Innovationspreis: Monatssieger April
24. April 2020 11:15  Uhr

Sollbruchstellen für Keime aller Art

Mit der Oberflächenbehandlung von Dyphox aus Regensburg lässt sich die Anzahl von Viren, Bakterien und Pilzen auf Oberflächen um 99,99 Prozent reduzieren. Das Verfahren selbst ist einfach, die Wirkung langanhaltend.

Dyphox Universal ist einfach auf Oberflächen wie dieser Tastatur aufzutragen. Bis zu einem Jahr hält die Wirkung bei Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs. |Foto: Dyphox/FULLHAUS Marketing & Werbung GmbH

Von Robert Torunsky

REGENSBURG. Das Thema Hygiene ist durch das Coronavirus derzeit omnipräsent und Desinfektion wichtiger denn je. Das Regensburger Unternehmen Dyphox hat ein Verfahren entwickelt, mit dem Oberflächen langanhaltend, einfach und effektiv desinfiziert werden können – und das nur mit der Kraft von Licht und Sauerstoff. „Die Wirkung basiert auf dem Prinzip der Photodynamik“, beschreibt CEO Xaver Auer die Wirkungsweise der Innovation. Beschichte man eine Oberfläche mit Dyphox, brauche es zur Abtötung von Keimen lediglich noch Luft und Raumlicht. „Dann produziert die behandelte Oberfläche reaktiven Sauerstoff aus dem Sauerstoff, der in der Umgebungsluft vorhanden ist, und damit werden alle Mikroorganismen auf der Oberfläche zerstört. Dieser rein natürliche, physikalische Vorgang läuft voll automatisch ab, schützt den Menschen vor Keimen und ist für ihn dabei völlig unschädlich.“

Nachhaltige Wirkung

Laut Auer würden herkömmliche, chemische Desinfektionsmittel nur während des Desinfektionsvorgangs selbst wirken. „Zwischen den Desinfektionszyklen lagern sich wieder Keime aller Art auf den Oberflächen ab. Dyphox setzt genau hier an und hält die Keimlast auf Oberflächen dauerhaft gering.“ Bis zu einem Jahr hält die Wirkung bei Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs wie Tastaturen oder Türklinken an. Als Beimischung in einer Wandfarbe hält der Effekt sogar bis zu drei Jahre lang. „Mit Dyphox reduzieren wir die Anzahl der Viren, Bakterien und Pilze um 99,99 Prozent. Das ist durch Labortests nachgewiesen“, sagt Auer. Zusätzlich hat die Universitätsklinik Regensburg in einer unabhängigen Feldstudie die Wirksamkeit der Beschichtung erfolgreich getestet. „Von Produkten der Konkurrenz unterscheidet uns, dass der Test auf trockenen Oberflächen durchgeführt wird und damit den realen Umgebungsbedingungen entspricht.“ Das Verfahren, nach dem Dyphox funktioniert, wurde ursprünglich für die Krebsbekämpfung entwickelt. Dort wird es vor allem zur Therapie von weißem Hautkrebs eingesetzt. Dyphox ist ein Spin-off der Universitätsklinik Regensburg (UKR) mit Sitz am Biopark Regensburg und entwickelt, produziert und vermarktet antimikrobielle Oberflächenbeschichtungen.

Neue Einsatzgebiete

Entwickelt wurde Dyphox für den Einsatz in Kliniken, die Bekämpfung von multiresistenten Keimen stand dabei stets im Vordergrund. „In diesem Umfeld empfehlen wir, alles zu behandeln, was Ärzte, Pflegepersonal oder Patienten häufig berühren“, sagt Auer. Dazu gehörten die Bettgestelle in den Patientenzimmern genauso wie Tastaturen und Ablagen im Behandlungszimmer oder Türklinken im gesamten Klinikbereich. „Sogar für eine Behandlung der Spender für Desinfektionsmittel legen wir eine Beschichtung mit Dyphox nahe“, empfiehlt der CEO. „So versehen wir die Übertragungsketten mit Sollbruchstellen und schützen Personal und Patienten vor Infektionen.“ Die Entwickler sehen auch abseits der Kliniken Einsatzmöglichkeiten gegen Viren, Bakterien und Pilze aller Art in fast allen Bereichen des Alltags: Büroräume, Flugzeuge, Gastronomie. „Die Nachfrage in den vergangenen Wochen ist enorm gestiegen und das Unternehmen ist auf steilem Wachstumskurs. Wir erhöhen aktuell die Produktions- und Personalkapazitäten, um diese gestiegenen Anforderungen angemessen und zeitnah zu bedienen“, berichtet Auer. Sich auf dem Erreichten auszuruhen ist angesichts des rasant wachsenden Markts der antimikrobiellen Oberflächentechnologie kein Thema. „Da wir eine Ausgründung des Universitätsklinikums Regensburg sind und stets eine wissenschaftliche Arbeitsweise beibehalten haben, werden wir Dyphox auch in Zukunft weiterentwickeln“, verspricht Xaver Auer.