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19. Oktober 2021 11:58  Uhr

Privatvermögen möglichst frühzeitig übergeben

Ein erfolgreicher Generationenwechsel erstreckt sich nicht nur auf die Unternehmensnachfolge: Wer frühzeitig die Übergabe des Familienvermögens im Blick hat, kann mit interessanten Modellen für die nächste Generation sorgen.

Rainer Müller, Partner und Steuerberater der MTG Wirtschaftskanzlei, Steuerberaterin Regina Schels und Rechtsanwalt Matthias Käsbauer (v. li.) sind die Fachleute beim Thema Vermögensnachfolge. | Foto: Martin Rosner

Von Gabi Hueber-Lutz

REGENSBURG. Die Übergabe des Unternehmens zu regeln, ist vielen Unternehmern ein großes Anliegen. Was bei der fordernden Führung eines Unternehmens jedoch leicht einmal aus dem Blick gerät, ist das Privatvermögen, das sich im Laufe der Zeit angesammelt hat. Das sei nachvollziehbar, sagt Rainer Müller, Partner der MTG Wirtschaftskanzlei. Das Unternehmen ist oft das Lebenswerk des Firmeninhabers und darauf liegt sein Fokus.

Dass das Privatvermögen daneben gerne einmal stiefmütterlich behandelt wird, hat Rainer Müller schon sehr oft beobachtet. Dabei gibt es gute Möglichkeiten, die erarbeiteten Werte des privaten Vermögens in die nächste Generation zu bringen und den Umfang der Erbschaftsteuer zu mildern.

Vermögen im Wert von 400.000 Euro pro Elternteil dürfen Kinder alle zehn Jahre bekommen, ohne Schenkungsteuer dafür zahlen zu müssen, erklärt Steuerberaterin Regina Schels. Dies ist auf jeden Fall eine Summe, die genutzt werden sollte. Zudem kann durch lebzeitige Übertragung die Progression der Steuerbelastung ausgenutzt werden.

Königsweg: Familiengesellschaften bilden

Geht das Familienvermögen über den Freibetrag hinaus, heißt der Königsweg oftmals Familiengesellschaft. Deren Ziel ist es, das Privatvermögen langfristig in der Familie zu halten. „Mithilfe der Familiengesellschaft kann man als Unternehmer frühzeitig Weichen stellen“, betont Rainer Müller. Rechtsanwalt Matthias Käsbauer schildert ein Beispiel: Bei Gründung einer Familiengesellschaft wird das gesamte Privatvermögen an diese Gesellschaft übertragen. Alles kommt also in einen Topf. An diesem Topf gibt es Beteiligungen, die man flexibel gestalten kann. Beispielsweise sind die Eltern zu je 35 Prozent beteiligt, die beiden Kinder je zu 15 Prozent. Ein konkreter finanzieller Vorteil ist der, dass die aus diesem Topf erwirtschafteten laufenden Erträge schenkungssteuerlich nicht auf den Freibetrag angerechnet werden. Ein Teil des künftig – durch laufende Erträge – erzielten Familienvermögens kann damit also ganz legal bereits auf die nächste Generation übertragen werden und unterliegt damit später auch nicht mehr der Schenkung- oder Erbschaftsteuer.

Auch bei Wertsteigerungen, wie sie etwa bei Immobilien derzeit nicht unerheblich sind, unterliegt diese in Höhe der bereits bestehenden Beteiligung der Kinder nicht mehr der Schenkungsteuer. Außerdem haben Kinder in der Regel einen geringeren Einkommensteuersatz als ihre Eltern. Das bedeutet, dass für die Erträge einer Familienpersonengesellschaft unterm Strich weniger Ertragsteuern gezahlt werden, als wenn das ganze Vermögen in den Händen der Eltern bliebe.

Gesellschaftsvertrag flexibel gestalten

Eine Sorge, die Eltern gar nicht so selten umtreibt, kann ebenfalls durch den Gesellschaftsvertrag geregelt werden. Sind die Kinder schon in der Lage, mit einem kleineren oder größeren Vermögen umzugehen? Damit die nächste Generation langsam in die Vermögensverwaltung hineinwächst, können sich die Eltern den federführenden Bereich, also die organisatorische Verwaltung des Vermögens, vorbehalten.

Darüber hinaus können sie zum Beispiel bestimmen, was mit den jährlichen Erträgen geschieht, betont Regina Schels. Liegen zum Beispiel Immobilien im Wert von mehreren Millionen Euro im Topf, können die Mieteinnahmen pro Jahr schnell eine stattliche Höhe erreichen. Es liegt in der Hand der Übergebenden, zu regeln, was damit geschieht. Geht der gesamte Ertrag in die Rücklagen? Wird ein Teil ausbezahlt oder gar alles? Auch verschiedene Nießbrauchgestaltungen zur privaten Absicherung der Übertragenden sind denkbar.

Aufgrund der flexiblen Gestaltung des Gesellschaftsvertrages kann in diesem Rahmen auch auf die weitere Erbfolge Einfluss genommen werden. Damit wird das Ziel, die langfristige Sicherung des Vermögens innerhalb der Familie, erreicht, als auch Vorkehrung für unerwartete Todesfälle getroffen.

Geringe Bürokratie nach erfolgter Gründung

Rainer Müller begleitet seine Mandanten seit über zehn Jahren von der Konzeption hin bis zur rechtlichen, vertraglichen und steuerlichen Umsetzung von Familiengesellschaften sowie auch die im Anschluss notwendige jährliche steuerliche Abwicklung gegenüber dem Finanzamt. Dabei werden bei Bedarf erstmalig Testamente erstellt oder auch bestehende Testamente überprüft und mit dem Gesellschaftsvertrag abgestimmt. Ist eine solche Gesellschaft einmal gegründet, hält sich der weitere bürokratische Aufwand in Grenzen. Ist zum Beispiel der Erwerb einer weiteren Immobilie angedacht, so kann dies auch direkt in der Gesellschaft geschehen. Die Kinder sind über ihre prozentualen Anteile bereits an der neuen Immobilie beteiligt, und das wiederum, ohne dass der Betrag auf die Schenkungsteuer angerechnet wird.

Auch Rainer Müller weiß natürlich, dass Familien nicht immer mit einer Stimme sprechen. Eine Familiengesellschaft muss daran aber nicht scheitern. Auch hier gibt es Möglichkeiten. Gemeinsam mit den Fachleuten wird für jede Familienkonstellation ein passendes und individuelles Konzept erarbeitet.

Interview

Das eigene Unternehmen zukunftsfähig weitergeben

Die Rechtsanwälte Alexander Rappl (re.) und Ingo Gramling, MTG Wirtschaftskanzlei erklären im Interview, auf welche Punkte es im Übergabeprozess besonders zu achten gilt.

Hier geht’s zum Interview …