „Obwohl ich viel mit LEDs zu tun habe, wusste ich bis vor Kurzem noch gar nicht, dass es viren- und bakterientötende UV-C-LEDs gibt“, sagt er. Gängiger sei UV-C-Strahlung aus Röhren. Sie wird im medizinischen Bereich etwa zur Luftreinigung eingesetzt. „Seit Ende März haben wir an einer mobilen UV-C-Lösung gearbeitet, Ideen und Konzepte entwickelt, Masken gezeichnet und über ein Simulationsprogramm die benötigte Strahlungsleistung für die Filterfläche errechnet“, erklärt Friedrich.

Rasante Entwicklungsschritte

Die ersten Protypen der UV-C-Maske kamen aus dem 3-D-Drucker und wurden nach und nach – aber in kürzester Zeit – weiterentwickelt. Zwei LEDs, die UV-C-Licht mit einer für das menschliche Auge unsichtbaren Wellenlänge von 270 Nanometer ausstrahlen, braucht es, um rund 300 Nanometer große Viren wie SARS-CoV-2 und andere Krankheitserreger zu treffen. Innerhalb von vier Sekunden „tötet“ das Licht Viren und Bakterien, in dem es ihre weitere Reproduktion unterbindet. Für den fotochemischen Vorgang im Inneren der Maske entwickelte Li-ex innerhalb weniger Wochen den passenden Rahmen: ein strahlensicheres und Wärme ableitendes Filtergehäuse, auswechselbare Filtermodule und elastische Gesichtsstücke. Das sind unabdingbare Voraussetzungen für einen sicheren Gebrauch der Maske, da ungefiltertes UV-C-Licht am menschlichen Körper laut kürzlicher Mitteilung des Bundesamtes für Strahlenschutz schwere gesundheitliche Schädigungen hervorrufen kann.

„Normalerweise haben wir Entwicklungszeiten von einem Jahr. Aber die Maske brauchen wir jetzt, nicht in einem Jahr. Wir haben uns voll darauf konzentriert und unser Kerngeschäft etwas zurückgestellt“, sagt Friedrich. Der Plan sei gewesen, so schnell wie möglich ein neues Produkt auf den Markt zu bringen. Gerade in der aktuellen Situation sei es wichtig, dass kreative Ideen entstehen und die Mitarbeiter deshalb keine Angst um ihren Arbeitsplatz haben müssen, ist sich Friedrich sicher. „Das ist das Schöne an unserer Größe. Wir sind flexibel, schnell und können uns dem Markt relativ fix anpassen“, sagt der Li-ex-CEO.

Patent, Zertifikat und Vertrieb

Kurz nach Ostern war die Maske fast ausgereift, die Presse zu Gast bei Li-ex und das Patent genehmigt. „Die Patentrecherche hat ergeben, dass es in China und den USA ähnliche Ideen gibt, die aber längst nicht so konkret sind wie unsere. Deshalb konnten wir das Patent auch anmelden“, sagt Friedrich. Aktuell prüfen zwei Institute seine Erfindung. „Ich denke, dass wir in einer Woche die Ergebnisse haben und ein Zertifikat für die Maske bekommen“, schätzt Friedrich. Unterdessen arbeitet er weiter daran, einen Vertriebsweg aufzubauen. Denn: „Die Nachfrage ist groß. Die Produktion ist bereit. In vier Wochen können wir anfangen, 5000 Stück pro Woche zu produzieren“, sagt er.