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18. Mai 2022 11:41  Uhr

Neue Herausforderungen für die Firmennachfolge

Strukturell bleibt der Nachfolgeprozess gleich, die Aspekte für die Attraktivität eines Unternehmens haben sich allerdings gewandelt. Die Experten der MTG Wirtschaftskanzlei begleiten Firmen auf ihrem Weg in die Zukunft.

Rechtsanwalt Alexander Rappl und Steuerberaterin Maria Janker sind die erfahrenen Experten der MTG Wirtschaftskanzlei für das Thema Nachfolge. Foto: Martin Rosner

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG. Was hat ein Gasthaus mit einem Unternehmen im Nachfolgeprozess zu tun? „Ist ein Gasthaus beliebt, muss ein neuer Pächter sich nicht erst einen guten Ruf erarbeiten, damit die Gäste kommen“, sagt Alexander Rappl, Rechtsanwalt und Nachfolgeexperte bei der MTG Wirtschaftskanzlei. Und weil sich heute Arbeitgeber eher bei den qualifizierten Mitarbeitenden bewerben als umgekehrt, ist es durchaus eine wichtige Frage, wie „sexy“ ein Unternehmen für potenzielle Fachkräfte ist. Faire Vergütungen, ein kollegiales Arbeitsumfeld und das Angebot flexibler Arbeitszeitmodelle – unter anderem aufgrund dieser gelebten Werte hat der Landesverband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe in Bayern e. V. (LSWB) der MTG Wirtschaftskanzlei das Siegel „Exzellenter Arbeitgeber 2022“ verliehen. Alexander Rappl weiß also, wovon er spricht, wenn er die Bedeutung des Arbeitsklimas bei der Nachfolge betont.

Arbeitgebercharme als wertvolle Währung

„Wenn ich als externer Interessent ein Unternehmen mit wenig Arbeitgebercharme übernehme, liegt es an mir selbst, die Firma attraktiv für Fachkräfte zu machen. Aber natürlich kostet das zusätzliche Zeit und Energie“, so Rappl. Der klassische Satz, beim Unternehmensverkauf müsse man „die Braut hübsch machen“, gelte heute nicht mehr nur in Bezug auf Bilanzposten. Coronakrise und Ukrainekonflikt haben weitere neue Bewertungsaspekte für eine Betriebsübernahme in den Fokus gerückt. Rappl: „Die Coronakrise und der Ukrainekonflikt stellen den Anfang einer generellen Veränderungswelle in der Wirtschaft dar. Und das wird sich speziell bei der externen Unternehmensnachfolge spürbar auswirken.“ Wenn heute über längere Zeit der Hafen Shanghai blockiert sei, gefährde das Mittelstandsunternehmen in Ostbayern. Zumindest in Europa herrschte außerdem jahrzehntelang das Gefühl, in dauerhaftem Frieden zu leben. Auch diese vermeintliche Sicherheit ist vorbei. „Für die künftige Neuaufstellung von Unternehmen wird die Rückbesinnung auf regionalere Lieferketten ein Thema sein. Wenn ich heute vorhabe, ein Unternehmen zu kaufen, werde ich Kundenstamm und Zulieferer anders beurteilen, als das noch vor den aktuellen Krisen der Fall war“, so Rappl. „Hier sind Unternehmen, die vorher gerade wegen globaler Vernetzungen attraktiv waren, nachfolgetechnisch womöglich zum Ladenhüter geworden.“

Ein weiteres Thema in der Nachfolge: das neue Mindset der jungen Generation in Sachen Work-Life-Balance. „Ein wichtiger Faktor für die Zukunft des mittelständischen Unternehmertums ist die klare Rollentrennung zwischen operativer Arbeit und Führung. Wenn die jüngere Übernehmergeneration weniger Zeit im Operativen verbringen will, braucht sie die Fähigkeit und Bereitschaft, zu delegieren“, erklärt Rappls Kollegin, die Steuerberaterin Maria Janker. Mit der Homeofficewelle in der Coronakrise hätten die Unternehmen aus Sicht der MTG ein Stück weit gelernt, da, wo es möglich sei, New-Work-Konstrukte zuzulassen. „Und das macht Unternehmen natürlich auf dem Bewerbermarkt wieder attraktiver.“ Grundsätzlich schätzt die MTG, dass die Zahl der externen Unternehmensnachfolgen deutlich steigen wird. Schon deshalb, weil die Bereitschaft, innerhalb der Familiennachfolge in die alten Fußstapfen der Eltern zu treten, gesunken ist. Die junge Generation ist schnelllebiger und hat mehr Lust, sich auszuprobieren und immer wieder zu verändern. Janker: „Heute steht längst nicht mehr fest, dass ich in dem Familienunternehmen, in dem ich aufgewachsen bin, auch alt werde. Bei aller Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft raten wir generell, ob bei interner oder externer Nachfolge, sich Zeit für Entscheidungen zu nehmen, wenn man den Grundstock für eine nachhaltige Unternehmenszukunft legen will. Eine gut vorbereitete Unternehmensnachfolge kann schon mal drei bis fünf Jahre Zeit in Anspruch nehmen.“

Der richtige Mittelweg für die zeitliche Abwicklung

Zeit nehmen ja, auf die lange Bank schieben nein – so könnte man den besten Mittelweg für die Nachfolgestrategie beschreiben. Doch bei MTG weiß man, wie schwer sich viele Unternehmer mit dem ersten Schritt tun. „In der Nachfolgeberatung ist es wichtig, den betroffenen Unternehmen durch klar vermittelte Kompetenz die Angst vor einem unangenehmen Thema zu nehmen“, betont Rappl. Viele Unternehmen haben diese Frage vielleicht schon mal bei ihrem eigenen Steuerberater angesprochen, aber es fehlt das Selbstbewusstsein, den nötigen Prozess in Gang zu setzen. Die MTG Wirtschaftskanzlei versteht sich durchaus als Dienstleister für Kollegen aus der Finanz- und Steuerbranche, für den Mandanten ein individuelles Kompetenznetzwerk zu bilden. Die MTG-Veranstaltungsreihen sind ein enorm wichtiges Instrument, unverbindlich einen Einstieg ins Thema zu bieten und dafür zu sorgen, dass die Nachfolgeproblematik in den Köpfen präsent bleibt. Dr. Bernd Waffler und Rainer Müller gewähren am 24. Mai in Ursensollen und am 2. Juni in Regensburg, jeweils von 18 bis 20 Uhr, unter anderem Einblick in die Bewertung des Unternehmenswertes. Mehr Infos auf www.mtg-group.de/aktuelles/

Interview

Die richtige Mischung aus Tradition und Moderne

Maria Janker, Steuerberaterin und Nachfolgeexpertin bei der MTG Wirtschaftskanzlei, spricht über grundsätzliche Themen, die man im Nachfolgeprozess bedenken muss, und die Auswirkungen der aktuellen Krisen.

Hier geht’s zum Interview …