Zukunftsmuseum
1. Oktober 2021 11:27  Uhr

Unbequeme Wahrheiten

Es gibt keinen Planet B: Mit den begrenzten Ressourcen der Erde und dem verantwortungsvollen Umgang mit ihnen beschäftigt sich die Themenwelt „System Erde“.

CO2 und der Ressourcenverbrauch sind die Themen dieser Ausstellung. | Foto: Thomas Tjiang

Von Thomas Tjiang

NÜRNBERG. Über der Themenwelt „System Erde“ schwebt ein riesiger Globus. Der räumt auf mit dem Denken bis zum Gartenzaun oder bis zu Landesgrenzen. Auf die Erdkugel werden aktuelle Satellitenbilder projiziert, die beispielsweise Winde, Meeresströmungen oder die Erhitzung der Kontinente visualisieren. So werden die Spuren menschlichen Handelns etwa auf das Klimasystem anschaulich gemacht. Weitere Exponate, Mitmachstationen und Installationen wie ein durch Projektion zum Leben erweckter Müllberg vermitteln unbequeme Wahrheiten und stellen Lösungsvorschläge zur Diskussion.

Eine Stadtmauer aus CO2-Filtern

Technisch etwa wäre ein ausgestellter CO2-Filter ein Ausweg, allerdings mit unerwünschten Begleiterscheinungen. Denn weil in Deutschland jeder Mensch alljährlich rund 9200 Kilogramm CO2 emittiert, wären beispielsweise für die Frankenmetropole Nürnberg rechnerisch 96.000 Anlagen notwendig, um die CO2-Emissionen der Bewohner herauszufiltern. Diese Anzahl könnte man zwar statt der historischen Altstadtmauer rund um die City aufbauen. Allerdings entstände dann eine Filtermauer von üppigen 68 Metern, die an der Oberkante auf Augenhöhe mit der wuchtigen Sebalduskirche wäre.

Ein Modell für die regenerative Energiegewinnung ist eine britische Turbinenanlage, die auf der Meeresoberfläche schwimmt und Strom erzeugt. Die Turbinen nutzen zur Energiegewinnung die Strömungen, die ohne zusätzlichen Aufwand kontinuierlich durch die Gezeiten entstehen.

Kernfusion zur Energiegewinnung

Die Zukunft der Energiegewinnung kann auch in einem sogenannten Stellerator liegen. Das ist eine ringförmige Anlage mit speziell geformten Spulen zum magnetischen Einschluss eines heißen Plasmas, um so Energie durch Kernfusion zu gewinnen. Doch der Weg zur kontinuierlichen Wärme- und Stromgewinnung ist noch lang, weltweit tüfteln Forscherteams an dieser klimaneutralen Energieversorgung.

Ein paar Schritte weiter findet sich ein Modell einer auf der Meeresoberfläche schwimmenden Glocke. Darin werden oberhalb des Wasserspiegels Pflanzen ähnlich wie in einem Treibhaus auf dem Ozean angebaut. Sonne und Ozeantemperatur sorgen für gute klimatische Bedingungen, die Versorgung mit Nährstoffen und Wasser erfolgt extern. Auf diese Weise ließen sich neue Anbauflächen in sehr großen Dimensionen und abseits des bewohnten Landes gewinnen.