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23. September 2020 15:33  Uhr

Im Gewerbepark wird Zukunft gemacht

Mit dem Gewerbepark wurde vor 40 Jahren das Businesspark-Konzept nach Deutschland gebracht. Heute ist der Park im Regensburger Norden auch ein wichtiger Technologiestandort.

Technologiestandort in Theorie und Praxis: Wie hier in Lyon soll ab November auch im Gewerbepark Regensburg ein autonomer Shuttlebus seine Runden drehen. Bei dem zukunftsweisenden Mobilitätsprojekt People Mover ist der Gewerbepark Partner und stellt die Teststrecke zur Verfügung. Foto: Pierre Salomé – „Aishuu“

Von Mechtild Nitzsche

REGENSBURG. Handel und Büros – an dieses Begriffspaar denken viele als erstes, wenn vom Gewerbepark die Rede ist. Doch für den Gewerbepark Regensburg greift diese Definition zu kurz: Er hat sich in den vier Jahrzehnten seines Bestehens als Spezialist in Sachen Multifunktionalität erwiesen – und sich damit längst auch zu einem renommierten Technologiestandort entwickelt.

„Der Gewerbepark Regensburg ist ein Innovationsstandort, hier wird Zukunft gemacht“, sagt Roland Seehofer, Geschäftsführer des Gewerbeparks Regensburg. Neben vielen anderen Bereichen gilt das auch für den Bereich Automotive, der mit großen Playern wie Edag, Continental oder auch AVL vertreten ist.

Attraktiv für große Player

Die technologische Neuausrichtung ist das Ergebnis einer langjährigen Entwicklung. Zu Beginn entdeckten Technologieriesen den Standort für ihre Administration: Pionier und bis heute Teil des „Gesichts“ des Gewerbeparks ist das Nixdorf-Gebäude, ein Bürogebäude des damaligen Computerherstellers Siemens Nixdorf, das 1989 an der Piazza des Gewerbeparks errichtet wurde. Ein weiterer großer Sprung war die Ansiedlung von Siemens-VDO Automotive, jetzt Continental, das in den 1990er-Jahren die Weltzentrale für seine Automobiltechnik auf 20.000 qm im Gewerbepark etablierte.

Mit den Jahren kam zur reinen Administration auch noch Softwareentwicklung. „Die Entwicklung des Gewerbeparks zum Technologiestandort geht einher mit der Entwicklung Regensburgs zum Technologiestandort“, sagt Roland Seehofer. Im Verbund mit der Stadt habe man damals Techkonzerne angezogen. „In dieser Zeit hat sich auch der Markt für Büroflächen stark entwickelt.“

Sonderwünsche sind hier Standard

Mit der Etablierung eigener Kompetenzzentren in den Jahren 2002/2003 konnte der Gewerbepark sein Profil als Technologiestandort weiter schärfen – und eine neue Mietergeneration ansprechen. Wie etwa Amazon: Der Onlineversandriese bezog 2002 mit seinem Customer-Servicecenter seine Räumlichkeiten im Gewerbepark. „Lichte Deckenhöhen von 3,90 Meter, spezielle Bodenbelastungen, Stromanschluss- und Datenleistungen, Glasfaser und Co. – all diese Infrastrukturmerkmale, die Amazon brauchte und die nicht überall Standard waren, gab’s hier schon lange“, erklärt Seehofer. Wo nötig, wurde angepasst, etwa ein komplettes neues Lüftungssystem eingebaut mit zugfreien textilen Lüftungsschläuchen, Kühlung und – damals noch nicht selbstverständlich – auch schon mit Wärmerückgewinnung. Mit diesen und weiteren baulichen Details sorgte der Gewerbepark in Kooperation mit der DV Plan dafür, dass der Großkunde die gemieteten Räumlichkeiten optimal nutzen kann.

Auch als Laborstandort gefragt

Speziell sind auch die Anforderungen eines anderen Mieters, der seit 2007 im Gewerbepark Regensburg vertreten ist: Geneart, das heute zu Thermo Fisher gehört. Das Biotechunternehmen stellt DNA im Kundenauftrag her – zuletzt in großer Menge die SARS-CoV2-DNA für Forscher auf der ganzen Welt, die die physikalische DNA benötigen, um Testkits und Impfstoffe herzustellen. Das ursprünglich im Biopark ansässige Unternehmen stand 2007 wegen eines großen Auftrags aus den USA vor einem akuten Raumproblem – und entschied sich für den Gewerbepark: Laut Geschäftsführer Marcus Graf spielten Lage und Infrastruktur eine Rolle, aber auch die flexible Kommunikation und Handhabung. Geneart baute einen zweiten Standort auf, der seit 2010 auch offizieller Firmensitz ist. Ein Drittel der 300 Mitarbeiter arbeitet hier. Neben der Verwaltung hat Geneart im Gewerbepark auch Logistik, Projektdesign und den Customer Service angelegt – und betreibt Laborräume: Hier findet die chemische Synthese der Produkte statt, die molekularbiologische Arbeit weiterhin im Biopark.

„Geht nicht“ gibt’s nicht

Um derart wachsen zu können, war ein flexibler Vermieter nötig – denn Labore stellen besondere Anforderungen an Gebäude: So sind ein achtfacher Luftaustausch, Klimatisierung, PVC-Boden und eine gute Strominfrastruktur unerlässlich. Auch ein großer Stickstofftank, ein Argontank und Gasversorgung sowie die Möglichkeit, Container mit chemischen Produkten, Reagenzien und Gasen zum Abtransport außerhalb des Gebäudes aufstellen zu können, dürften nicht Bestandteil einer Standardbüroausschreibung sein. „Dass wir unsere Räume in Produktionsräume umnutzen konnten, ist für uns sehr wertvoll“, sagt Graf. „Der Gewerbepark ist ein wichtiger Partner für uns. Wir sind darauf angewiesen, dass unser Vermieter flexibel ist. Die Zusammenarbeit ist sehr konstruktiv.“

 

 

Dr. Georg Schwab, Geschäftsführer AVL Software & Functions GmbH, hat im Gewerbepark sein Unternehmen buchstäblich vom Einmannbetrieb zu heute insgesamt 620 Mitarbeitern aufgebaut – 500 davon im Gewerbepark. Im Interview erklärt er, was den Gewerbepark als Technologiestandort auszeichnet. Foto: Stefan Hanke

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