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8. Oktober 2020 11:30  Uhr

Innovationen für die Energiezukunft

Das Digitalisierungs-Team „NEXT“ des Bayernwerks entwickelt mit Partnern innovative Technologien – wie zum Beispiel das Monitoring von Stromleitungen aus dem Weltall.

Mit Monitoring aus dem All könnte in Zukunft die Vegetation überwacht werden. | Foto: Live EQ

REGENSBURG. 156.000 Kilometer umfassen die Stromnetze der Bayernwerk Netz GmbH – unentbehrlich für die Energieversorgung des Freistaats. Doch gibt es zahlreiche Einflüsse durch Natur und Witterung, die einen Stromausfall verursachen können. Ganz gleich, ob ungünstig wachsende Äste, Unwetter, Vogelnester oder eine Drachenleine: Fremdkörper müssen entfernt, Verschmutzungen, Schäden am Seil oder defekte Rippen am Isolator frühzeitig behoben werden. Noch gehen Techniker die Strecken ab oder es fliegen Piloten im Auftrag des größten Netzbetreibers des Bundeslandes regelmäßig mit Hubschraubern entlang der Stromnetze, um Störungen frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Künftig soll eine Erfassung via 3D-Kamera helfen, eine digitale Version des Stromnetzes zu erstellen. Die Idee: Statt Hubschraubern sollen Drohnen die Strecke abfliegen, künstliche Intelligenz (KI) gleicht das aktuelle Bild dann mit dem „Soll-Zustand“ ab und erkennt Störungen quasi automatisch. Die Vision geht sogar noch einen Schritt weiter: Um vegetationsbedingte Störungen zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen, soll künftig auch Satellitentechnologie zum Einsatz kommen.

Vegetationsüberwachung aus dem All

Im Falle von NEXT.LineInspect – so der Name des Projekts zur Vegetationsüberwachung – gibt es auch eine Kooperation mit dem Berliner Start-up Live EO, das sich auf Monitoring aus dem All spezialisiert hat und dabei mit KI arbeitet. „Wir suchen kontinuierlich nach neuen, smarten Lösungen, die uns helfen, unsere Arbeit weiter zu optimieren. Deshalb investieren wir selbst in Forschung und Digitalisierung. Wir sind aber ebenso aufgeschlossen für die intelligenten und kreativen Entwicklungen junger Unternehmer und daher an spannenden Kooperationen interessiert. So gestalten wir gemeinsam die Energiezukunft“, erklärt Dr. Egon Westphal, Technikvorstand beim Bayernwerk. Drohnenflug und Satellitentechnologie sollten künftig Hand in Hand arbeiten: Denn die präventive Überwachung der Vegetation aus dem All ersetzt nicht regelmäßige Inspektionen. Ein morscher Mast kann per Drohne besser erkannt werden als mit der groben Satellitenerfassung.

Um den Drohnenflug auszubauen, plant das Bayernwerk eine weitere Kooperation: Das Bielefelder Start-up U-ROB hat sich auf Drohnenflug spezialisiert. Es berät Unternehmen in der Arbeit mit den fliegenden Robotern und führt auch Schulungen durch. In einer späteren Phase des Vegetationsüberwachungsprojekts sollen Mitarbeiter des Bayernwerks von U-ROB geschult werden und einen Drohnenflugschein erhalten.

Digitale Innovationen, so Egon Westphal, seien von allergrößter Bedeutung, um die immer komplexer werdende Energieversorgung zuverlässig zu managen. „Künftig werden wir noch mehr Energie aus dezentralen Erzeugungsquellen in das Stromnetz einspeisen. Damit die Versorgung zu jeder Zeit stabil bleibt, ist angesichts der heterogenen Energieströme ein sensibles Netzmanagement gefragt“, erläutert der Bayernwerk-Vorstand. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Umspannwerken zu, denn sie wandeln Mittelspannung in Hochspannung um und verteilen die Energie aus vielen unter-schiedlichen Quellen überregional. Hier setzt das Projekt NEXT.VRStation an.

Virtual Reality als Unterstützung

„Mittels Virtual Reality bereiten wir unsere Auszubildenden auf die sensible Umgebung in einem Umspannwerk vor, bevor sie ein reales Umspannwerk kennenlernen“, erklärt Stefan Sollfrank, Leiter der Aus-bildung bei der Bayernwerk Netz GmbH. In maximaler Realitätsnähe bewegen sie sich durch den virtuellen Raum und können exakte Schalthandlungen ausführen. Sie tragen eine Virtual-Reality-Brille und halten die Schaltelemente in ihren Händen, um so für den späteren Einsatz im realen Umspannwerk zu trainieren. Der digitale Raum eignet sich hervorragend, um eine Vielzahl an Lerninhalten intensiv zu vermitteln. Dadurch reduzieren sich auch die Fahrten zu den Ausbildungsorten. Und nicht zuletzt geht damit eine Einsparung von CO2 einher. „Das ist gelebter Klima-schutz“, schließt der Ausbildungsleiter.

Interview

Weniger Stromausfälle durch Unterstützung aus dem Weltall

Das Berliner Start-up Live EO unterstützt mit Satellitentechnologie das Bayernwerk beim Vegetationsmanagement. Mitgründer und COO Sven Przywarra erklärt im Interview den innovativen Ansatz.

Hier geht`s zum Interview…