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27. Mai 2021 10:00  Uhr

Schnell, hochpräzise und international erfolgreich

ASM AMICRA Microtechnologies GmbH feiert Jubiläum: Der Regensburger Hidden Champion in Sachen Photonics blickt zurück auf 20 Jahre turbulente Halbleiterunternehmensgeschichte  – und voraus in eine glänzende Zukunft.

Die drei Geschäftsführer von ASM AMICRA Microtechnologies vor ihrer hochpräzisen Bestückungsanlage: Horst Lapsien, Dr. Johann Weinhändler und Rudolf Kaiser (v. li.). Foto: Attila Henning/Archiv

Von Rebecca Sollfrank

REGENSBURG. Es ist bezeichnend, dass die Wiege eines Regensburger Hidden Champions der Photonicsbranche in einer ehemaligen Postkantine in der Hoppestraße stand. Dort gründeten der Softwarespezialist Rudolf Kaiser und der Maschinenbauexperte Horst Lapsien 2001 die Firma AMICRA Microtechnologies GmbH mit fünf Mitarbeitern. Zum 20-jährigen Jubiläum werfen sie mit ihrem Vertriebs- und Marketinggeschäftsführer Dr. Johann Weinhändler einen Blick zurück auf 20 Jahre turbulente Halbleiterunternehmensgeschichte.

Prämierter Weltmarktführer in Produktionsanlagen für hochpräzise Mikrochipmontage, operative Innovationsplattform für Zukunftstechnologien wie Augmented Reality, autonomes Fahren oder 5G, sympathisches Team mit Vielfalt und menschenzentrierter Führung – ASM AMICRA hat viele Gesichter. Aber wie avancierte man vom ostbayerischen Fünf-Mann-Betrieb zur eigenständigen Premiummarke unter dem Dach des weltweit größten Herstellers für Backend-Produktionsanlagen für die Halbleitertechnik, der ASM Pacific Technology mit Sitz in Singapur?

Sofort in den globalen Markt eingestiegen

Der klassische Weg vieler Start-ups beginnt im regionalen Markt und wird irgendwann internationaler. „Unser Weg war ein anderer“, erinnert sich Horst Lapsien. „Wir sind gleich in den globalen Investitionsgütermarkt eingestiegen.“ Rudolf Kaiser und Horst Lapsien lernten sich kennen, als sie für Siemens Sondermaschinen für hochpräzises Bestücken bauten. Schnell fragte man sich, ob nicht auch andere Kunden die Kombination aus Softwarewissen und Maschinenbaukompetenz brauchen könnten. AMICRA war geboren. „Die ersten Kunden, die uns besuchten, kamen aus Schweden und Frankreich“, erzählt Horst Lapsien. Ausgerechnet das Platzen der Dotcom-Blase 2000 und die daraus folgenden Kursverluste und Insolvenzen bei Technologieunternehmen sorgten dafür, dass die erste AMICRA-Anlage 2001 in die USA gelangte, so Rudolf Kaiser: „Ein Start-up, für das wir eine Sondermaschine entwickelt hatten, wurde von einem US-Unternehmen übernommen und das kaufte die Maschine.“ Trotz Konzentration auf regionale Kunden blieb der Fuß in der Tür des internationalen Marktes. Nicht nur durch die Zusammenarbeit mit Global Playern wie Infineon oder Osram. „Wir waren immer auf internationalen Messen unterwegs und hatten internationale Verkaufsrepräsentanten“, so Rudolf Kaiser.

Mit der Achterbahn in die richtigen Ausfahrten

Das Halbleitergeschäft blieb eine Achterbahnfahrt. Die Finanzkrise 2008 reduzierte den Umsatz 2009 um 75 Prozent. Mit dem Eintritt von Dr. Johann Weinhändler Anfang 2009 als drittes Geschäftsführungsmitglied, der auch für den weltweiten Vertrieb und Marketing verantwortlich ist, wurde der Umsatz im Jahr darauf versiebenfacht. Das Stammteam von damals 15 Leuten verdoppelte sich innerhalb eines Jahres. 2009 refokussierte man sich auf die Kernkompetenz hochpräzises Bestücken und Die-Bonding. Den professionellen Finanzierungspartner S-Refit ins Boot zu holen, schaffte schließlich die finanzielle Basis für einen Wachstumsschub. Unter der Leitung von Johann Weinhändler wurden im Jahr 2012 Vertriebsbüros im Silicon Valley in den USA und in Singapur gegründet und dadurch das globale Geschäft weiter angekurbelt. Zwischen 2010 und 2018 verzeichnete AMICRA im Schnitt 30 Prozent Umsatzsteigerung pro Jahr und konnte zehn bis 15 namhafte Neukunden jährlich gewinnen. AMICRA hatte sich zu einer starken Marke mit Gewicht und bestem Ruf in der weltweiten Halbleiterszene gemausert, an dem kein namhafter Photonicsproduzent mehr vorbeikam.

Eine synergetische Win-win-Situation

Der nächste Wachstumsschritt war logisch: eine gute Exitstrategie. Langjährig entwickelte Kompetenz, gepaart mit dem guten Markennamen sorgten dafür, dass man sich den Partner für den strategischen Exit aussuchen konnte. Der Technologiekonzern ASM Pacific Technology aus Singapur hatte sich bereits im Photonicsbereich versucht, mit mäßigem Erfolg. Nicht ohne Stolz, aber mit einem Augenzwinkern sagt Johann Weinhändler: „Die konnten ihre Maschinen nicht verkaufen, weil nicht AMICRA draufstand.“ Die 2018 geschlossene Partnerschaft wurde zu einer synergetischen Win-win-Situation. ASM integrierte AMICRA mitsamt dem in Regensburg verwurzelten Management und profitiert seither von einem Premiumangebot in Sachen Photonics. Das ASM-AMICRA-Team kann innerhalb des großen Vertriebsnetzes und unter der weltweiten ASM-Marktpräsenz zu neuen innovativen Höhenflügen ansetzen. 2019 sahnte man den „Productronica Innovation Award“ ab. Preisgekrönt wurde der neue Chip-on-Submount Die Bonder CoS, der das Credo von ASM AMICRA personifiziert: schneller und präziser. Die miniaturisierten Packages, die hier entstehen, sind unter anderem die Basis für 5G-Übertragung, Augmented Reality und autonomes Fahren.

Standorttreu und vielfältig

Wie geht es weiter? „Wir wollen wachsen“, sagt Johann Weinhändler. Diversität – im derzeit 140-Mitarbeiter*innen zählenden Team sind mehr als zehn Nationen vertreten – paart sich mit der Treue zum Standort Regensburg. Denn hier, meint Johann Weinhändler, „haben wir nicht nur eine ideale Infrastruktur mit der Nähe zu Infineon oder Osram. Wir schöpfen durch Hochschulangebote wie die OTH Mikrosystemtechnik aus einem interessanten Talentpool.“ Dass das Regensburger Flair auch potenzielle Mitarbeiter aus Spanien, Frankreich oder Indien begeistert, schadet sicher nicht.

Interview

Schlüsseltechnologie und innovative Entschlossenheit

Dr. Johann Weinhändler, Managing Director Sales, Marketing, Business Development und Quality Management bei ASM AMICRA, erklärt im Interview, warum Photonics die Schlüsseltechnologie unseres künftigen Alltags ist. | Foto: Attila Henning

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