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14. Dezember 2020 11:55  Uhr

Ein Fels in der Brandung in schweren Zeiten

Testamentsvollstrecker sind Vertrauenspersonen. In der heiklen Frage der Unternehmensnachfolge nehmen sie Streit aus der Familie und sichern damit nicht zuletzt auch die Zukunft des Unternehmens.

Alexander Rappl und sein Kollege Matthias Käsbauer (v. re.) unterstützen verschiedene Unternehmer. | Foto: Attila Henning

Von Gabi Hueber-Lutz

REGENSBURG. Natürlich ist jedem Geschäftsmann und jeder Geschäftsfrau klar, dass er beziehungsweise sie die Nachfolge regeln muss. Natürlich wissen auch Privatpersonen, dass sie die Weitergabe ihres Vermögens am besten bei Lebzeiten selbst regeln. Allein der Gedanke daran schreckt aber viele ab. Besonders wenn sie ahnen, dass die Nachfolge komplex und problembehaftet ist oder ihre Erben sowieso streiten werden. Die Angst vor einer falschen und folgenschweren Anordnung oder der totalen Zerstrittenheit der Familie lähmt mitunter jede Entscheidung.

Alexander Rappl, Rechtsanwalt und Partner der MTG Wirtschaftskanzlei, ermutigt seine Klienten, dem Thema trotzdem große Beachtung zu schenken. Er weiß aus langjähriger Erfahrung, dass der Ärger ohne Testament noch viel größer wird: „Das Streitpotenzial ist dann oft maximal.“ Der erfahrene Anwalt hat daher einen sehr pragmatischen Rat für all diejenigen parat, denen komplexe rechtliche und wirtschaftliche Verhältnisse oder streitanfällige Familienverhältnisse bei der Regelung ihres Letzten Willens großes Kopfzerbrechen machen: Er empfiehlt, einen Testamentsvollstrecker einzusetzen. „Ein Testamentsvollstrecker erspart viel Stress und Ärger, denn als neutrale Person sorgt er für geregelte Verhältnisse und zieht viel Streitpotenzial aus den Familien“, hat er immer wieder beobachtet.

Den Letzten Willen erfüllen

Der Testamentsvollstrecker hat den klaren Auftrag, den Letzten Willen eines Erblassers zu erfüllen. Diese Klarheit führt nicht selten zu einer pragmatischen Zusammenarbeit aller Betroffenen. Einen Testamentsvollstrecker zu bestimmen, kann aber auch sinnvoll sein, wenn Konflikte ums Erbe keine Rolle spielen. Rappl kennt aus der Praxis etliche derartige Konstellationen. Da ist zum Beispiel der Unternehmer, der die Firma seiner Ehefrau vererben möchte. Seine Frau war jedoch für die geschäftlichen Belange noch nie zuständig und will das auch weiterhin nicht. Im Sinne der Familie, des Unternehmens und der Mitarbeiter ist es dann notwendig, für eine klare Regelung zu sorgen und einen Testamentsvollstrecker einzusetzen. Der Erblasser kann etwa eine Abwicklungsvollstreckung anordnen und dabei festlegen, dass geeignete Fremdgeschäftsführer eingesetzt werden sollen oder die Firma verkauft werden soll.

All das bedarf einer intensiven und vertrauensvollen Vorbereitung. Nicht wenige Steuerberater oder Anwälte der MTG Wirtschaftskanzlei werden daher auch als Testamentsvollstrecker eingesetzt. Sie kennen die betriebliche und die private Situation ihrer Klienten. Sie kennen aber auch die rechtliche Situation und die Fallstricke.

Langjährige Begleiter

Nicht nur Unternehmer sind froh, für das sensible Thema der Testamentserstellung und -vollstreckung in ihnen kompetente Ansprechpartner zu haben. In manchen Fällen begleitet ein Testamentsvollstrecker eine Familie möglicherweise über einen längeren Zeitraum hinweg. Erbt zum Beispiel ein noch minderjähriges Kind ein Vermögen, muss dieses Vermögen für einen gewissen Zeitraum verwaltet werden. Insbesondere bei der Unternehmensnachfolge ist dies ein geeignetes Mittel. Diese Verwaltung kann dann auch über die Volljährigkeit des Erben hinausgehen. Erscheint es dem Erblasser zu früh, dem Kind schon mit Beginn seiner Volljährigkeit die alleinige Verantwortung für dieses Vermögen zu übertragen, hat er die Möglichkeit, die Betreuung durch den Testamentsvollstrecker noch länger anzuordnen.

Ein Amt mit hohen Hürden

In diesem Zusammenhang spricht Alexander Rappl eine Sorge an, die weit verbreitet ist: die Angst vor Schlechtleistung und Veruntreuung. Weder ist der Erbe oder Vermächtnisnehmer dem Testamentsvollstrecker mit seinem Vermögen ausgeliefert, noch kann sich der Testamentsvollstrecker am Vermögen seines Schützlings unberechtigt bereichern, stellt der MTG-Anwalt klar. Das Amt des Testamentsvollstreckers unterliegt hohen Hürden. Je nach Ausgestaltung der Testamentsvollstreckertätigkeit muss dieser sowohl rechtliche als auch steuerliche Pflichten erfüllen und einhalten. Dies kann, so Alexander Rappl, auch zur persönlichen Haftung des Testamentsvollstreckers führen. Testamentsvollstrecker sind also sehr hilfreiche Partner, wenn es darum geht, ein Unternehmen oder ein Vermögen gut in die Zukunft zu bringen – und im Erbfall durch ihre Arbeit ein gutes Stück Familienfrieden zu erhalten.

Interview

Die Nachfolgeregelung ist ein zentraler Baustein für Firmen

Maria Janker, Steuerberaterin bei der MTG Wirtschaftskanzlei, erläutert im Interview die große Bandbreite unterschiedlicher Nachfolgemodelle.

Hier geht’s zum Interview …